Predigt Jürgen 17. Januar 1999
Johannes 1,14-17
Gnade


Eine Frau im tiefsten Süden der USA verliebte sich in ihren Spielkameraden aus Kindheitstagen und heiratete ihn schließlich. Die Ehe der beiden war zwar nicht perfekt, doch sie waren recht glücklich miteinander. Die beiden blieben einander treu, und das Leben zeigte sich von einer einigermaßen sonnigen Seite. Nach mehreren Jahren starb er dann plötzlich an einem Herzinfarkt. Sie brachte es nicht übers Herz, sich von seinem Anblick zu trennen, und ließ ihn einbalsamieren, auf einen Stuhl setzen, in eine Vitrine eingelassen und in ihrem großen Wohnhaus gleich neben dem Eingang aufstellen. Jedesmal, wenn sie zur Tür hineinkam, grüßte sie ihn. Monat für Monat ging das so. Auf jeden ihrer Grüße antwortete er mit einem starren Lächeln und einer freundlich zum Gruß erhobenen Hand. Nach etwa einem Jahr beschloß sie, eine Reise nach Europa zu machen. Es war ein wohltuender Tapetenwechsel. In Europa lernte sie einen netten Amerikaner kennen, der ebenfalls auf Urlaubsreise war. Nach einer stürmischen Zeit als verliebtes Pärchen heirateten die beiden. Über den guten alten John daheim auf der Farm verlor sie kein einziges Wort. Schließlich traten die beiden die Rückreise in die Staaten an. Auf der gewundenen Straße, die zu ihrem Wohnhaus führte, malte er sich schon aus: Gleich kommt der Moment, wo ich meine Braut über die Schwelle in ihr Haus tragen werde... Er hob sie hoch, schob die Tür mit der Hüfte auf und ging geradewegs ins Haus. Was er dort sah, brachte ihn so aus der Fassung, daß er seine Frischangetraute um ein Haar fallen gelassen hätte. “Wer ist denn das?” – “Ach, das ist doch John. Mein früherer Mann aus...” – “Entschuldige, er ist doch nur Geschichte, eine mausetote dazu!” Der frischgebackene Ehemann schaufelte ein großes Loch und begrub ihren früheren Mann darin – mitsamt der Glasvitrine!”

Ich habe mir sehr lange überlegt, ob ich diese Eingangsgeschichte verwenden soll, hört sie sich doch ein wenig makaber an. Doch dann konnte ich doch ein frohes Ja zu ihr finden, weil diese Geschichte unser heutiges Thema so schön illustriert. Jesus möchte auch heute mit uns ähnlich handeln wie in dieser Geschichte, Jesus möchte, daß wir all unseren toten Ballast bei Ihm loswerden. Dazu später mehr. Jesus hat uns von der Macht der Sünde befreit, die als Folge nur den Tod kennt! Diese Sünde wird nicht mehr über uns herrschen, denn wir leben nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter Seiner Gnade, wie es auch Römer 6, Vers 14 beschreibt! Leider haben viele Christen Sünde und Gesetz unwissentlich hinter Glas mumifiziert und leben Tag für Tag so, als würden noch Gesetz und auch Sünde über ihr Leben bestimmen. Wir dienen jetzt aber einem neuen HERRN, unserem HERRN Jesus, der uns über die Schwelle getragen hat und uns zu neuem Leben erweckt hat in Seiner Gnade.

Gute Vorsätze haben wir alle. Für das neue Jahr hat sich der Bischof von Schleswig, Dr. Christian Knuth, etwas ganz besonderes vorgenommen. In Idea vom 6. Januar 1999 äußert er sich dazu so: “Ich möchte ganz und gar aus der Gnade Gottes leben, wie sie im Evangelium offenbart ist, und nicht als griesgrämiger Bedenkenträger und Leistungsfetischist der Botschaft widersprechen, die mich trägt”

Und darum geht es heute, um Gnade! Und um unser Zeugnis von Seiner Gnade! Denn Seine Gnade kann sich in uns und im Kreise unserer Nächsten erst richtig entfalten, wenn wir diese Gnade in unserem Leben und durch unser Leben immer wieder bezeugen.

Das Thema “Gnade” und “Gnade bezeugen” ist so wunderbar und einmalig und vielfältig, wir können uns da heute leider nur auf wichtige Blickwinkel beschränken. Es geht heute nicht um Gnade im alten Testament, und es geht auch nicht um die Gnade, die wir bei unserer Bekehrung erlebt haben. Es geht um die Gnade, die wir als gläubige Christen tagtäglich erfahren und erleben dürfen! Unser heutiger Bibeltext aus dem Johannesevangelium beschreibt mit Gottes Worten so wunderschön einfach und präzise, um was es heute geht. Gerne lese ich nun Johannes 1, 14-17

“14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir
sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen
Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. 15 Johannes gibt
Zeugnis von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt
habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn
er war eher als ich. 16 Und von seiner Fülle haben wir alle
genommen Gnade um Gnade. 17 Denn das Gesetz ist durch Mose
gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus
geworden.”
(Luther)

Es geht um Gnade und um Gnade bezeugen! In unserem Text
umschreibt der Verfasser des Johannesevangeliums, was Gnade
bedeutet, vier Mal taucht hier das Wort Gnade auf, und auch
Johannes der Täufer bezeugt hier diese Gnade, die er in Jesus
Christus kennengelernt hat!

Was ist eigentlich Gnade, Gnade, die sich hinter dem griechischen Begriff “charis” verbirgt? Folgende Definitionen erleichtern uns einen Einstieg.

Gnade steht für ein völliges, kindliches und entzücktes Annehmen unserer Not, für eine Freude an der völligen Abhängigkeit zu Gott (C.S. Lewis)

Der verstorbene Pfarrer Donald Barnhouse hat Gnade einmal sehr treffend so beschrieben: “Liebe, die sich nach oben richtet, ist Anbetung, Liebe, die sich nach außen richtet, ist Zuneigung, Liebe, die sich herabneigt, ist Gnade!”

Gnade bedeutet unverdientes Entgegenkommen. Dieses unverdiente Entgegenkommen geschieht dabei von einer Person, die selbst höher steht als wir selbst und die sich dabei zu uns herabneigt. Es ist genauso wie mit unserem Text. Das Wort kommt uns entgegen, neigt sich zu uns herab und wird Fleisch. Wenn wir dabei dieses Wort annehmen, Jesus in unser Herz aufnehmen, dann können wir dabei immer mehr Seine ganze Herrlichkeit und Wahrheit erfahren, das ist Gnade! Jesus selbst gebraucht übrigens das Wörtchen Gnade überhaupt nicht, Jesus selbst lebt uns diese Gnade vor!

Nach diesen einleitenden Gedanken möchte ich uns jetzt einen kurzen Überblick geben, was uns heute zum Thema Gnade erwartet.


Hauptteil

1. Gnade istein Geschenkunverdient und bedingungslosvoller Risiken
2. Kampfansage an die Gesetzlichkeit
Gesetzlichkeit als Gnadenkiller...
am Beispiel von Erdnußbutter
und “Gürteltieren”
3. Lebendige Gnade: Zeugnis geben!

Schlußgedanke: Ausgelebte Gnade ohne Ballaststoffe

Singen wir nun wieder ein Lied, und zwar die erste Strophe aus Lied 264

“Vergiß nicht zu danken dem ewigen HERRN, Er hat Dir viel gutes getan. Bedenke, in Jesus vergibt Er Dir gern, Du darfst Ihm, so wie du bist, nahn. Barmherzig, geduldig und gnädig ist Er, viel mehr, als ein Vater es kann. Er warf unsere Sünden ins äußerste Meer. Kommt, betet den Ewigen an!”

Wir haben so viel zu danken – wie wir es in dieser Liedstrophe gesungen haben! Wir brauchen uns nicht mehr selbst zu helfen, wir brauchen uns keine eigene Eintrittskarte in den Himmel mehr zu basteln, so wie es auch bei dem Turmbau zu Babel versucht worden ist. In der Welt, in der wir leben, behaupten jedoch die humanistischen Philosophien, daß der Mensch edel sei, hilfreich und gut und daß er deshalb sein Schicksal selbst in die Hand nehmen solle! Eine gefährliche Irrlehre, ein falsches Evangelium der menschlichen Werke! Der Römerbrief stellt hierzu fest, lesen wir aus Römer 4

4 Es ist doch so: Wenn ich eine Arbeit leiste, habe ich Anspruch
auf Lohn. Ohne Leistung werde ich nichts bekommen. 5 Aber bei
Gott ist das anders. Bei ihm werde ich nichts erreichen, wenn ich
mich auf meine «guten» Taten berufe. Nur wenn ich Gott
vertraue, der mich trotz meiner Schuld freispricht, kann ich vor
ihm bestehen.”
(Hoffnung für alle)

Bei Gott gibt es keinen Zahltag, wie in unseren Betrieben. Bei Gott
gibt es kein Gnadenverdienen! Durch unseren Glauben haben wir eine
bombensichere Zukunft im Himmel, und das alles, ohne einen einzigen
Finger dafür krumm machen zu müssen! Genau, das lehrt die Bibel,
das ist Gnade, Liebe, die sich zu uns herabneigt! Das ist das
Geschenk unseres Lebens! Folgende Bibelverse unterstreichen diese
Tatsache ohne Wenn und Aber

Epheser 2, “8 Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch
Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, 9 nicht aus
Werken, damit sich nicht jemand rühme.”

Römer 3, “24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner
Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen
ist.”

Römer 11, “6 Ist's aber aus Gnade, so ist's nicht aus Verdienst
der Werke; sonst wäre Gnade nicht Gnade.”

2. Korinther 8, “9 Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn
Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um
euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet.”

Kommen wir zu unserem nächsten Punkt. Diese Gnade ist wirklich
unverdient und bedingungslos!

Viele von uns leben so, als ob sie Angst hätten vor einem Gott, der mit unserem Leben total unzufrieden zu sein scheint. Ein Gott, der uns ständig schlechte Noten gibt. . Also versuchen wir, Gott ständig durch selbstauferlegte Vorschriften und Gesetzlichkeiten milde zu stimmen. In einer christlichen Lehranstalt des zweiten Jahrhunderts galten einmal folgende Vorschriften und Gnadenkiller:

“Als erstes gewiß bunte Kleidung. Sortiere alles aus, was nicht einfarbig weiß ist. Schlafe nicht mehr auf einem weichen Kopfkissen. Verkaufe Deine Musikinstrumente und iß von jetzt an kein Weißbrot mehr. Wenn Du Deinen Gehorsam Jesu gegenüber ernst nimmst, dann kannst Du weder in warmen Wasser baden noch Dich rasieren. Wer sich rasiert, der belügt den, der uns erschaffen hat, indem er das Werk des Schöpfers zu verbessern sucht.”

Wir brauchen keine selbstauferlegten Regeln, um Jesus zu gefallen! Wenn Gott, der Vater, von der Sündentilgung seines Sohnes zufriedengestellt ist und wenn wir aus Gnade durch Glauben jetzt zu seinem Sohn Jesus gehören, dann ist Gott auch mit mir und mit Euch zufrieden... Sonst hätte er uns sicherlich nicht erwählt und errettet... Gott sieht auch all unsere zukünftigen Sünden, auch die, die wir immer wieder tun, und trotzdem hat er uns erwählt und errettet, trotzdem ist Er zufrieden mit uns. Das ist unverdiente und bedingungslose Gnade!
Der amerikanische Prediger Charles Swindoll gibt uns jetzt ein ganz beeindruckendes Beispiel von unverdienter und bedingungsloser Gnade: “Angenommen, Sie haben einen sechsjährigen Sohn, den Sie innig lieben. Tragischerweise müssen Sie eines Tages erfahren, daß Ihr Sohn auf grausame Art und Weise ermordet wurde. Nach einer langen Fahndung wird der Täter endlich ermittelt. Sie haben die Wahl. Wenn Sie alles daransetzen würden, den Mörder auf den elektrischen Stuhl zu bekommen, wäre dies Vergeltung. Wenn Sie es den Justizbehörden überlassen, mit dem Mörder in angemessener Weise zu verfahren – eine faire Gerichtsverhandlung, ein Schuldgeständnis, das Urteil, die Vollstreckung – dann wäre dies strafrechtliche Gerechtigkeit. Sollten Sie sich aber für die Begnadigung des Mörders einsetzen, ihm die Tat verzeihen, ihn zu sich nach Hause einladen und ihn an Sohnes Statt zu adoptieren, dann wäre das Gnade.”

Das häufigste Gebot, welches Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg gegeben hat, heißt ganz einfach: “Fürchtet Euch nicht!” Jesus begegnet uns Menschen nicht mit mißbilligendem Stirnrunzeln und mit einer Keule in der Hand. Jesus begegnet uns mit offenen Armen und mit tröstenden Worten “Fürchtet Euch nicht” – Das ist unverdiente und bedingungslose Gnade!

Oft wird den Verkündern der freien Gnade vorgeworfen, daß diese Gnade zu riskant sei, daß sie deshalb schamlos ausgenutzt werden könne, daß es so zu einem Mißbrauch der Gnade komme und daß diese freie Gnade deshalb nicht biblisch sei. Gnade als Lizenz zum Sündigen? Gerade das hat die katholische Kirche auch dem ehemaligen Priester und Reformator Martin Luther vorgeworfen, so nach dem Motto, Luther habe seine Lehrmeinung nur deshalb geändert, weil er seine eigene Ehe und Fleischeslust rechtfertigen wolle, Luther sei deshalb ein Verfechter der Gesetzlosigkeit, und das sei Ketzerei!

Gnade, in ihrer vollen Schönheit gepredigt und gelebt, ist riskant. Aus allen Ecken und Winkeln können dann sowohl Gnadenausbeuter als auch Gnadenmörder auftauchen! Der amerikanische Prediger Charles Swindoll schreibt hierzu: “Gnade bedeutet nicht, daß wir so leben können, wie es uns paßt, egal, welche Konsequenzen dies hat. Gnade bedeutet nicht, daß Gott ungeachtet meines Handelns auf mich herablächeln wird. Gnade bedeutet vielmehr, daß ich die Freiheit habe, zwischen Gerechtigkeit und Ungehorsam zu wählen. Wenn ich mich für letzteres entscheide, werde ich mit Konsequenzen leben müssen: Seelische Qualen, ein schlechtes Gewissen, Kummer und Zerstörung, die ich den anderen zufüge und die Schande, die ich über den Namen Jesu bringe... Die Gnade lädt zwar zur Rückkehr ein und gewährt Vergebung, aber sie löscht nicht automatisch die Narben aus, die die Sünde hinterlassen hat...”

Gnade ist so unkompliziert und einfach - und dabei auch so schwer zu begreifen und anzunehmen. Wenn wir Gnade als Blankoscheck zum Sündigen begreifen, als billige Gnade mißbrauchen, wie es Bonhöfer formuliert hat, dann geht der Schuß nach hinten los. Wenn mir jemand zum Beispiel aus Gnade heraus eine Million Mark schenken würde, und ich diese Million sinnlos verprassen würde, dann hätte ich diese Gnade als Lizenz zum Sündigen mißbraucht... Gewissensbisse werden später über mich herfallen, wenn dieses Geld alle ist. Wenn ich aber diese Million im Gebet vor meinen HERRN bringe und dann dieses Geld möglichst sinnvoll für den HERRN einsetze und dabei auch mir selbst etwas gönne, warum denn nicht, dann ist das ausgelebte Gnade! Gnade heißt, im Einklang mit dem HERRN zu leben – und dann komme ich nicht auf dumme Gedanken, und dann werde ich diese Gnade auch nicht mißbrauchen!

Singen wir dazu aus dem Lied 264 die zweite Strophe:
Du kannst Ihm vertrauen in dunkelster Nacht, wenn alles verloren erscheint. Er liebt Dich, auch wenn Du Ihm Kummer gemachst, ist näher, als Du je gemeint. Barmherzig, geduldig und gnädig ist Er, viel mehr, als ein Vater es kann. Er warf unsere Sünden ins äußerste Meer. Kommt, betet den Ewigen an!”

1 Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und
laßt euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!”

Mit dieser Kampfansage an die Gesetzlichkeit leitet der Apostel
Paulus das 5. Kapitel des Galaterbriefes ein, ein Kapitel, in dem
Paulus ganz besonders die Freiheit der Kinder Gottes heraushebt.

Der Theologe Daniel Taylor schreibt über einen der größten Gnadenkiller, die Gesetzlichkeit: “Die Hauptwaffe im Arsenal der autoritären Herrschaft, ob weltlich oder religiös, ist Gesetzlichkeit: Das Erstellen und Erzwingen von Verhaltensregeln zum Zweck unrechtmäßigen Manipulation anderer.” In der Gesetzlichkeit gilt: “Ich tue dies oder unterlasse jenes, und dadurch gefalle ich Gott. – oder: Wenn ich doch nur zu diesem oder jenem fähig wäre oder zu dem Verzicht auf jenes, dann würde ich Gott gefallen!”

Wir haben heute das Gesetz und die Gesetzlichkeit schon einige Male erwähnt. Ich glaube, wir können das Gesetz kurz und bündig definieren als Gottes Weisungen an die Juden im Alten Testament.
Auch unser Predigttext aus dem Johannesevangelium, Kapitel 1 erwähnt das Gesetz, ich lese noch einmal den Vers

“17 Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und
Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.”

Interessant ist hier der innere Zusammenhang. Dem Gesetz des
Mose auf der einen Seite steht hier die Gnade und die Wahrheit
unseres HERRN Jesus auf der anderen Seite gegenüber. Noch
deutlicher wird dieser Kontrast, wenn wir uns aus Galater 5 den Vers
18 anschauen, dieser Vers sagt alles, ich lese aus der “Hoffnung
für alle”

“18 Wenn ihr aber aus der Kraft des Heiligen Geistes lebt,
seid ihr den Forderungen des Gesetzes nicht länger unterworfen.”
(Hoffnung für alle)

William Mc Donald erklärt uns dazu seine Sichtweise “Johannes stellt nun die Zeit des Neuen Testamentes der des Alten Testamentes gegenüber. Das Gesetz, welches durch Mose gegeben war, war kein Gnadenerweis. Es befahl den Menschen den Gehorsam und verurteilte sie zu Tode, wenn sie nicht gehorchten. Es sagte den Menschen, was richtig ist, gab ihnen aber nicht die Fähigkeit, es zu tun. Es wurde gegeben, um den Menschen zu zeigen, daß sie Sünder sind, nicht jedoch, um sie von den Sünden zu erretten. Und dann kommt Jesus, das Beste des Himmels für die Schlechtesten der Erde – das ist Gnade!”

Gnade plus Gesetz passen nicht zusammen. Wir sehen es in Galatien. Die Menschen in Galatien sind von Irrlehren bedroht. Sie stehen in der Gefahr, ihrem Glauben an Jesus untreu zu werden durch das Einhalten des mosaischen Gesetzes. Werkgerechtigkeit nennen wir das ! Das ist ein “Evangelium der Werke”, das ist die Irrlehre von “Jesus plus Gesetz.” Lesen wir aus Galater 3 die Verse 10 + 11

“10 Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter
dem Fluch. Denn es steht geschrieben 5. Mose 27,26: »Verflucht
sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in
dem Buch des Gesetzes, daß er‘s tue!« 11 Daß aber durchs
Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn a »der
Gerechte wird aus Glauben leben« Habakuk 2,4.”

Paulus muß mit ihnen schimpfen, ich lese aus Galater 3 den Vers 3 nach der “Hoffnung für alle”

“3 Wie könnt ihr nur so blind sein! Wollt ihr jetzt etwa aus
eigener Kraft zu Ende führen, was Gottes Geist in euch begonnen
hat?”

Menschen, die solch eine Gesetzlichkeit lehren, verwirren die Gläubigen und verzerren die Wahrheit. Die Lehre, bei der die Errettung auch nur von einem einzigen Gramm menschlicher Leistung abhängig gemacht wird, ist falsch, sie ist eine Irrlehre! Der größte Feind eines lebendigen Christseins ist eine unerträgliche Gesetzlichkeit. Gesetzliche Paragraphenreiterei, auch der ständige Zwang, alles hundertprozentig richtig zu machen zu müssen, nehmen uns die Freude, eine Frucht des Geistes! Kleinkarierte Gesetzlichkeit finden wir nicht nur in Galatien, sondern natürlich auch heute, fast überall, wo Christen zusammenkommen. Charles Swindoll erzählt ein aktuelles Missionsbeispiel: “ In der Gegend, in welcher ein Missionsehepaar als Missionare eingesetzt waren, gab es nirgends Erdnußbutter zu kaufen. Erdnußbutter zählte aber zu den Lieblingsspeisen dieser Familie. Auf recht kreativem Wege ließen sie sich von Freunden hin und wieder etwas Erdnußbutter per Luftpost zuschicken. Was sie bis zum Erhalt der ersten Pakete mit Erdnußbutter nicht ahnten, war die Tatsache, daß die übrigen Missionare es als besonderes Zeichen geistlicher Reife betrachteten, auf Erdnußbutter zu verzichten, man solle eben sein Kreuz auf sich nehmen und ohne Erdnußbutter durchs Leben gehen... Das junge Ehepaar verspeiste weiterhin Erdnußbutter und entfachte damit ein Sturm im Wasserglas. Die Gesetzlichkeit war so kleinlich, der Druck und der Streit wurden immer größer, bis dieses Paar einen geistlichen Kollaps erlitt und entnervt wieder zurück in den Heimatdienst ging.”

Paulus gibt uns im Hebräerbrief zu dieser ganzen Problematik folgenden wichtigen Tip, ich lese aus dem 13. Kapitel den Vers

“9 Laßt euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren
umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest
werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisegebote,
von denen keinen Nutzen haben, die damit umgehen.”

Lassen wir dazu noch einmal den amerikanischer Pastor Charles Swindoll zu Worte kommen, der einmal zu der Frage “Darf ein Christ Fleisch essen, welches zuvor Götzen geopfert worden ist?” gepredigt hat. Dieser Prediger ist mit einem nicht ganz ernst gemeinten Geburtstagsgeschenk überrascht worden, welches ihm ein Gemeindemitglied überreicht. Er bekommt nämlich eine kleine Konserve von der Größe einer Schnupftabakdose geschenkt, mit einer texanischen Spezialität, auf deren Etikett zu lesen steht: “Reines Gürteltierfleisch aus Texas. Von der Sonne gedörrt und auf der Straße weichgeklopft."”Auch eine Zutatenliste ist abgedruckt: “Sonnengedörtes Gürteltier, von einem Holzfällerlaster drei Meilen südlich von Pollok überfahren. Höchstgehalt an Haaren und Kies: 20 %. Fremdstoffe nicht ausgeschlossen.” Der liebe Bruder erklärte dem verdutztem Pastor, da er ja an Gnade glaube, besäße er doch sicherlich auch die Freiheit, den Doseninhalt reinen Gewissens zu verzehren. Pfui, meint da der Pastor, da wird’s ja sogar einer Made schlecht! Der liebe Bruder könne ja aus Gnade heraus so viel Gürteltierfleisch essen wie er wolle, doch er möge doch bitte den Pastor damit in Ruhe lassen. Alle Speisen sind natürlich erlaubt und er habe die Freiheit, meint der Pastor, etwas zu essen oder nicht zu essen. Aber es widerspricht doch der Gnade, anderen die eigenen Speisegesetze oder Essensgewohnheiten aufdrängen zu wollen! Soweit diese Geschichte.
Singen wir nun aus Lied 264 die dritte Strophe
“Im Danken kommt neues ins Leben hinein, ein Wünschen, das Du nie gekannst, daß jeder wie Du Gottes Kind möchte sein, vom Vater zum Erben ernannt. Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr, als ein Vater es kann. Er warf unsere Sünden ins äußerste Meer. Kommt, betet den ewigen an!”

Johannes der Täufer hat unseren HERRN Jesus Christus noch persönlich kennengelernt und Ihn sogar auch getauft. In unserem heutigen Predigttext aus Johannes 1 finden wir nicht nur die Gnade, die unser unser HERR Jesus immer wieder erweist, sondern auch ein Zeugnis des Täufers Johannes, der diese Gnade bezeugt. Gnade erfahren und Gnade bezeugen gehören zusammen, dies zeigt uns auch der heutige Text, ich lese noch einmal aus Johannes 1, den Vers 15

“15 Johannes gibt Zeugnis von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich.”

Johannes hat Jesus persönlich kennenlernen dürfen, seine irdische Freude ist somit erfüllt, jetzt heißt es, aus dieser Freude heraus ein Zeugnis für Jesus zu sein. Voller Begeisterung sagt Johannes über Jesus in Kapitel 3 des Johannesevangeliums

“30 Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.”

Ein vieldeutiger Vers, den wir als oftmals gutgenährte Christen nicht
nur auf unser Körpergewicht beziehen sollten! Und Jesus möchte mit
uns über uns hinauswachsen, wenn wir ein lebendiges Zeugnis für Ihn sind. Gnade von Jesus empfangen, das ist vertikale Gnade, Gnade, die von oben kommt, Gnade, aus der heraus wir unsere Lebenskraft schöpfen. Horizontale Gnade dagegen ist Gnade, die wir im Namen Jesu an unsere Nächsten weitergeben sollen, damit auch diese Nächsten die herrliche Freiheit der Kinder Gottes erfahren dürfen!
Gnade bezeugen, das können wir nicht aus einer Werkgerechtigkeit heraus, das funktioniert nicht. Das erinnert mich immer wieder an die Zeugen Jehovas, die wie Säulenheilige in vielen Fußgängerzonen stehen, um dort eine bestimmte, vorher festgelegte Stundenzahl in ihrem missionarischen Eifer ableisten müssen. Gnade bezeugen können nur Christen, in denen Jesu Gnade lebt, Christen, die durch den Heiligen Geist dazu motiviert werden. Es soll nicht aus Heer oder Kraft, sondern durch Seinen Geist geschehen, bezeugt schon der Prophet Sacharja (Sach 4,6). Die freie Gnade Jesu und diese Gnade bezeugen, gehören zusammen, der Römerbrief 10, Vers 9 zeigt auch wieder diesen Zusammenhang

“9 Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jesus der
HERR ist, und in deinem Herzen glaubst, daß ihn Gott von den
Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.”

Wenn wir nun Jesus in letzter Zeit selten oder auch gar nicht
bezeugt haben, dann verlieren wir natürlich nicht Seine Gnade und Seine Heilsgewißheit, aber Jesus wird schlimmstenfalls sehr traurig über uns sein, wird sich über uns schämen, lesen wir aus Markus 8

“38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem
abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der
Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit
seines Vaters mit den heiligen Engeln.”

Wir haben natürlich nicht allesamt evangelistische Gaben. Und wir
können natürlich auch ein stummes Zeugnis sein für unseren HERRN, durch die Art und Weise, wie wir unser Leben als lebendigen Gottesdienst gestalten. Eine bekannte Tatsache ist auf jeden Fall, daß wir als lebendige Christen auf unsere Umwelt eine ganz andere Ausstrahlung haben als der Rest der Welt. Wir dürfen strahlen und leuchten für Jesus. Nicht verkrampft, aus Gesetzlichkeit heraus, sondern aus Gnade, weil Jesus durch uns leuchten möchte! Wie oft habe ich schon von unseren WDL – Gästen gehört, daß wir als WDL –Mitarbeiter eine ganz wunderbare und friedliche und freudige Ausstrahlung weitergeben. Dazu haben wir auch schon von Hirschi und Gerhard, zum Beispiel, viele Zeugnisse in ihren Predigten gehört! Ich selbst bin einmal in meiner Münchner Zeit, bereits als gläubiger Christ, gegen fünf Uhr früh mit einem Linienbus zur Arbeit gefahren, rund um mich herum im Bus und auch auf der Straße sah ich nur griesgrämig blickende und depressiv wirkende Menschen scheu aus ihrer Wäsche starren, ich konnte mir gut vorstellen, daß sich diese betrübten Mienen bis zum Abend nicht wesentlich aufhellen werden. Und auf einmal erfaßte mich ein tiefer innerer Frieden, Tränen voller Freude kamen in meine Augen, als mir bewußt wurde, daß ich mich nun nicht mehr so bedrückt und schwer beladen durch diese Weltgeschichte schleppen muß – weil Jesus in mir lebt und ich Seine freie Gnade angenommen habe! Diesen Augenblick werde ich nicht vergessen! Und aus dieser lebendigen Freude heraus darf ich ab und zu ein Zeuge Seiner Gnade sein. Und was soll ich nun praktisch bezeugen? Am besten natürlich mein Leben vor meiner Bekehrung, von meiner Bekehrung selbst soll ich berichten und von meinem neuen Leben seitdem. Das kann doch ein jeder von uns. Solch ein Zeugnis hat doch ein jeder von uns parat – und wenn nicht, dann wird es höchste Zeit, daß Du Dir darüber Gedanken machst! Mein eigenes Zeugnis kennt Ihr bereits, ich habe es immer wieder mal hier einfließen lassen in den letzten Monaten und Jahren. Lassen wir doch mal Paulus zu Worte kommen. Auch Paulus bezeugt Sein Leben vor, während und nach seiner Bekehrung des öfteren in der Heiligen Schrift, lesen wir als Beispiel einmal die folgenden Verse aus dem 1. Kapitel des Galaterbriefes

“13 Denn ihr habt ja gehört von meinem Leben früher im
Judentum, wie ich über die Maßen die Gemeinde Gottes verfolgte
und sie zu zerstören suchte 14 und übertraf im Judentum viele
meiner Altersgenossen in meinem Volk weit und eiferte über die
Maßen für die Satzungen der Väter. 15 Als es aber Gott
wohlgefiel, der mich von meiner Mutter Leib an ausgesondert und
durch seine Gnade berufen hat, 16 daß er seinen Sohn
offenbarte in mir, damit ich ihn durchs Evangelium verkündigen
sollte unter den Heiden, da besprach ich mich nicht erst mit
Fleisch und Blut...”

Wenn wir unseren Glauben bezeugen wollen, dann brauchen wir
wirklich keine Angst zu haben. Jesus möchte doch durch uns reden,
unser eigenes ich ist dabei ganz schwach und sprachlos. Und deshalb
brauchen wir uns auch davor nicht zu fürchten. Paulus erfährt dies
auch, nachts in einem Traum, ich lese aus der Apostelgeschichte 18

“9 Es sprach aber der Herr durch eine Erscheinung in der Nacht
zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht!”

Ich selber habe recht wenig Gelegenheit, von meinen Glauben zu erzählen, da ich eben bereits unter Christen arbeite. Am Heiligen Abend, vor knapp vier Wochen, durfte ich das letzte Mal meinen Glauben bezeugen. Und ich hatte eine solche Freude dabei. Da war Jesus am Werk! Und Jesus läßt sich auch nichts schenken, wenn Er uns immer wieder gebrauchen will, Er schenkt zurück, zum Beispiel die Frucht Seines Geistes. Das sind Gnadengeschenke, die wir immer wieder erfahren dürfen, wenn wir mit Jesus leben. Geschenke, die kein Gesetz der Welt, auch kein mosaisches Gesetz, bieten und spendieren kann. Lesen wir dazu aus Galater 5

“,22 Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede,
Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut,
Enthaltsamkeit. 23 Gegen solche Dinge gibt es kein Gesetz.”

(Schlachter)
Darüber hinaus hat mir Jesus aus unverdienter Gnade ein ganz
besonderes Weihnachtsgeschenk gemacht, die meisten von Euch
wissen bereits schon davon. Drei Tage, nachdem ich in diesem
Haushalt ein Zeuge Jesu sein durfte, überließen mir diese Menschen
völlig überraschend einen dringend benötigten weißen Vespa –
Motorroller! Da konnte ich nur noch staunend danken!

Singen wir jetzt aus Lied 264 die letzte Strophe
“In Jesus gehörst Du zur ewigen Welt, zum Glaubensgehorsam befreit. Er hat Dich in Seine Gemeinde gestellt und macht Dich zum Dienen bereit. Barmherzig, geduldig und gnädig ist Er, viel mehr, als ein Vater es kann. Er warf unsere Sünden ins äußerste Meer. Kommt, betet den Ewigen an!”

Bei dieser Predigtvorbereitung war ich am Anfang sehr skeptisch, ob ich unsere Einstiegsgeschichte von unserem einbalsamierten ersten Ehemann bringen kann. Doch dann fand ich immer mehr ein Ja dazu, weil diese Geschichte die Gnade Jesu so schön illustriert. Der alte John ist tot, mein früherer Lebensgeführte, er ist ein Bild für das Gesetz, ein Bild für das Leben unter der Macht der Sünde. Nun gibt es viele treue Christen, die diesen John, die dieses einbalsamierte Gesetz noch nicht beerdigt haben, die diese Regeln nötig haben, weil sie ihnen ein Gefühl an Sicherheit vermitteln, in dessen ausgetretenen Pfaden sie sich ruhigen Gewissens bewegen dürfen. Diese Christen haben aber diese ganze wunderbare Freiheit der Kinder Gottes noch lange nicht kennengelernt, sie leben in einem kleinen, abgesteckten Rahmen, umgeben von hohen Mauern. Hier möchte ich gerne noch einmal Galater 5, Vers 18 zitieren, nach der “Hoffnung für alle”

“18 Wenn ihr aber aus der Kraft des Heiligen Geistes lebt, seid ihr den Forderungen des Gesetzes nicht länger unterworfen.”

Und dann kommt Jesus, der Bräutigam der Gemeinde, in unser Leben. Er möchte uns, die wir so mühselig beladen sind, so gerne erquicken. In unserer kleinen Eingangsgeschichte ist Er als der neue Bräutigam beschrieben. Ihm dürfen wir all unseren Ballast und all unsere Sorgen abgeben, und nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch. Lassen wir doch dann Jesus in unserem Leben handeln, lassen wir uns doch auch von Ihm tragen, nicht nur an unserem Hochzeitstag, am Tage unserer Bekehrung, wenn er uns über die Schwelle Seiner engen Pforte trägt! Als allererstes will er uns, wenn wir in einer festen Beziehung mit Ihm leben, von all unseren früheren Ballaststoffen befreien. Der alte John, dieses einbalsamierte Gesetz, hat dann in einem lebendigen Leben mit unserem HERRN Jesus nichts mehr zu suchen, John ist mausetot, hat uns nichts mehr zu sagen, das alte Gesetz gehört beerdigt! Jesus lebt dafür in uns und deshalb auch mit uns! Paulus illustriert immer wieder so schön den Gegensatz zwischen Gesetz und freier Gnade. Die folgenden Verse aus dem 1. Timotheusbrief, übertragen nach der Hoffnung für alle, zeigen mir deshalb wieder so wunderschön, daß ich als Gottes Kind kein Gesetz der Welt mehr brauche..., diese unerträglichen Ballaststoffe, die mir das Leben so schwer machen! Dort heißt es
“5 Die Unterweisung in der christlichen Lehre will nur das eine:
die Liebe, die aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen
und einem unverfälschten Glauben kommt. 6 Doch es gibt Leute,
die das bestreiten und sich lieber mit nutzlosem Geschwätz
abgeben. 7 Sie bilden sich ein, die Heilige Schrift besonders gut
zu kennen; dabei verstehen sie nicht einmal das, was sie selbst
reden, und haben keine Ahnung von dem, was sie so kühn
behaupten. 8 Wir dagegen wissen: Das Gesetz des Mose ist gut,
wenn es nur richtig gebraucht wird. 9 Aber für wen gilt denn das
Gesetz? Doch nicht für Menschen, die nach Gottes Willen leben,
sondern für solche, die gegen das Recht verstoßen und sich gegen
Gott und seine Gebote wenden: Es gilt für Gotteslästerer und
Gottesleugner, für Niederträchtige und Gewissenlose, für Mörder
und Totschläger, 10 für Menschen, die unmoralisch leben, Kinder
sexuell mißbrauchen, andere rücksichtslos ausbeuten; für Lügner
und solche, die Meineide schwören, oder für Menschen, die in
irgendeiner anderen Weise gegen Gottes Gebote verstoßen. 11
So lehrt es das Evangelium, das mir von Gott anvertraut wurde
und das Gottes Herrlichkeit zeigt.”

Das Gesetz ist tot. Jesus lebt dafür in uns. Die Gnade Gottes wirkt in uns, führt und leitet uns, läßt uns aus Seiner Gnade heraus leben, wenn wir diese Gnade akzeptieren, den HERRN in uns leben lassen!
Und wenn der HERR Jesus täglich in uns wirken kann, dann brauchen wir den Buchstaben des Gesetzes nicht mehr, dann lassen wir uns dafür immer wieder vom Geist Gottes belehren, führen und leiten. Allein Seine Gnade genügt! Sie ist solch ein unverdientes Entgegenkommen, diese Gnade. Und diese Gnade erleben wir nicht nur einmal bei der Bekehrung, diese Gnade dürfen wir täglich erfahren! Dazu weist mir Jesus täglich neu den Weg. Und wenn ich aus dieser Gnade Seines Entgegenkommens heraus lebe, aus ihr täglich neue Kraft schöpfe, dann brauche ich das Gesetz, die schriftlichen Weisungen Gottes im Alten Testament nicht mehr! Dann weist mir dafür Jesus persönlich immer wieder neu den Weg!

“Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.”
(Johannes 8,36)

Wir sind so frei! Ich bin so frei! Und ausgelebte Gnade befreit uns von so vielen Gnadenkillern wie zum Beispiel von Gesetzlichkeit, von traditionellen Verhaltensweisen, von Bevormundung, von unserem Zwang, uns immer wieder mit den Nächsten zu vergleichen. Ausgelebte Gnade befreit uns von Perfektionismus, von Kleinlichkeit, von Schuldgefühlen, von Unsicherheit, von Tratscherei und Heuchelei. Und wenn wir diese Gnade so richtig ausleben, dann bekommen wir die Kraft von oben, auch mal zu verzichten und aufzugeben, aber auch mehr zu tun, anzufangen, was auch immer! Dann können wir auch von anderen Geschwistern lernen, und darüber staunen, daß Gott natürlich auch Menschen benutzt, die nicht immer meiner Meinung sind, wie es die Schrift am Beispiel von Paulus und Barnabas zeigt. Aus freier Gnade heraus leben heißt aber auch, immer wieder danach zu fragen, was würde Jesus jetzt an meiner Stelle machen?!? Aus freier Gnade heraus leben heißt deshalb, schon jetzt ein vollmächtiges und frohes Leben im Namen Jesu, in der Kraft Seines Heiligen Geistes zu führen – und das wünsche ich uns allen!
Amen!