Aus einer Lust und Frust Phase heraus bin ich im Jahre 1984 mal für vier Tage nach Köln gefahren, zu Freunden, um ganz einfach einmal mit ihnen ganz intensiv den Karneval zu erleben... Interessant ist es, wie wir das Wort Karneval aus dem lateinischen ableiten können, um die eigentliche Wortbedeutung zu erfassen: Carne - das Fleisch... Vale - es lebe!

Immerhin ist dann diese kleine Ballade über den Kölschen Karneval entstanden:


Karneval, anno 1984 in Köln


1. Akt – Auf zu neuen Taten!

Ich wollte gerne mal versacken,
in Köln, bei tollen Weiberjecken,
um ollen Leibern zuzunicken.
Im Karneval, ganz aus den Socken
wollt ich auch mal ein Kölschbier schlucken!

Ich war zunächst recht unentschlossen,
wollt ich mich doch gern fahren lassen
von Kumpel Teddy, doch stattdessen,
hat er den Reiseplan zerrissen!

Alaaf! Ich brauchte nur einpacken:
Mich selbst - und in den Zug zu stecken:
Auch Geld - wird sich mit Lust verquicken!
Ich bin, mit angemalten Pocken,
dem Leid entfernt, mich wird’s nicht jucken!

Auch ohne meinen Zeitgenossen
Hab ich die Gassen hier verlassen.
Mit Geld auf Pump, ganz ehrvergessen,
sei ich gewiss nicht aufgeschmissen.

Das erste Moos musst ich abzwacken
In wirklich teuren Altstadtecken.
Doch dann ging`s los, mit Ernies Cliquen,
um im Miljöh viel zu frohlocken
und um dem Treiben zuzukucken.

Die Martina ist sehr aufgeschlossen.
Ihr Freund Ernie darf sie anfassen.
Er – rank und schlank, Sie – angemessen,
leben sehr frei von Hindernissen.

Bei diesen Freunden konnt` ich knacken
Und meinen Frohsinn weit erstrecken.
Breit, wie ich war, sollt ich erblicken
Wie Gören in den Discos hocken
und mir mit nacktem Fleisch zuzucken!

Wir haben sehr viel Kölsch genossen
und Kies in Massen hinterlassen.
Mit BAP bleibt Stimmung unvergessen,
auch die Bläck Fös wird ich vermissen!



2. Akt – Nach dem ersten Kater…

Nun will ich doch etwas nachdenken:
Fröhlich sein heißt: Sich gern betrinken?
Der Wirt wird sich hier gern bedanken,
wenn seine Zecher, wonnetrunken,
sich ganz mit Alkohol ablenken
und letztlich nur nach Fusel stinken,
um vollgetankt nach Haus zu schwanken,
aus den Spelunken, traumversunken!

In unserem Kalendarium
ist Karneval ein: Refugium!

Ein Magazin schreibt: Tusch nach Zoten!
Was ist den mit den zehn Geboten?
Und mit Brasiliens Samba – Toten?

Die Brauer kennen nur Renditen,
wenn wir auf unsren Stipvisiten
dabei sind und Trinkgeld feilbieten!

Wenn wir hier sinnlos Moos verbraten
als hätten wir reichlich Dukaten,
sind das echt keine Heldentaten!

Statisten sind wir, nach Statuten,
lassen Umzüge mich vermuten,
wenn uns Kamellen überfluten!

Eigentlich hilft uns da nur beten…
Können wir Gott denn näher treten,
wenn wir Abgöttern nachtrompeten?

In diesem Kölner Brimborium
ist Heiligsein kein Kriterium!

Im Stern, Heft 10, kann man nachlesen,
wozu sich Narren gern entschließen:
Bei süßen Musen, ohne Blusen,
kommen Schalksnasen zu Ekstasen!
Sie treiben spießig ihr Unwesen
lassen die Sau raus und genießen
im Bierdunst hemmungslos die Busen
und dreschen frauenfeindlich Phrasen!



3. Akt – Höhepunkt und Absturz

Und nun geht’s weiter, unverdrossen,
wir sind jetzt wieder ausgelassen!
Vom Schwoofen bin ich ganz besessen,
lass ich auch viele Mädels wissen.
Gedanken zanken: Diese Nacken,
mit ihren kecken Fräulein – Becken,
darf ich sie denn heut einmal zwicken?
Vielleicht sind sie doch sehr erschrocken
und fangen an, mich anzumucken!

In Kyffhäusers Tanzkellergeschossen
haben wir uns fahren gelassen.
Jacques Offenbach`s „Can Can“ indessen
hat uns, verrockt, ganz hingerissen!

Eigentlich bin ich recht hausbacken,
kein Faschingstyp, doch wenn die gecken
Jecken mich treiben und anticken,
kann ich nach Kölschen Rhythmen rocken,
dann bin ich „in“ und will mitzucken!

Ähnlich sind Nächte lang verflossen…
Tagsüber war ich am verblassen.
Der Kater jaulte währenddessen
und spielte Maus mit mir – verbissen!

So hab ich meine kleinen Macken.
Was will ich Narr hier denn bezwecken?
Nicht nur um Schnecken anzublicken
fuhr ich nach Köln…: Um unerschrocken,
auf Wangen Küsse abzudrucken!

Wieder daheim, hab ich beschlossen,
über Köln Possen zu verfassen.
Stundenlang reimte ich versessen
und blickte hinter die Kulissen.

Um mich zu Hause zu entschlacken
musst ich meine Gedärme strecken.
Ab jetzt möcht ich nur Müsli picken,
und gern in meiner Bude hocken,
um Mineralwasser zu schlucken!

Prost!