Das Wort vom Kreuz 1 - Vergebung
Predigt Jürgen 25. April 1999
Lukas 23,34

Die hübsche, lebenslustige und athletische Joni Eareckson schlägt auf einen Stein auf, als sie in einem See springt. Seitdem ist sie vom Hals an abwärts gelähmt. Sie malt Bilder mit ihrer Mundmalerei. Ihr Zeugnis ist durch ihre Bücher und durch den Film über ihr Leben auf der ganzen Welt bekannt geworden.

Joni durchleidet in einer verzweifelten Nacht ihre völlige Hilflosigkeit und bittet ihre Freundin, ihr Tabletten zu geben, damit sie sterben kann. Als die Freundin ihr das abschlägt, denkt sie: Noch nicht einmal selbst sterben kann ich. Das Leben wird für Joni eine richtige Hölle. Schmerzen, Wut, Bitterkeit und seelische Qual erschüttern ihr Gemüt. Obwohl sie keine körperlichen Schmerzen fühlt, martern stechende Gefühle ihre Nerven und verbreiten sich über ihren ganzen Körper. Das geht drei Jahre lang so. Dann beginnt eines Nachts bei Joni eine dramatische Wende, die sie zu der gläubigen Christin werden läßt, die sie jetzt ist. Ihre beste Freundin Cindy sitzt an ihrem Bett und sucht verzweifelt nach etwas, womit sie ihr Mut zusprechen kann. Es muß ihr durch den Heiligen Geist eingegeben worden sein, denn plötzlich sprudelt es aus ihr heraus: "Joni, Jesus weiß, wie dir zumute ist. Du bist nicht die einzige Gelähmte. Er war auch gelähmt." Joni starrt sie an. "Cindy, wovon redest du?" - "Es stimmt, Joni. Er war ans Kreuz genagelt. Sein Rücken war wund von den Schlägen, so wie Dein Rücken auch manchmal wund wird. Wie muß er sich danach gesehnt haben, sich bewegen zu können, sein Gewicht zu verlagern. Doch er konnte sich nicht bewegen. Joni, er weiß, wie dir zumute ist."

Cindys Worte gehen Joni zu Herzen. Sie hat das zuvor noch nie bedacht. Der Sohn Gottes hat die stechenden Gefühle selbst durchlitten, die ihren Körper peinigen. Der Sohn Gottes kennt die Hilflosigkeit, die sie durchlebt. Später sagt Joni einmal: "Gott kam mir damals so unglaublich nahe..."
Diese Joni führt heute als gelähmte Frau in Amerika ein glückliches Eheleben. Durch ihr großartiges Zeugnis hat sie schon viele Menschen für den HERRN gewinnen können. Kein Neurologe und kein Psychotherapeut haben ihr entscheidend helfen können – nein, es war das schlichte Wort vom Kreuz, welches ihre Seelenqualen besiegt und ihrem Leben wieder einen entscheidenden und wunderbaren Sinn gegeben haben.

Eines meiner zehn Lieblingsverse in der Heiligen Schrift beschreibt die Kraft, die hinter diesem Wort vom Kreuz steht, beschreibt die Kraft, die Joni wieder ein ausgeglichenes und fröhliches Leben schenkt, ich lese den Vers aus 1. Korinther 1

„18 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist‘s eine Gotteskraft.“

Das Wort vom Kreuz ist eine Gotteskraft! Das Wort vom Kreuz schenkt Kraft, läßt uns schon heute glücklich und selig werden! Das gilt nicht nur für Joni, dieses Wort gilt allen Menschen, die an dieses Wort vom Kreuz glauben. Paulus betont dies an anderer Stelle noch einmal, ich lese aus dem Römerbrief, Kapitel 1 den Vers

„16 Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.“

Dieses einfache Wort vom Kreuz rettet und segnet . Dieses Wort vom Kreuz ist das Fundament, das kleine Einmaleins für einen jeden gläubigen Christen. Wenn wir uns dieses Wort vom Kreuz verinnerlichen, dann werden alle anderen biblischen Themen und Fragestellungen zweit-, dritt- oder auch viertrangig.

Findet die Entrückung nun vor, während oder nach der Trübsalszeit statt? Was passierte vor dem 1. Schöpfungstag der Erde? Ist nun die Taufe ein zentrales und biblisches Ereignis im Leben eines jeden Christen, wie es die Baptisten betonen? Sollen wir in unseren Brüdergemeinde wöchentlich das Abendmahl halten oder reicht es uns auch einmal monatlich, so wie es viele Geschwister in den Freien evangelischen Gemeinden tun? Sollen wir nun auch unter den Juden missionieren oder lassen wir es lieber? Sollen wir nun noch mehr Gemüse und auch Obst essen und auf Schweinefleisch und auf unseren Wein vielleicht gar ganz verzichten, so wie es Daniel am Anfang seiner Kariere so vorbildlich tat? Mir schmeckt eine anständige Brotzeit mit Wurst und Käse viel besser. Ich erinnere mich, daß ich mir dazu auch schon mal Gedanken gemacht habe in einer Predigt zu Daniel 1. Diese und viele andere Fragen können jedoch ganze Gemeinden und auch Gemeindeverbände durcheinanderbringen, denn sie sind wirklich nur zweit-, dritt- oder auch viertrangig oder auch ganz unwichtig, wenn wir das kleine biblische Einmaleins, das Wort vom Kreuz, verinnerlicht und begriffen haben!

Ich habe mir deshalb vorgenommen, mich in meinen nächsten Predigten ganz bewußt auf dieses Wort vom Kreuz zu beschränken, beziehungsweise es hervorzuheben, denn mehr brauchen wir wirklich nicht! Wir werden genug damit zu tun haben, durch dieses Wort vom Kreuz immer mehr zu wachsen, immer mehr selig zu werden! Ich hoffe und bete, daß wir diese Gotteskraft, die in diesem Wort vom Kreuz verborgen ist, auch heute und auch sonst immer wieder erleben dürfen! Es gibt viele Christen und auch Nichtchristen, welche diese Gotteskraft erst erleben, wenn es schon fast zu spät ist, denken wir da an unsere Joni. Aus meinem WDL – Bekanntenkreis kenne ich ein lebenslustiges gläubiges Mädchen, etwa 20 Jahre alt, welches diese Gotteskraft jetzt so bitter nötig hat, denn nach einem schweren Verkehrsunfall wird sie kaum noch ein normales Leben führen können, die Ärzte kämpfen um ihr Augenlicht, sie wird wahrscheinlich blind bleiben. Darum, genießen wir diese Gotteskraft nicht nur in schlechten Tagen, wenn gar nichts anderes mehr hilft und es unsere einzige Chance ist, nein, lassen wir diese Gotteskraft auch hier und heute ganz groß in uns werden!

Jesus selbst spricht in der Stunde Seiner tiefsten Erniedrigung sieben verschiedene Worte beziehungsweise Sätze zu uns, Er spricht sie im Angesichte Seiner größten Qual. Für die meisten Juden, die auf Golgatha diese Hinrichtung beobachten, sind diese Worte vom Kreuz eine Torheit, sie werden durch diese Sätze nicht berührt. Doch für einige wenige werden diese Worte schon am Orte dieser Exekution zur göttlichen Kraft. Ich denke da besonders an den sogenannten Schächer, welcher zusammen mit Jesus gekreuzigt wird und in den letzten Stunden vor seinem grausamen Tod noch seine Bekehrung zu seinem göttlichen Heiland erfährt! Dieser Verbrecher, der diese Worte vom Kreuz in der Stunde seiner tiefsten Zerbrechung und Hoffnungslosigkeit ganz gierig aufnimmt, ist, wenn wir in die beginnende Gnadenzeit hineinschauen, vielleicht der Erstling, ist die erste Frucht, die unser HERR Jesus durch Sein Opfer am Kreuz mit in den Himmel nehmen darf! Diese Worte vom Kreuz besitzen die allmächtigen göttlichen Kräfte, selbst den schlimmsten Verbrechern noch Gnade und Vergebung zu schenken!

„18 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist‘s eine Gotteskraft.“
(1. Korinther 1,18)
Dieses Wort vom Kreuz hat auch mich persönlich errettet und läßt mich schon oft selig werden, und deshalb gehört dieser Vers zu meinen zehn liebsten Bibelversen. Wenn mir der HERR auch zukünftig Gnade schenken wird, möchte ich gerne in diesen nächsten Predigten diese sieben Worte Jesu vom Kreuz einzeln betrachten. Lassen wir nun Jesus erstes Wort vom Kreuz auf uns wirken, ich lese den heutigen Text aus Lukas 23

„34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!...“

Nach diesen einleitenden Gedanken möchte ich uns wieder einen Überblick darüber geben, was uns heute in diesem Wort vom Kreuz erwartet:

B Hauptteil
1. Warum muß Jesus leiden?
2. Das Gebet als Wunderwaffe
3. Die Fürbitte Jesu
4. Wir sind lebendige Gebetserhörungen

C Schlußgedanke: Vergebung erfahren und Vergebung weiterschenken!

Singen wir jetzt die erste Strophe aus unserem Lied 548. Versuchen wir, es nicht zu hoch anzustimmen, denn sonst schaffen wir dabei die wirklich hohen Töne nicht.

„Im Kreuz ist unsere Kraft verborgen, nimm sie nur gläubig an. Geh
Schritt für Schritt und laß Ihn sorgen, Er führt auf rechter Bahn. Denn
die da harren auf den HERRN, die kriegen neue Kraft, sie fahren auf
mit Flügeln wie Adler. Sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden und wandeln mühelos!“
Jesus leidet schon Schreckliches, als Er das erste Wort vom Kreuz spricht:

„34... Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!...“

Wir haben die Leidensgeschichte Jesus schon so oft gehört, oft wollen wir sie auch gar nicht mehr hören, wir haben uns an sie gewöhnt, sie ist nichts Neues mehr für uns, sie läßt uns immer mehr kalt. Viele sterben heute für andere, lassen ihr Leben für andere, ob es im Krieg ist wie jetzt in Kosovo, ob es auch bei der Bergwacht passiert, ob sich Ärzte oder Krankenschwestern im Beruf für ihre Nächsten aufopfern – was ist da heute schon so Besonderes dran, können wir zynisch fragen. Was ist deshalb am Kreuz schon so Besonderes dran – da stirbt ein Mensch einen qualvollen Tod – und das ist heute nichts Besonderes mehr. Das gab es schon immer in dieser Welt... können wir desinteressiert entgegnen... So denken nicht nur Toren, die vom Wort vom Kreuz nichts mehr wissen wollen. So denken auch wir immer wieder und vergessen dabei immer wieder, welche Kraft vom Kreuz ausgeht! Und deshalb sollten wir uns auch jetzt wieder diese Leidensgeschichte Jesu vor Augen halten. Wollen wir doch versuchen, sie mit unseren schwachen Worten noch einmal zu verdeutlichen. Dabei möchte ich auch den englischen Prediger Charles H. Spurgeon zitieren, dessen gewaltiger Wortschatz in der Kraft Seines Geistes schon viele Seelen zu Jesus geführt hat. Auch erinnere ich mich dabei gerne an ein äußerst beeindruckendes vorösterliches Wort von dem Prediger Hellmut Sinzel aus Bischofshofen in Österreich, an eine Predigt, die mich bereits 1993 geprägt hat.

Die Leidensgeschichte Jesu beginnt nach dem letzten gemeinsamen Passamahl. Jesus weiß, was auf Ihn zukommt und singt mit seinen Jüngern noch Loblieder, bevor sie hinaus auf den Ölberg gehen. Nun ist Jesus unterwegs in den Garten Gethsemane, zu einem Rendevous mit Seinem Verräter. Mit diesem Gang nach Gethsemane beginnen einmalige Ereignisse, die unser Schöpfer niemals vorher erlebt hat und niemals nachher noch einmal erleben wird. Ohne die Kraft des Heiligen Geistes ist es völlig unmöglich, diesen Opfergang Jesus auch nur ansatzweise zu verstehen. Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen...! Es geschieht etwas völlig Unglaubliches! Der Schöpfer des Universums wird von Seinen Geschöpfen hingerichtet! Jesus, der niemals eine Sünde getan hat, über dessen Lippen kein betrügerisches Wort gekommen ist (1. Petrus 2,22), Jesus wird hingerichtet! Und warum hat Jesus sich das gefallen lassen? Jesus hat einen ewigen Plan erfüllt, Paulus lüftet im Epheserbrief, Kapitel 3 dieses Geheimnis

„8 Ausgerechnet ich, der geringste unter allen Christen, darf
anderen Völkern verkünden, welch unermeßlichen Reichtum
Christus für jeden von uns bereithält. 9 Allen darf ich erklären, was
Gott, der das Weltall geschaffen hat, von Anfang an mit uns
Menschen vorhatte und was bisher verborgen blieb. 10 Jetzt sollen
alle Mächte und Gewalten an der Gemeinde die unendliche
Weisheit Gottes erkennen. 11 Alle sollen nun wissen, daß Gott seinen
ewigen Plan durch unseren Herrn Jesus Christus verwirklicht hat.
12 Jetzt können wir zu jeder Zeit furchtlos und voller Zuversicht zu
Gott kommen, wenn wir an ihn glauben.“
(Hoffnung für alle)

Dieser ewige Plan sieht vor, daß Gott Jesus mit all unserer Schuld beläd und verurteilt, damit wir von dieser Schuld frei sind und Menschen werden, die Gott gefallen (2. Ko 5,21). Und Jesus ist so gehorsam! Er hat unsere Sünden auf sich genommen und sie selbst zum Kreuz hinaufgetragen (1. Petr 2,24), damit alle, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben (Johannes 3,16). Das bedeutet, daß wir als Gläubige jetzt frei sind von der Sünde, Durch Seine Wunden hat Jesus uns geheilt (1. Petr 2,24).

Jesus wird tatsächlich gerichtet von Gott, für all die Mörder, für die Folterer, die Vergewaltiger, aber auch für die Diebe, für die Lügner und Ehebrecher, für die Neider..., für alle, die jetzt an Ihn glauben dürfen. Jesus wird für uns verurteilt, für uns, die wir Sünden oft nur als harmlose Kavaliersdelikte ansehen. Jetzt kann ich die äußerst angstvolle Bitte Jesus an Seinen Vater vielleicht ein wenig besser begreifen, wenn Jesus zu Tode betrübt im Garten Gethsemane fleht-... das einzige Gebet Jesu, welches Gottvater, Ihm sei Lob und Dank, nicht erhört hat:

„36 Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von
mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!“
(Markus 14,36)

Ich glaube, wir können sicher sein, daß das Bittere dieses Kelches, den der HERR da zu trinken hat, nicht dieser entsetzliche Foltertod am Kreuz ist, der Ihn zu Tode geängstigt hat. Es ist nicht die fürchterliche Geißelung, vor die der HERR die allermeiste Angst hat. Dabei werden mit den schlimmen römischen Widerhaken richtige Fleischstücke aus den Opfern herausgerissen, diese gegeißelten Menschen sehen oft aus wie eine einzige Wunde. Das eigentlich Bittere dieses Kelches für unseren HERRN ist, daß er die Sünden dieser Welt zu tragen hat, und davor hat unser Heiland in Gethsemane die meiste Angst.
Lesen wir aus Psalm 22 die ersten beiden Verse:

„2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. 3 Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.“
Hier drückt der HERR das aus, was Er erlebt hat, als Mensch gewordener Abschaum, als gottverlassener Träger der Sünden der Welt. Vor diesem bitteren Kelch hat Jesus die größte Angst... Und dennoch, Jesus bittet am Kreuz in Seinem ersten Wort für all die Menschen, die Ihm durch ihre Sünden so gewaltige Seelenqualen bereiten

„34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!...“

Und dieses Gebet hat Gott erhört. Jesus schafft durch sein Sterben und durch Seine Auferstehung selbst die Voraussetzung, daß wir umkehren können, an Ihn glauben können und so auch Vergebung erfahren können! Es ist für Ungläubige eine Torheit und nicht zu begreifen, für uns als Gläubige ist es eine Gotteskraft und aus dieser Vergebungskraft heraus dürfen wir leben und unserem HERRN von Herzen dienen.

Singen wir nun die zweite Strophe aus unserem Lied 548

„Komm mit - und laß das viele Sorgen – zum Heiland frohgemut, gib Ihm Dein Heute und Dein Morgen, sieh, es wird alles gut! Denn die da harren auf den HERRN, die kriegen neue Kraft, sie fahren auf mit Flügeln wie Adler. Sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden und wandeln mühelos!“

Während die Henker die Nägel durch die Hände und Füße Jesu treiben, durchleidet unser HERR die ersten Qualen der Kreuzigung. Es ist ganz normal, daß Gekreuzigte am Kreuz sprechen. Ihre Worte bestehen jedoch in der Regel aus wilden Ausdrücken voller Schmerz und aus Flehen um Befreiung. Sie schreien und fluchen... aber nicht Jesus. Er bittet nicht um Mitleid, noch verflucht er diejenigen, die Ihn gekreuzigt haben. Er bittet auch nicht um Befreiung, statt dessen betet Er für Seine Feinde. Jesus betet für die, die Ihn verurteilt, Ihn verspottet, sich über Ihn lustig gemacht und Ihn ans Kreuz genagelt haben. Spurgeon schreibt hierzu in bewegenden Worten: ´Während die ersten roten Blutstropfen aus den durchlöcherten Händen spritzen und während der Hammer sich scharlachrot färbt, öffnet sich der heilige Mund zu einem herzwarmen Gebet: "Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!" Ich will damit nicht sagen, daß sich dieses Gebet auf die Soldaten beschränkt, die das Todesurteil vollstrecken. Ich bin überzeugt, daß es sich um ein Gebet handelt, das Schriftgelehrte und Pharisäer, Pilatus und Herodes, Juden und Heiden – ja, die ganze Menschheit einschließt, weil wir alle mitbetroffen sind an diesem Mord. Aber in erster Linie sind die Menschen gemeint, die dort und damals den Herrn brutal an das Kreuz der Verfluchten geschlagen haben; über sie ergießt sich sein Gebet wie kostbares Öl.`

Jesus betet und gebraucht so auch eine der Waffen, die uns die geistliche Waffenrüstung in Epheser 6 so sehr empfiehlt. Und wenn wir über diese Waffe nachdenken, so fällt uns einiges dabei auf. Gerne zitiere ich jetzt Hellmut Sinzel aus seiner überaus bemerkenswerten Predigt von 1993...: ´Es ist eine Waffe, die jederzeit einsatzbereit und greifbar ist. Sie ist absolut treffsicher, aber nur dann, wenn sie nach dem Willen und im Namen des Herstellers verwendet wird. Und obwohl sie handlich ist, sehr leicht zu tragen, auch im Gepäck, kann sie dennoch eine Wirkung entfalten, die jede Wasserstoffbombe in den Schatten stellen würde. Und nach Auskunft des Herstellers kann man sogar, wenn man sie im Glauben einsetzt, Berge damit versetzen., nicht nur irgendwelche Hügel, nicht nur das Tennengebirge, sondern auch den ganzen Himalaya. Die Menschen haben das aber noch nie ausprobiert. Das ist das Gewaltige an dieser Waffe, das sie nicht Leben auslöscht, sondern imstande ist, Gutes zu schaffen. Und wenn wir Menschen mit dieser Waffe doch einmal Probleme haben, dann ist der Hersteller jederzeit rund um die Uhr bereit, uns zu helfen. Man kann mit dieser Waffe keine eigenen Soldaten erwischen, irrtümlicherweise, aber um so mehr kann man aus den Reihen der Mächte der Finsternis die Dämonen abschießen. Es ist eine Waffe, deren Schußfolge kontinuierlich verstellbar ist. Sie hat ein unerschöpfliches Munitionsdepot. Es ist eine Waffe, die durch den häufigen Gebrauch nicht abgenützt wird, sondern im Gegenteil immer effizienter wird. Und wenn einer damit anfängt, dann kann es sein, daß die anderen sie auch munter ausprobieren, das kann dann zu einem richtigen Schützenfest werden. Und wie wir wissen, ist es eine Waffe, die bei etlichen Soldaten im Spind rostet, und viele Soldaten haben noch gar keine Ahnung, über was für eine gewaltige Wunderwaffe sie verfügen könnten. Wahrscheinlich müssen wir uns da zum Großteil dazuzählen. Wir kennen diese Waffe mit ihren Fähigkeiten noch viel zu wenig, haben sie viel zu wenig benützt. Und noch etwas Gewaltiges ist an dieser Waffe: Wenn der Feind auch noch so sehr aufrüstet und noch so viele Spione aussendet um zu erfahren, von welcher Art diese Waffe sei, er wird sie nie bekommen. Sie ist für den Feind absolut nicht erreichbar. Aber es gibt eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz dieser Waffe: Wenn wir sie benützen wollen, dürfen wir nicht betrunken und auch nicht schläfrig sein. Der HERR sagt zu Seinen Jüngern: ´Wachet und betet!` Wir alle wissen viel zu wenig, was das Gebet vermag. Grad mit dem Gebet sind wir imstande, aus dem unendlichen Kraftreservoir Gottes zu schöpfen. Aus diesem unglaublichen Energiereservoir können wir jede Menge Energie beziehen, jede Menge Kraft vom Heiligen Geist, wenn wir diese Waffe Gebet wirklich einsetzen. Drum: Laßt uns von unserem Herrn lernen, niemals aufhören zu beten, unter keinen Umständen, wie schwer auch die Versuchungen und wie niederdrückend auch die Belastungen sein mögen.

Und die Mächte der Finsternis haben diese Waffe nicht, sie haben ihre Kraft nur von dieser Welt, im Vergänglichen, im Zeitlichen, sie schöpfen ihre Kraft nicht aus dem Ewigen. Und ihre Zeit wird bald abgelaufen sein, der HERR hat sie bereits besiegt, vor knapp zweitausend Jahren. Das ist für Ungläubige eine Torheit und nicht zu begreifen, für uns als Gläubige ist es aber eine Gotteskraft!

Singen wir nun aus Lied 548 die Strophe 3:
„Willst Du ein Neues für Ihn schaffen, ruf`s in die Welt hinein. Die Müde sind und die Erschlafften, die solln Sein eigen sein. Denn die da harren auf den HERRN, die kriegen neue Kraft, sie fahren auf mit Flügeln wie Adler. Sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden und wandeln mühelos!“
Wir sind im dritten Teil. Jesus betet für Seine Peiniger, anstatt sie zu verfluchen, wie sie es verdient hätten.

„... Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Vergib Ihnen diese Geiselung, den Spott und den Hohn, vergib Ihnen die
Folterungen und die Schläge, vergib Ihnen diese Kreuzigung, vergib Ihnen, daß sie jetzt diese Kleider weiterverteilen und darüber losen..., denn sie wissen nicht, was sie tun. Was für eine Güte und Barmherzigkeit geht von diesen Worten aus! Jesus verfolgt in Seiner größten Not Seine Folterknechte immer noch mit Seiner fürbittenden Liebe. Doch jetzt, wo Jesus wie ein Mensch, wie ein Verbrecher, leidet und nicht wie ein Gottessohn ganz erhaben vom Kreuz steigt und wie ein König auftritt, jetzt wird dieses Gebet von den meisten entweder gar nicht beachtet oder gleichgültig hingenommen oder natürlich bespöttelt. Ich bin jedoch davon überzeugt, daß der himmlische Herrgott dieses Gebet Seines leidenden Sohnes auf äußerst nachsichtige Art und Weise bei vielen Zeugen dieser Kreuzigung erhört, sie ins Grübeln versenkt, sie zerbricht und sie zur Umkehr führt. In der Todesstunde unseres Heilandes finden große Wunder und Naturkatastrophen statt, eine Finsternis bricht herein. Jetzt kommen die ersten Peiniger und Spötter ins Nachdenken, ein Hauptmann lobt und preist sogar in dieser Situation den ihm unbekannten Gott. Erschüttert ob dieser einmaligen Naturschauspiele schlagen sich die Juden erschüttert auf die Brust und gehen nach Hause. Jetzt ist ihnen das Spotten und Höhnen vergangen, Furcht und Beklemmnis bemächtigt sich der meisten, recht gute Voraussetzungen für eine anschließende Zerbrechung und Umkehr. Bereits in den ersten Sekunden nach Seinem Tod fängt Jesus an zu siegen, und zwar in den Herzen vieler Juden. Der Vater im Himmel hört und erhört Gebete, und erst recht die Gebete Seines eigenen Sohnes!

„...Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

... denn sie wissen nicht, was sie tun! Das ist im strengen juristischem Sinn ein eher zweifelhaftes Argument. Unwissenheit gilt nicht als mildernder Umstand, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Diese Menschen unter dem Kreuz hätten wissen können, daß Jesus der verheißene Messias ist. War Moses nicht deutlich genug? Hat Jesaja nicht eindeutige Worte gesagt? Hat Jesus nicht genügend Wunder gewirkt, Wunder, die nur ein Messias tun kann? Jesus ist in Seiner Liebe und Gnade bereit, nicht nur Gotteslästerung und Greueltaten, Ungerechtigkeit und Mord und Totschlag zu vergeben, sondern erst recht auch Dummheit und Unwissenheit, die Sünde des gemeinen Volkes! Es ist wunderbar, einen solchen Fürsprecher und Rechtsanwalt zu haben! Jetzt kann die Frucht aufgehen!

Eine Erweckung beginnt ganz leise und nach drei Tagen bekommt diese Frucht neue Nahrung, denn das Gerücht Seiner Auferstehung erreicht das jüdische Volk. Und vierzig Tage später, zu Pfingsten, erleben wir ihren ersten Höhepunkt! An diesem Pfingsttag predigt Petrus vor einer riesigen jüdischen Volksversammlung, beschuldigt sie, den Heiland gekreuzigt und umgebracht zu haben... und dann beginnt der Heilige Geist zu wirken. Diese Predigt geht ins Herz, Petrus predigt jetzt Buße und Umkehr... und dreitausend Juden kommen zum lebendigen Glauben an unseren auferstandenen HERRN Jesus!

Gottvater im Himmel erhört das Gebet Seines geliebten Sohnes, die erste christliche Gemeinde entsteht, es sind nicht dreißig wie bei uns in Wolfratshausen, sondern gleich Dreitausend, eine gewaltige Erweckung bricht aus! Das muß man sich mal vorstellen! Jesus fängt an zu siegen, die Gnadenzeit beginnt und das Evangelium zieht immer größere Kreise, beginnt, den Erdkreis zu erobern! Auch viele jüdische Priester, welche letztendlich die Hauptverantwortung für den Mord an unseren HERRN tragen, zerbrechen, kehren um, verwerfen ihre in mühsamer und jahrzehntelanger Arbeit errungene menschliche Lehre und werden gläubig, wie wir es im weiteren Verlauf der Apostelgeschichte lesen können (ApG 6,7). Mit blutenden Händen und Füßen wird Jesus am Kreuz Sieger, durch Seinen Tod und Seine Auferstehung wird die Voraussetzung dafür geschaffen, daß der Vater vergeben kann! Das ist für Ungläubige eine Torheit und nicht zu begreifen, für uns als Gläubige ist es aber eine Gotteskraft!
Singen wir nun die vierte Strophe aus Lied 548:
„Ihr Schnitter in der weißen Ernte, oft elend, schwach und klein. Kommt, wartet auf den treuen Meister! Er will Euch Kraft verleihn. Denn die da harren auf den HERRN, die kriegen neue Kraft, sie fahren auf mit Flügeln wie Adler. Sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn
Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden und wandeln mühelos!“

Jesus betete für seine Feinde am Kreuz, Jesus betet für Seine Feinde und auch für uns noch heute. Christus befindet sich nun im Himmel, aber seine Aufgabe ist immer noch dieselbe. Noch immer tritt Jesus vor dem ewigen Thron fürbittend ein für schuldige Menschen und ruft: „Vater, vergib ihnen.“ Es ist so schön zu wissen, daß Jesus im Himmel auch für mich immer noch Zeit findet, zu beten, gerade auch im Angesicht der heutigen Tage, wo so viele schreckliche Dinge um uns herum passieren.. Lesen wir dazu

„Daher kann er auch für immer selig machen, die durch ihn zu Gott
kommen; denn er lebt für immer und bittet für sie.“
(Hebräer 7,25)

und

„Meine geliebten Kinder, ich schreibe euch, damit ihr nicht länger
sündigt. Sollte aber doch einer Schuld auf sich laden, dann haben
wir einen, der selbst ohne jede Sünde ist und beim Vater für uns
Sünder eintritt: Jesus Christus.“
1. Joh 2,1, Hoffnung für alle)

Jesus kennt uns besser als wir selber. Spurgeon schreibt dazu: ´Du brauchst dir keine Sorgen zu machen wegen der rechten Formulierung deines Gebetes; Jesus wird es in die passenden Worte kleiden. Auch was das rechte Verständnis angeht – solltest Du darin versagen, Er niemals. Er weiß, was in Gottes Absicht liegt; Er weiß auch, was in Dir vorgeht. Wenn es so finster und dunkel in Deiner Seele ist, daß Deinen Bitten der Boden entzogen ist und Du keine Möglichkeit mehr siehst, sie an den Himmel dringen zu lassen – unser Herr hat die Bitten bereits überarbeitet und bringt sie erhörlich vor den Gnadenthron, Seine Fürsprache ist, wie Du selbst erfahren kannst, gütig und wohl überlegt. Es ist wundervoll, einen Freund beim Gericht zu haben, der unsere Bittgesuche überarbeitet und in die angemessene Form bringt, bevor sie dem großen König vorgelegt werden. Ich bin davon überzeugt, daß vor Gott nur vollkommene Gebete gelangen. Vor den, der unser aller Vater ist, kommt kein Gebet, das fehlerhaft ist. Nichts fehlt, nichts muß ausradiert werden. Das hat seinen Grund nicht darin, daß unsere Gebete von vornherein vollkommen sind. Nein! Der Mittler Jesus Christus vervollkommnet sie in Seiner unbegrenzten Weisheit, so daß sie, nach dem Wesen und Willen Gottes geformt, vor den Gnadenthron gelangen. Gott wird nicht zögern, solche Gebete zu erhören. Gleicht das Gebet: "Vater, vergib ihnen" nicht einem Stein, der in den See geworfen wird? Zunächst bildet sich ein kleiner Kreis, dann ein größerer und so weiter, bis schließ1ich der ganze See bedeckt ist mit Wellenringen. Dieses Gebet, hineingeworfen in die Welt, formte zunächst den kleinen Kreis jüdischer Bekehrter und dann den größeren Kreis aus Menschen des weiten Römischen Reiches. Heute erstreckt sich der Wirkungsbereich der Botschaft über die ganze Erde, so daß Tausende und aber Tausende gerettet werden durch das Gewicht und die Bedeutung dieser einen Fürbitte: "Vater, vergib ihnen." ` Soweit Spurgeon. Jesus hat durch Sein Leiden, durch Sein Sterben und durch Seine Auferstehung die Voraussetzung dazu geschaffen, daß Gott uns vergeben kann. Das ist für Ungläubige eine Torheit und nicht zu begreifen, für uns als Gläubige ist es aber eine Gotteskraft!

Singen wir nun die letzte Strophe aus unserem Lied 548:
„Freut Euch, denn Er ist immer mit uns, ja sicher bis ans End. Blickt auf, seid mutig und geht vorwärts, die nöt`ge Kraft Er spend`t. Denn die da harren auf den HERRN, die kriegen neue Kraft, sie fahren auf mit Flügeln wie Adler. Sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden und wandeln mühelos!“

Am 24. Februar dieses Jahres um 20 Uhr Ortszeit wird nach einem dramatischen juristischen Tauziehen das vor 14 Jahren gefällte Todesurteil gegen den deutschen Staatsbürger Karl LaGrand in Arizona vollstreckt. Die amerikanische Justiz, verkörpert in der eiskalt wirkenden Gouverneurin von Arizona, kennt keine Gnade und Vergebung. Immer wieder werden auch die letzten Gnadengesuche abgelehnt. Und dennoch hat Karl eine große Gnade erfahren, und deshalb möchte ich an diese Tragödie erinnern. Ich bin froh, daß mich darauf eine Reportage aus der Zeitschrift STERN, Heft 10 vom 4. März gebracht hat.

Um sechs Uhr früh bereits wird die Henkersmahlzeit aus der Gefängnisküche in die graublau gestrichene Eisenzelle des Todeskandidaten geliefert. Ein üppiges Frühstück – Rühreier, sechs Scheiben gebratener Schinkenspeck, Gurken, Tomaten, brauner Toast. Dazu Kaffe, Schokolade und Eis, so schreibt der STERN. Und dann passiert etwas Wunderbares, etwas völlig Unerwartetes schenkt diesem Todeskandidaten noch eine letzte große Freude. Pater Ignacio, der Gefängnisseelsorger, erzählt: Um 9.30 Uhr wird überraschend ein Telefon mit einer langen Schnur in die Zelle gereicht. Am Apperat ist eine Mrs Helen Ellison, die Schwester des Bankmanagers Ken Hartsock, den Karl im Januar 1982, vor über 27 Jahren, ermordet hat. Mrs. Ellison hat Karl gesagt, daß sie ihm am letzten Tag seines Lebens verzeihen wolle und daß sein weiteres Schicksal bald in Gottes Hand sei! Karl habe am Telefon geweint. Vor Freude! Karl hat Vergebung erfahren, ob von Gott, wissen wir nicht, aber zumindest immerhin von einer Frau, die die triftigsten Gründe hat, ihn bis über seinen Tod hinaus immer weiter zu hassen und zu verfolgen. Und Karl darf die heilsame Kraft der Vergebung an seinem letzten Tag noch probieren und auskosten. Karl habe voller Freude Frieden gefunden, berichtet dieser Gefängnisseelsorger. Dieser katholische Priester hat Karl in den letzten Jahren seelsorgerlich und freundschaftlich begleitet, mit ihm und seinem Bruder Walter lange Gespräche über Gott und die Welt geführt, auch über Sünden und Vergebung, wie er sagt. Dieser Priester hat mit ihnen auch Messen zelebriert und Karl die sogenannte letzte Ölung erteilt... Und dann sagt dieser Priester einen Satz, der mich sehr geärgert hat, der ihn hoffentlich nicht schuldig werden läßt als Verführer und Irrlehrer, als einer, der nicht weiß, was er tut... Dieser Priester sagt doch tatsächlich im STERN - Interview: „Ich würde Karl einen Christen nennen, obwohl ich nicht einmal weiß, ob er getauft ist. Ich habe ihn nie danach gefragt...“ Da frage ich mich ganz empört, über was die beiden die ganzen Jahre hindurch geredet haben... von was denn die Errettung abhängt!?! Ich hoffe und bete, daß dieser Priester die Todeskandidaten Karl und Walter auf das kleine Einmaleins des Glaubens hingewiesen hat, auf den allein seligmachenden persönlichen Glauben an unseren HERRN Jesus, auf die Buße und Umkehr, auf die allein befreiende und glücklich machende Kraft Seiner Vergebung. Was nützt denn dann sonst die geschenkte Vergebung der Schwester des Bankdirektors? Sie wäre nur wie ein kurzer Glückshauch, ein letzter, kleiner freudiger Höhepunkt in diesem todgeweihtem Leben. Wenn Karl in all den Jahren keine Gelegenheit hatte, das allergrößte Geschenk, die Vergebung durch Jesus Christus, anzunehmen, wer kann ihm dann noch gnädig sein? Wenn dieser katholische Gefängnisseelsorger wirklich keine Ahnung von diesem befreienden Evangelium hat, dann mag er zwar ein guter Freund und Psychologe sein, aber als Priester und angeblicher Diener Gottes bleibt er nur ein untauglicher Irrlehrer, bleibt eines der verlorenen Schafe, die nicht wissen, was sie tun... Gott sei Dank betet Jesus auch heute noch für sie im Himmel!
Dieses Drama um Karl und Walter soll uns wirklich anspornen, in unserem Bekanntenkreis immer wieder auf die heilsame Gnade und Vergebung durch Jesus Christus hinzuweisen, dieses Beispiel soll uns aber auch dazu ermuntern, den Nächsten zu vergeben, wenn sie an uns schuldig geworden sind. Die Schwester des getöteten Bankdirektors ist dafür ein leuchtendes Beispiel. Nach über 27 Jahren ist sie bereit, gerade noch rechtzeitig diesen Mord an ihren Bruder zu vergeben, Lob und Dank sei unserem HERRN für dieses liebevolle Zeugnis!

Jetzt zum Schluß möchte ich uns aber doch noch fragen, wieviel unvergebene Last und Kränkung und wieviel Mist eigentlich ein jeder von uns noch mit sich herumschleppt? Wir könnten um so vieles fröhlicher leben und glücklicher sein, wenn wir nicht nur die Vergebung durch Jesus Christus selbst in Anspruch nehmen und erfahren, sondern diese Vergebung auch an unsere Geschwister, Freunde und Nachbarn weiterverschenken. Wir können auch selber Vergebung, Frieden und Freude erfahren, wenn wir auch mal um Verzeihung bitten, dann, wenn wir schuldig geworden sind. Der HERR schenke uns viel Kraft dazu! Paulus empfiehlt uns hierzu

„32 Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt
einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“
(Epheser 4,32)

Im Kreuz ist unsere Kraft verborgen, und das Wort vom Kreuz ist unsere Gotteskraft! Dies darf Joni Eareckson erfahren, aus dieser Vergebenskraft heraus dürfen wir leben, diese Gnade darf hoffentlich auch unser Gefängnisseelsorger in Arizona ausleben und mit dieser seligmachenden Kraft, die selbst aus schlimmsten Verbrechern noch Gottes Kinder machen kann, dürfen jetzt auch hoffentlich Walter und Karl ein fröhliches ewiges Leben im Himmel führen!
Amen!