Predigt Jürgen 25. Oktober 1998
Daniel 5
Gewogen und zu leicht befunden


Der Pfarrer Heinrich Kemner erzählt: Als ich vor einiger Zeit mit einem Freund eine Bergwanderung in den Alpen machte, trafen wir einen Gemsjäger. Er berichtete uns, daß in der Nähe einer der tiefsten Abgründe der Schweiz sei, und erbot sich, uns dorthin zu führen.

Unser Blick glitt in bodenlose Tiefe; wir konnten uns eines geheimen Schauers nicht erwehren. Der Jäger forderte uns lächelnd zu einer Mutprobe auf, zu dem Versuch, so nah wie möglich an den Rand zu treten. Mein Freund folgte und versuchte, sich in langsamer Bewegung dem Abgrund zu nähern. Aber an einem bestimmten Punkt stoppte der Schritt. Im Gehirn setzte Blutleere ein. Er fing an zu zittern, und wir mußten ihn zurückführen.

Als ich den gleichen Versuch unternahm, reichte die Energie einen Schritt weiter, aber dann war ich in der gleichen Weise für den Abgrund vor mir anfällig, wie mein Freund. Der Jäger erzählte uns dann, daß er schon viele Jahre geübt habe, einmal auf dem Grat zu stehen. Das sei ihm aber bisher bei aller Willensanstrengung nicht gelungen...

Wir spielen so gerne mit dem Feuer und setzten uns dabei gefährlichen Situationen aus, um möglichst viel zu erleben, um möglichst nahe an unsere Grenzen zu stoßen. Wir können so richtig süchtig nach den abenteuerlichsten Kicks werden, wenn uns der eigentliche Sinn des Lebens fehlt. Das so etwas auch schiefgehen kann, erlebten am letzten Wochenende fast drei Bergsteiger am Großglockner. Bei herrlichstem Wetter nahmen sie sich am Samstag vor, dort in über 3000 m Höhe zu biwakieren – nach diesem rasanten Wettersturz in der Nacht zum Sonntag mußten sie von der Bergwacht gerettet werden.

Heute erleben wir in Daniel Kapitel 5 einen König, der auch vor dem Abgrund seines Lebens steht, in seiner Überheblichkeit fällt und, frei ins Bodenlose abstürzernd, rettungslos verloren ist.

Es ist wie mit den beiden Freunden. Nennen wir sie ruhig einmal Daniel und Belsazar. Sie sind unterwegs in der Stadt. Sie gehen an einem Saal vorbei, aus dem christlicher Gesang ertönt. ´Da geh ich hinein‘, meint der Daniel neugierig. Belsazar spottet nur und zieht alleine weiter, seinem Frühschoppen entgegen. Daniel hört das klare Evangelium, hört, das man sich ganz gezielt für Jesus entscheiden muß, kommt zum Glauben und wird ein gesegneter Diener Gottes, von Belsazar ist nicht mehr viel zu berichten, er wird straffällig und alkoholabhängig. Dieses extreme Beispiel zeigt auf, was für große Folgen Entscheidungen haben können! Bei uns geht es heute um einen großen Herrscher, der auch die falsche Entscheidung getroffen hat, nämlich für ein oft ausschweifendes Leben vor dem Tod, für Genuß ohne Reue, aber gegen ein ewiges Leben. Schauen wir heute in das Leben eines Menschen hinein, dessen Herz hart geworden ist, lesen wir aus dem Buch Daniel das Kapitel fünf.

„1 Belsazars Gastmahl. König Belsazar machte ein herrliches Mahl für seine tausend Mächtigen und soff sich voll mit ihnen. 2 Und als er betrunken war, ließ er die goldenen und silbernen Gefäße herbringen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem weggenommen hatte, damit der König mit seinen Mächtigen, mit seinen Frauen und mit seinen Nebenfrauen daraus tränke. 3 Da wurden die goldenen und silbernen Gefäße herbeigebracht, die aus dem Tempel, aus dem Hause Gottes zu Jerusalem, weggenommen worden waren; und der König, seine Mächtigen, seine Frauen und Nebenfrauen tranken daraus.4Und als sie so tranken, lobten sie die goldenen, silbernen, ehernen,
eisernen, hölzernen und steinernen Götter. 5 Im gleichen Augenblick
gingen hervor Finger wie von einer Menschenhand, die schrieben
gegenüber dem Leuchter auf die getünchte Wand in dem königlichen
Saal. Und der König erblickte die Hand, die da schrieb. 6 Da entfärbte sich der König, und seine Gedanken erschreckten ihn, so daß er wie gelähmt war und ihm die Beine zitterten.
7 Und der König rief laut, daß man die Weisen, Gelehrten und
Wahrsager herbeiholen solle. Und er ließ den Weisen von Babel
sagen: Welcher Mensch diese Schrift lesen kann und mir sagt, was
sie bedeutet, der soll mit Purpur gekleidet werden und eine goldene
Kette um den Hals tragen und der Dritte in meinem Königreich
sein.8 Da wurden alle Weisen des Königs hereingeführt, aber sie
konnten weder die Schrift lesen noch die Deutung dem König
kundtun. 9 Darüber erschrak der König Belsazar noch mehr und
verlor seine Farbe ganz, und seinen Mächtigen wurde angst und
bange. 10 Da ging auf die Worte des Königs und seiner
Mächtigen die Königinmutter in den Saal hinein und sprach: Der König lebe ewig! Laß dich von deinen Gedanken nicht so erschrecken, und entfärbe dich nicht! 11 Es ist ein Mann in deinem Königreich, der den Geist der heiligen Götter hat. Denn zu deines Vaters Zeiten fand sich bei ihm Erleuchtung, Klugheit und Weisheit wie der Götter Weisheit. Und dein Vater, der König Nebukadnezar, setzte ihn über die Zeichendeuter, Weisen, Gelehrten und Wahrsager, 12
weil ein überragender Geist bei ihm gefunden wurde, dazu Verstand und Klugheit, Träume zu deuten, dunkle Sprüche zu erraten und Geheimnisse zu offenbaren. Das ist Daniel, dem der König den Namen Beltschazar gab. So rufe man nun Daniel; der wird sagen, was es bedeutet. 13 Da wurde Daniel vor den König geführt. Und der König sprach zu Daniel: Bist du Daniel, einer der Gefangenen aus Juda, die der König, mein Vater, aus Juda hergebracht hat? 14
Ich habe von dir sagen hören, daß du den Geist der heiligen Götter habest und Erleuchtung, Verstand und hohe Weisheit bei dir zu finden sei. 15 Nun hab ich vor mich rufen lassen die Weisen und Gelehrten, damit sie mir diese Schrift lesen und kundtun sollen, was sie bedeutet; aber sie können mir nicht sagen, was sie bedeutet. 16 Von dir aber höre ich, daß du Deutungen zu geben und Geheimnisse zu offenbaren vermagst. Kannst du nun die Schrift lesen und mir sagen, was sie bedeutet, so sollst du mit Purpur gekleidet werden und eine goldene Kette um deinen Hals tragen und der Dritte in meinem Königreich sein. 17 Da fing Daniel an und sprach vor dem König: Behalte deine Gaben und gib dein Geschenk einem andern; ich will dennoch die Schrift dem König lesen und kundtun, was sie bedeutet. 18 Mein König, Gott der Höchste hat deinem Vater Nebukadnezar Königreich, Macht, Ehre und Herrlichkeit gegeben. 19 Und um solcher Macht willen, die ihm gegeben war, fürchteten und scheuten sich vor ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen. Er tötete, wen er wollte; er ließ leben, wen er wollte; er erhöhte, wen er wollte; er demütigte, wen er wollte. 20 Als sich aber sein Herz überhob und er stolz und hochmütig wurde, da wurde er vom königlichen Thron gestoßen und verlor seine Ehre 21 und wurde verstoßen aus der Gemeinschaft der Menschen, und sein Herz wurde gleich dem der Tiere, und er mußte bei dem Wild hausen und fraß Gras wie die Rinder, und sein Leib lag unter dem Tau des Himmels und wurde naß, bis er lernte, daß Gott der Höchste Gewalt hat über die Königreiche der Menschen und sie gibt, wem er will. 22 Aber du, Belsazar, sein Sohn, hast dein Herz nicht gedemütigt, obwohl du das alles wußtest, 23 sondern hast dich gegen den Herrn des Himmels erhoben, und die Gefäße seines Hauses hat man vor dich bringen müssen, und du, deine Mächtigen, deine Frauen und deine Nebenfrauen, ihr habt daraus getrunken; dazu hast du die silbernen, goldenen, ehernen, eisernen, hölzernen, steinernen Götter gelobt, die weder sehen noch hören noch fühlen können. Den Gott aber, der deinen Odem und alle deine Wege in seiner Hand hat, hast du nicht verehrt. 24 Darum wurde von ihm diese Hand gesandt und diese Schrift geschrieben. 25 So aber lautet die Schrift, die dort geschrieben steht:
Mene mene tekel u-parsin. 26 Und sie bedeutet dies: Mene, das ist, Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. 27 Tekel, das ist, man hat dich auf der Waage gewogen und zu leicht befunden. 28 Peres, das ist,dein Reich ist zerteilt und den Medern und Persern gegeben. 29 Da befahl Belsazar, daß man Daniel mit Purpur kleiden sollte und ihm eine goldene Kette um den Hals geben; und er ließ von ihm verkünden, daß er der Dritte im Königreich sei. 30 Aber in derselben Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer, getötet.“

Die Ereignisse, die in Daniel 1 – 4 berichtet werden, gehören, wie wir wissen, in die Herrschaftszeit Nebukadnezars, unter dem das babylonische Weltreich wuchs und vereinigt wurde. Nebukadnezar stirbt 562 vor Christus, nach 43 jähriger Herrschaft. Die darauf folgenden Jahre in der babylonischen Geschichte sind durch einen immer größer werdenden Verfall, durch Intrigen und Morde gekennzeichnet. Auf Nebukadnezar folgt einer seiner Söhne, der widerum von einem Schwiegersohn Nebukadnezars ermordet wird. Nach weiteren kurzen Regierungsepisoden kommt Nabodidus, ein Schwiegersohn Nebukadnezars an die Macht, dessen Sohn wiederum Belsazar ist. Belsazar wird von seinem Vater zum Mitregenten ernannt, und diese Mitregentschaft erklärt, warum Belsazar König genannt wird, obwohl eigentlich Nebukadnezars Schwiegersohn Nabonidus auf dem Thron sitzt. Diese Mitregentschaft erklärt auch, warum Nebukadnezar in unserem heutigen Kapitel viermal als der Vater Belsazars bezeichnet wird. Heute bekommen wir auch einen Eindruck vom Ende der babylonischen Herrschaft, die Perser stehen vor der Tür. Belsazar befindet sich auf dem Höhepunkt seiner scheinbaren Macht, vielleicht soll dieses Festmahl und dieses Besäufnis seine Verachtung für die angreifenden Perser zeigen und die Ängste des Volkes zerstreuen. Belsazars Name bedeutet, der babylonische Götze Bel habe den König beschützt. Dieses fünfte Kapitel zeigt uns sehr deutlich Gottes Handeln an einem Menschen auf, dessen Herz hart geworden ist. Wie weit sich Bels Schutz auswirkt, werden wir heute noch sehen...

Nach diesen einleitenden Gedanken möchte ich uns nun einen kurzen Überblick geben über das, was uns heute am Hofe Belsazars erwartet.

Dabei beantworten wir im Hauptteil drei Fragen
1. Wie äußert sich das verhärtete Herz Belsazars?
2. Wie reagiert Gott auf das verhärtete Herz Belsazars?
3. Wie lautet Gottes Botschaft an das verhärtete Herz Belsazars
sich das verhärtete Herz Belsazars?

Schlußgedanke: Gewogen und zu leicht befunden...

Singen wir nun zur Einstimmung aus Lied 263 die erste Strophe

„Du gibst das Leben, das sich wirklich lohnt. Für das Versprechen hast Du Dich nicht verschont. Und Du gibst nicht nur ein wenig, HERR, die Fülle ist bei Dir! Du, das Leben, gibst das Leben, das sich lohnt. Du gibst das Leben mit einem klarem Sinn, beendest das Verlorensein, schenkst einen Neubeginn. Du gibst das Leben, das sich wirklich lohnt. Für das Versprechen hast Du Dich nicht verschont. Und Du gibst nicht nur ein wenig, HERR, die Fülle ist bei Dir! Du, das Leben, gibst das Leben, das sich lohnt.“

Belsazar demonstriert seine Macht und Größe an einem langen Fest. Je länger ein Fest dauert, desto größer ist nach damaliger Sitte das Ansehen des Gastgebers. Die Perser stehen zwar vor der Tür, doch Belsazar fürchtet deren Macht nicht. Außerdem hat er ja für ca. 20 Jahre Lebensmittelvorräte horten lassen, um Belagerungen standhalten zu können. Belsazar fühlt sich sehr sicher in seiner Position. Wie viele Menschen heutzutage demonstrieren nicht auch Macht und Sicherheit, verhärten dadurch ihr Herz und fühlen sich stark und groß...! Ein Kind stellt sich auch gerne auf die Zehenspitzen, wenn wir nach seiner Größe fragen. Ein Autoaufkleber sagt aus: ´Wenn ich einmal groß bin, überhole ich Euch alle!`

Jesus sagt aber eindeutig in Mathäus 23,11

„11 Der größte unter euch soll euer Diener sein“
In seiner Überheblichkeit gegenüber Gott macht Belsazar etwas, wozu sich selbst Nebukadnezar nicht getraut hätte, siehe unseren Vers

„3 Da wurden die goldenen und silbernen Gefäße herbeigebracht, die aus dem Tempel, aus dem Hause Gottes zu Jerusalem, weggenommen worden waren; und der König, seine Mächtigen, seine Frauen und Nebenfrauen tranken daraus.“

Belsazar ist nicht mehr Herr seiner selbst, er steht unter dem Einfluß des Weines, er wird der Sklave seiner Sünde, Sklave des Gegenspielers Gottes. Er handelt nach dem Motto eines kleinen Jungen, der einmal im Nachtgebet spricht: ´Hab ich Unrecht heut getan, geht’s dem lieben Gott nichts an`!

All die heiligen Gefäße, die Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem geraubt und nach Babylon gebracht hat, sind dem Altar geweiht (vergl 4. Mose 7). An diesen heiligen Gefäßen vergreift sich der König Belsazar. Diese Tat macht sein Sündenmaß voll, Gnade kann ihm nicht mehr angeboten werden. Sein Untergang ist besiegelt.

Belsazars Leben können wir in drei grobe Sünden einteilen:Er setzt sich leichtfertig über die Sünde hinweg, obwohl er genau weiß, was Nebukadnezar wegen seines Hochmutes widerfahren ist. Belsazar ist auch bekannt, wie die drei Freunde Daniels im Feuerofen auf wunderbare Art und Weise von Gott bewahrt worden sind. Aber sein Gewissen ist abgestumpft, er läßt sich nicht mehr warnen.

Sein moralischer und sein geistlicher Charakter stimmen nicht mit Gottes heiliger Gerechtigkeit überein.

Er hat sich nicht gedemütigt, obwohl er von Gottes Willen wußte, siehe Vers 22„22 Aber du, Belsazar, sein Sohn, hast dein Herz nicht gedemütigt, obwohl du das alles wußtest,“

Singen wir nun die Strophe 2 aus unserem Lied 263
„Du gibst das Leben, das sich wirklich lohnt. Für das Versprechen hast Du Dich nicht verschont. Und Du gibst nicht nur ein wenig, HERR, die Fülle ist bei Dir! Du, das Leben, gibst das Leben, das sich lohnt. Du machst das Leben mit Dir tief und weit, Du reißt uns Horizonte auf, zeigst uns das Ziel der Zeit. Du gibst das Leben, das sich wirklich lohnt. Für das Versprechen hast Du Dich nicht verschont. Und Du gibst nicht nur ein wenig, HERR, die Fülle ist bei Dir! Du, das Leben, gibst das Leben, das sich lohnt.“

Wie reagiert nun Gott auf das verhärtete Herz Belsazars? Kommen wir zum zweiten Hauptpunkt. Nun kann Gottes Gericht angekündigt werden! Gott versetzt Belsazar in Angst und Schrecken, um noch sein verhärtetes Herz zu erreichen, siehe Vers

„5 Im gleichen Augenblick gingen hervor Finger wie von einer
Menschenhand, die schrieben gegenüber dem Leuchter auf die
getünchte Wand in dem königlichen Saal. Und der König erblickte
die Hand, die da schrieb.6 Da entfärbte sich der König, und seine
Gedanken erschreckten ihn, so daß er wie gelähmt war und ihm die
Beine zitterten.“

Belsazar ist ein unguter und leichtsinniger Mensch, der jeden Respekt überhaupt aufgegeben hat. Belsazar genügen Wein, Weib und Gesang nicht mehr! Er hat die goldenen Gefäße kommen lassen, die Nebukadnezar aus Jerusalem erbeutete, und noch mit einem gewissen Respekt behandelt und weggeschlossen hat. Und Belsazar hat mit seinen Kumpanen, Mätressen und Dirnen aus den Tempelgeräten getrunken, dabei den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs verhöhnt und dazu die Götzen Babylons gerühmt. Das Maß ist voll!

Wenn Gott redet, wird ein Mensch sehr schnell wieder nüchtern! Oft muß erst Not und Schrecken in das Leben eines verhärteten Menschen hineinkommen... Not ist oft der Weg, den Gott benutzt, um einen Menschen zu zerbrechen, wir haben es vor einiger Zeit in Daniel vier, bei Nebukadnezar, gesehen.

Gott antwortet auf eine total stille und unhörbare, aber souveräne und vor allem überlegene Art und Weise, daß es ihnen durch Mark und Bein geht. Balsazar wird kreidebleich, seine gottlose Gratwanderung hat ein Ende. Die Stimmung schlägt von Übermut in schlotternde Angst um. Bald befindet er sich im freien Fall... Kein Wein, kein Gelage kann ihn mehr trösten... In seiner Angst und Not wendet sich Belsazar an seine Wahrsager, die aber alle jämmerlich versagen...

Ein in Vergessenheit geratener Bote Gottes, nämlich Daniel, wird durch die Mutter des Königs vor Belsazar gebracht. Daniel ist nunmehr ein alter Mann von ca 80 Jahren. Und Daniel zeigt sich immer noch unbestechlich, er will die versprochenen Geschenke nicht annehmen. Daniel hat nach Nebukadnezars Tod im babylonischen Reich keine hohe Position mehr inne.

Ein Farmer hat sein ganzes Leben lang Gott geleugnet und schreibt an seine Zeitung einen Leserbrief. Sinngemäß heißt es darin, daß er, anstatt wie die anderen Farmer jeden Sonntag in die Kirche zu gehen und einen Ruhetag zu machen, jeden Sonntag hart gearbeitet, gesät, gepflügt und geerntet habe. Und seine Ernte sei natürlich weitaus besser ausgefallen als die Ernte seiner gläubigen Nachbarn, die jeden Sonntag geruht haben. Der Verleger dieser Zeitung hat dazu seine Gedanken veröffentlicht: Gott präsentiert seine Rechnung nicht immer im Oktober, da vermag der Ungläubige für lange Zeit weitaus fröhlicher sein als wir. Gott hat Zeit und antwortet zu Seiner Zeit!

Singen wir nun die dritte Strophe aus unserem Lied 263

„Du gibst das Leben, das sich wirklich lohnt. Für das Versprechen hast Du Dich nicht verschont. Und Du gibst nicht nur ein wenig, HERR, die Fülle ist bei Dir! Du, das Leben, gibst das Leben, das sich lohnt. Mit Dir zu leben, bewahrt uns nicht vor Leid. Doch weil dies auf Dich schauen lehrt, lohnt sich auch Traurigkeit. Du gibst das Leben, das sich wirklich lohnt. Für das Versprechen hast Du Dich nicht verschont. Und Du gibst nicht nur ein wenig, HERR, die Fülle ist bei Dir! Du, das Leben, gibst das Leben, das sich lohnt.“

Kommen wir nun zum dritten Hauptpunkt. Wie lautet Gottes Botschaft an das verhärtete Herz Belsazars?

Daniel erinnert Belsazar an das Wissen, welches Belsazar über Nebukadnezar mitbekommen hat. Belsazar weiß ja, wie Gott an seinem Großvater gehandelt hat! Belsazar hätte wissen müssen, daß Gott den Stolzen demütigen kann! Wie gehen wir da mit unserem Wissen um? Ich denke, wir verdrängen da auch immer wieder so vieles...

Daniel zeigt die Sünden des Königs auf, die darin gipfeln, daß Belsazar Gott nicht ehrt, siehe Vers

„23 Den Gott aber, der deinen Odem und alle deine Wege in seiner Hand hat, hast du nicht verehrt.“

Das ist die größte Sünde des Menschen, Gott nicht zu ehren, Ihn nicht zu lieben! Was wirft Jesus z. B. den neun geheilten Aussätzigen vor?

„Lukas 17,17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun?
18 Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde?“

Auch sie haben Gott keine Ehre gegeben!

Daniel klärt nun Belsazar über diese geheimnisvolle Schrift auf, siehe

„25 So aber lautet die Schrift, die dort geschrieben steht: Mene mene tekel u-parsin. 26 Und sie bedeutet dies: Mene, das ist, Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. 27 Tekel, das ist, man hat dich auf der Waage gewogen und zu leicht befunden. 28
Peres, das ist, dein Reich ist zerteilt und den Medern und Persern gegeben.“

Daniel erklärt die Wortstämme, da hat ´parsin‘ den Sinn von ´geteilt, zu leicht‘. Und es ist zugleich ein Wortspiel auf die Perser! Daniel gebraucht hier auch das Bild von einer Waage. Dabei liegt das Gesetz Gottes auf der einen Waagenseite – und unser Leben wird dagegengesetzt, und es ergibt sich natürlich ein Ungleichgewicht. Wir sind allesamt zu leicht, weil wir Gottes Gesetze nicht erfüllen können und unsere guten Absichten und Worte bei weitem nicht ausreichen. Ein hartes Urteil, von Gott so auf die Waage gelegt zu werden...

Belsazar hält sich zwar jetzt an sein Versprechen, belohnt den Daniel ganz reichlich, aber er selbst, Belsazar, ist immer noch zu verhärtet und findet nicht mehr den Weg zur Umkehr. Wie sieht unser Weg aus, wenn Gott uns heute wiegen würde? Nur, wenn Jesus mit in der Waage sitzt, dann wird die Waagschale nicht als zu leicht empfunden! Wenn Jesus nicht in unserem Leben ist, dann lautet das Urteil auch: ´gewogen und zu leicht befunden`.

Belsazar hat Gott widerstanden und verdrängt, ganz nach dem Motto: Nach mir die Sintflut. Belsazar hätte sich noch demütigen und bekehren können, und es wäre ihm alles vergeben worden, aber er will nicht. Er will nicht das Gewicht, diese Gnade erfahren, die alle Sünden aufwiegen kann... Es ergeht ihm so, wie es einem jungen Gefangenen ergangen ist...
Dieser junge Mann hat zuvor nie ein großes Unrecht begangen. Eines Tages aber spielt er Karten und gerät während dieses Spiels derart in Aufregung, daß er seinen Gegner erschießt. Er wird verhaftet, verhört und zum Tode verurteilt. Seine Verwandten und Freunde reichen beim zuständigen Gouverneur eine Bittschrift ein, die von vielen Menschen aus den Dörfern und Städten, ja, aus dem ganzen Staat, die davon hörten, unterzeichnet sind. Als der Gouverneur, ein gläubiger Christ, die Bittschrift liest, kommen ihm die Tränen. Er beschließt, den Mann zu begnadigen, stellt ein Begnadigungsschreiben aus und will es dem Verurteilten selber bringen. So steckt er es in seine Tasche, zieht sich das Gewand eines Geistlichen an und geht ins Gefängnis. Als er sich der Todeszelle nähert und vom Verurteiltem erblickt wird, schreit dieser: Machen Sie, daß sie fortkommen. Ich will mit Ihnen nichts zu tun haben. Da alles eindringliche Bitten des Gouverneurs nichts hilft, verläßt er schließlich das Gefängnis wieder. Als der junge Mann später erfährt, daß es sich bei diesem Geistlichen um den Gouverneur handelt, der mit einem Begnadigungsschreiben zu ihm gekommen ist, setzt er ein Entschuldigungsschreiben auf und will alles rückgängig machen. Als aber der Gouverneur diesen Brief erhält, schreibt er nur noch darunter: Kein Interesse mehr an diesem Fall!

Kommen wir nun wieder zu Belsazar zurück. Man hätte nun erwarten können, daß sein Zorn über Daniel gekommen sei, weil er diese Botschaft verkündigt hat. Aber der König bleibt seinem Versprechen treu und belohnt Daniel. Aber Daniel kann sich dieser neuen Stellung, in die er erhoben ist, nur kurz freuen, denn in dieser Nacht wird Belsazar getötet, und Darius übernimmt das Reich.

Die Stadt Babel wird von Kyrus angegriffen. In der Erwartung einer langen Belagerungszeit sind in ihr Nahrungsmittel für mindestens zwanzig Jahre gelagert. Der Euphrat fließt von Norden nach Süden quer durch Babel, es fehlt also nie an Wasser. Belsazar fühlt sich fälschlicherweise so sicher, weil das persische Heer außerhalb der dick befestigten Stadtmauern liegt. Indem nun die Perser einen Kanal nördlich der Stadtzwischen dem Euphrat und einem nahegelegenen See graben, leiten sie einen Teil des Euphratwassers um. Als dieses Wasser auf diese Weise geteilt ist, können die Soldaten durch das Flußbett in die Stadt gelangen und Babel kampflos erobern.

Der spöttische Dichter Heinrich Heine hat in seinen letzten Lebensjahren einige fromme Dinge geschrieben. Ob er dabei zum Glauben gekommen ist, das weiß nur der HERR! Auf jeden Fall hat Heine diese Geschichte um Belsazar schön in eine Gedichtsform gebracht:

Die Mitternacht zog näher schon; In stummer Ruh lag Babylon.

Nur oben in des Königs Schloß, da flackerts, da lärmt des Königs Troß.

Dort oben in dem Königssaal - Belsazar hielt sein Königsmahl.

Die Knechte saßen in schimmernden Reihn - Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.

Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht; So klang es dem störrischem Könige recht.

Des Königs Wangen leuchten Glut; Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.

Und blindlings reißt der Mut ihn fort, und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.

Und er brüstet sich frech und lästert wild! Die Knechtenschar ihm Beifall brüllt.

Der König rief mit stolzem Blick; Der Diener eilt und kehrt zurück.

Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt; Das war aus dem Tempel Jehovas geraubt.

Und der König ergriff mit frevler Hand - Einen heiligen Becher, gefüllt bis zum Rand.

Und er leert ihn hastig bis auf den Grund. Und rufet laut mit schäumenden Mund:

„Jehova! Dir künd ich auf ewig Hohn, ich bin der König von Babylon!“

Doch kaum das grause Wort verklang, dem König wards heimlich im Busen bang,

das gellende Lachen verstummte zumal; es wurde leichenstill im Saal.

Und sieh! Und sieh! An weißer Wand, da kams hervor, wie Menschenhand,

und schrieb und schrieb an weißer Wand - Buchstaben von Feuer und schrieb und schwand.

Der König mit stieren Blick da saß, mit schlotternden Knien und totenblaß.

Die Knechtenschar saß kalt durchgraut. Und saß ganz still, gab keinen Laut.

Die Magier kamen, doch keiner verstand - zu deuten die Flammenschrift an der Wand.

Belsazar ward aber in selbiger Nacht - von seinen Knechten umgebracht.



Singen wir nun die letzte Strophe aus unserem Lied 263

„Du gibst das Leben, das sich wirklich lohnt. Für das Versprechen hast Du Dich nicht verschont. Und Du gibst nicht nur ein wenig, HERR, die Fülle ist bei Dir! Du, das Leben, gibst das Leben, das sich lohnt. Wer in Dir bleibt, der lebt nicht mehr für sich und wird bestimmt von Deiner Liebe und bringt Frucht für Dich. Du gibst das Leben, das sich wirklich lohnt. Für das Versprechen hast Du Dich nicht verschont. Und Du gibst nicht nur ein wenig, HERR, die Fülle ist bei Dir! Du, das Leben, gibst das Leben, das sich lohnt.“

In unserem Kapitel 5 wird uns auch phrophetisch vorgezeichnet, in welchem Stadium bzw. welcher Stunde der Weltgeschichte wir uns heute befinden, nämlich am Ende der Gnadenzeit, bevor plötzlich die antichristliche Herrschaft über unsere Welt hereinbricht. Der größte Teil der Menschheit, der sich ein recht angenehmes und unabhängiges Leben leisten kann, lebt so verantwortungslos und stolz und unbescheiden drauflos wie die meisten der Dienerschaft am Hofe Belsazars. Die Feinde stehen schon vor der Haustür und klopfen an. Mit Feinden können auch alle Dinge gemeint sein, mit denen uns der Teufel nach unten ziehen will... wie z. B. Unfriede, Verschuldung, Arbeitslosigkeit, Unzucht, Alkoholismus, Götzendienst, Zauberei, Eifersucht, Völlerei, Mord und Totschlag... diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Der Teufel herrscht in dieser immer gottloseren Welt und klopft mit diesen sogenannten Früchten des Fleisches immer wieder bei uns an... Nach uns die Sintflut..., denken da so viele Ungläubige und auch gläubige Christen und leben drauflos und lassen sich mitreißen. So habe ich früher auch einmal gelebt.

Der größte Teil der heute lebenden Menschheit wird auch, vielleicht schon sehr bald, gewogen und zu leicht befunden..., die Entrückung direkt in den Himmel hinein findet ohne sie statt. Jedes Menschenleben ohne den lebendigen Jesus im Herzen wird von Gott unbedingt als zu leicht befunden...!

Unsere Lebenszeit ist begrenzt und vergänglich. Wie sollen wir da mit unserer Zeit umgehen? Entweder wollen wir jetzt und heute leben und auch die Sünde genießen, oder wir versuchen, unser Leben aus der Hand Gottes zu leben und es zu Seiner Ehre zu gestalten. Gott möchte, daß sich diese Waage zu unserem Gunsten ausgleicht. Dann gilt das „Menetekel“ an der Wand für uns nicht mehr. Gott hat uns erlöst, darum können wir mit gutem Gewissen, ohne Schock und mit viel Dankbarkeit sagen: Es ist alles in Ordnung! Mit der Tat, die Jesus für uns gemacht hat, ist diese Waage ausgeglichen!

Paul Humburg erzählt folgende Geschichte: Oberhalb des Rheinfalles von Schaffhausen waren zwei Männer mit ihrem Boot umgekippt und trieben hilferufend im Strom. Es wurde ihnen vom Ufer ein Rettungsseil zugeworfen. Der eine der beiden ergriff das Rettungsseil und wurde an Land gezogen. Der andere klammerte sich in seiner Verwirrung und Todesangst an das Boot und trieb mit ihm in den Tod. Beide haben etwas ergriffen. Beide haben in den Stunden der höchsten Gefahr auf etwas ihr Vertrauen gesetzt. Beide haben an etwas geglaubt. Nur der eine ergriff das Richtige, der andere das Falsche...

So kann die heutige Botschaft auch sehr evangelistisch verstanden werden... Wenn eine Rettung nicht angenommen wird, dann geht’s zum Teufel... Es gibt ein Mene, Meine, Tekel für alle, die nicht von Herzen an Jesus glauben, für alle, die Jesus nicht angenommen haben. Noch ist Errettung und Erlösung möglich, noch leben wir in der Gnadenzeit. Noch kann das Schicksal Belsazars alle Ungläubigen warnen und sie dazu ermuntern, umzukehren von ihrer Schuld, ihre Sünden Jesus zu bekennen und von Herzen an Ihn zu glauben, noch gilt das Wort aus Markus 1

„15 Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“

...an das Evangelium zu glauben, welches so wunderschön einfach in Johannes 3 beschrieben ist

„16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Und uns allen, die wir bereits an Jesus glauben, kann dieses Wort aus Daniel 5 ermuntern, nicht überheblich zu werden, unser Herz nicht zu verhärten und ganz einfach im Glauben zu wachsen, ganz nach Kolososser 3,17

„17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn“.

Und Jesus erforscht unser Herz immer wieder, Er möchte uns in der Nachfolge immer wieder stärken. Zum Schluß lese ich als Beleg gerne noch den bekannten Vers aus 2. Chronik 16

„9 Denn des HERRN Augen schauen alle Lande, daß er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind.“


Amen!