Predigt Jürgen 20. Februar 2000
Das Wort vom Kreuz 5 – Durst
Johannes 19,28

Auch mir ist heute nicht danach, viele Geschichten zu erzählen. Jesus soll ganz und gar im Mittelpunkt stehen. Ich bin so froh und dankbar, daß Ecki uns am letzten Sonntag so sehr den demütig leidenden Jesus vorgestellt hat, ein Schaf, welches zur Schlachtbank geführt wird über die Stationen Gethsemane, Gabbatha und Golgatha. Jesus liebte die Seinen bis ans Ende (Joh. 13,1), Jesus hat sich für uns am Kreuz von Golgatha kaputtgeliebt. Das war das große Thema von Ecki`s Predigt.

Niemand aus dem Volk schreit mehr: ´Hosianna dem Sohn Davids, gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN`(Matthäus 21,9) – das Volk schreit jetzt: ´Kreuzige Ihn`(Markus 15,13). Und Ecki hat uns zum Schluß mit heiliger Ehrfurcht auf eine Stelle aus Johannes 19,28 hingewiesen, die er in der verbleibenden kurzen Zeit nicht mehr auslegen konnte und wollte. Ecki hat uns diesen Vers ganz auf Jesus schauend vorgelesen und uns sinngemäß gesagt, daß dieser Vers zu heilig sei, um ihn nur oberflächlich auszulegen. Darum seine Bitte: Lest Euch diesen Bibelvers selbst anbetend und andächtig durch... Der HERR führt wunderbar..., seit Wochen habe ich mir vorgenommen, genau über diesen Vers, über das fünfte Wort vom Kreuz, zu sprechen. Ecki hat mich so am letzten Sonntag ermahnt, es keinesfalls oberflächlich zu tun. Jetzt bin ich mir der großen Verantwortung bewußt. Gleichzeitig bin ich froh und dankbar, daß das große Thema vom letzten Sonntag heute nahtlos weitergeführt werden kann. Ich lese jetzt aus Johannes 19,28

„28 Danach, als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war,
spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.“

Liebe Geschwister, wir haben heute ein ganz ernstes Thema vor uns. In vier Predigten durfte ich uns bisher die ersten vier Worte Jesus vom Kreuz vorstellen. Gerne wiederhole ich jetzt für uns alle diese ersten vier der letzten Worte Jesus vor Seinem grausamen Tod noch einmal. Das erste Wort lautet

„34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen
nicht, was sie tun!“ (Lukas 23,34)

Dieses erste Wort spricht von Vergebung. Im zweiten Wort vom
Kreuz spricht Jesus zu einem ebenfalls Gekreuzigten

„43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute
wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lukas 23,43)

Hier geht es um Errettung! Im dritten Wort vom Kreuz vertraut
Jesus seiner Mutter Seinen Jünger Johannes an.

„26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den
er liebhatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist
dein Sohn!“ (Johannes 19,26)

Hier geht es um Liebe! Und im vierten Wort vom Kreuz schreit Jesus
Seine ganze Angst heraus...

„46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama
asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich
verlassen?“ (Matthäus 27,46)

Heute sind wir beim fünften Wort vom Kreuz. Wir haben den Vers gelesen, ich lese noch einmal aus Johannes 19,28

„28 Danach, als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war,
spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.

Und wenn wir heute diesen Vers betrachten, dann werden wir immer mehr erkennen, wie viel Schmerz und Leid hinter diesen beiden dürren und kurzen Worten stecken.

Nach diesen einleitenden Gedanken möchte ich uns nun einen kurzen Überblick von dem geben, was uns heute hier unter dem Kreuz von Golgatha erwartet.

B. Hauptteil

1. lDie Kreuzigung...
2. Sein Leiden und Sterben
3. Das fünfte Wort : „Mich dürstet“

C. Schlußgedanke: Sind auch wir durstig – nach dem lebendigem
Wasser?

Singen wir nun zur Einstimmung aus Lied 519 die erste Strophe
„1. Für mich gingst Du nach Golgatha, für mich hast Du das Kreuz getragen, für mich ertrugst Du Spott und Hohn, für mich hast Du Dich lassen schlagen. HERR, Deine Liebe ist so groß, daß ich sie nie begreifen kann, doch danken will ich Dir dafür. HERR, Deine Liebe ist so groß, daß ich sie nie begreifen kann. Ich bete Dich an!“

Der amerikanische Journalist Lee Strobel befand sich jahrelang auf der Suche nach der Wahrheit. Als Gerichtsreporter akzeptiert er nur lückenlose Argumentationsketten und Beweise. Unter diesen Bedingungen hat er versucht festzustellen, ob es glaubwürdige Beweise dafür gibt, daß Jesus von Nazareth wirklich der Sohn Gottes ist. Auf der Suche nach der Wahrheit nimmt dieser ungläubige und suchende Reporter die Experten ins Kreuzverhör und konfrontiert sie mit wissenschaftlichen Fakten, anerkannten Beweisen und unangenehmen Fragen wie: Gibt es außerhalb der Bibel Beweise für die Existenz Jesu? Wie verläßlich ist das Neue Testament? Als handle es sich beim Glauben um einen Kriminalfall, interviewt Lee Strobel die gläubigen Wissenschaftler und Forscher, um so handfeste Beweise für das Leben und die Auferstehung Jesu zu bekommen. Schließlich findet Lee Strobel nach all seinen Recherchen zum HERRN! Lee Strobel hat über seine Suche nach der Wahrheit ein wirklich empfehlenswertes Buch geschrieben, es heißt „Der Fall Jesus“. Aus diesem Buch möchte ich nun einige äußerst beeindruckende und noch nie gehörte Tatsachen zum Leiden und Sterben Jesus zitieren. Ich lese aus dem zehnten Kapitel. Hier befragt Lee Strobel den kalifornischen Mediziner Alexander Metherell, es geht dabei um den medizinischen Beweis, daß Jesus tatsächlich am Kreuz von Golgatha gestorben ist. In diesem Gespräch werden eindeutig gotteslästerliche Legenden widerlegt, die doch tatsächlich behaupten, Jesus sei nach einer Wiederbelebung zum Beispiel nach Indien ausgewandert! Also, es geht los:

„Obwohl schon die Beschreibung der Geißelung scheußlich war, wusste ich doch, dass mir noch eine noch schrecklichere Schilderung bevorstand, denn die Historiker sind sich dann einig, dass Jesus die Geißelung überlebte und ans Kreuz genagelt wurde.
In den Vereinigten Staaten, in denen es auch heute noch die Todesstrafe gibt, werden Verbrecher festgegurtet, bevor ihnen Gift injiziert wird. Oder sie werden zu einem hölzernen Stuhl geleitet, auf dem sie Stromschlägen ausgesetzt werden. Alles ist kontrolliert. Der Tod kommt schnell und vorhersagbar. Medizinische Gutachter bescheinigen gewissenhaft den Tod des Opfers. Aus nächster Nähe beobachten Zeugen alles von Anfang bis zum Ende.
Aber wie sicher war der Tod bei dieser grausamen, langsamen und ziemlich ungenauen Form der Todesstrafe, der Kreuzigung? Die meisten Menschen wissen nicht genau, wie der Tod am Kreuz aussieht. Und ohne einen ausgebildeten Mediziner, der offiziell den Tod Jesu bestätigen konnte, bleibt die Frage, ob Jesus gefoltert und blutend, aber noch lebend entkommen konnte.
Ich näherte mich diesen Themen langsam. »Was geschah, als er an der Hinrichtungsstätte ankam?«, fragte ich.
»Er wurde auf den Boden gelegt, musste seine Arme ausstrecken und wurde dann mit den Händen an den Querbalken des Kreuzes genagelt. Diesen Kreuzbalken nannte man >patibulum<. Er war getrennt von dem zweiten, vertikalen Balken, der dauerhaft im Boden verankert war. «
Ich hatte Probleme, mir das vorzustellen. Ich brauchte mehr Details. »Genagelt mit was?«, fragte ich langsam und zögerlich. »Und wo festgenagelt?«
»Die Römer verwendeten Nägel, die 10 bis 15 Zentimeter lang waren und eine scharfe Spitze hatten. Sie wurden durch die Handgelenke getrieben.« Dabei zeigte er auf einen Punkt etwa einen Zentimeter unterhalb der Handfläche seiner linken Hand.
»Einen Augenblick«, unterbrach ich ihn. »Ich dachte, die Nägel durchbohrten seine Handflächen. So sieht man es immer auf den Bildern. Das ist schon so etwas wie ein Standardsymbol für die Kreuzigung.«
»Durch die Handgelenke«, wiederholte Metherell. » Das war eine solide Steile, die die Hand fixierte. Wenn man die Nägel durch die Handflächen getrieben hätte, wäre die Haut durch das Gewicht des Körpers gerissen und er wäre vom Kreuz gefallen. Deshalb schlug man die Nägel durch die Gelenke. Im Sprachgebrauch waren die Handgelenke damals Teil der Hände.
Und man muss wissen, dass der Nagel den sogenannten >Nervus medianus< oder auch >Medianusgabel< traf. Das ist der größte Nerv, der durch die Hand läuft. Er wurde mit Sicherheit zerstört, als der Nagel eingeschlagen wurde.«
Da ich nur verkümmerte Kenntnisse in menschlicher Anatomie besitze, war mir nicht ganz klar, was das bedeutete. »Welche Art von Schmerz löste das aus?«, fragte ich.
»Kennen Sie den Schmerz, den Sie spüren, wenn Sie sich den Ellbogen anschlagen und dabei Ihren Musikantenknochen treffen? Das ist ein anderer Nerv und es ist extrem schmerzhaft, wenn Sie ihn aus Versehen treffen. Nun, stellen Sie sich vor, Sie nehmen eine Zange und quetschen diesen Nerv«, sagte er und betonte das Wort »quetschen«. »Das entspricht etwa dem Schmerz, den Jesus erlebt haben dürfte.«
Ich wand mich bei der Vorstellung auf meinem Stuhl.
»Der Schmerz war absolut unerträglich« fuhr er fort. »Er war buchstäblich unbeschreiblich; man musste ein neues Wort dafür er-finden: >excruciare<. >Excruciare< bedeutet wörtlich >aus dem Kreuz heraus<. Stellen Sie sich das vor: Man musste extra ein neues Wort erfinden, weil es kein Wort in der Sprache der Römer gab, das die
extremen Qualen der Kreuzigung beschrieb.
An dieser Stelle wurde Jesus hochgezogen und der Querbalken am Längsbalken des Kreuzes befestigt. Dann wurden Nägel
die Füße Jesu geschlagen. Auch hierbei wurden wieder die Nerven zerstört, was einen ähnlich starken Schmerz verursachte.«
Gequetschte und durchtrennte Nerven waren sicher schon schlimm
genug, aber ich wollte noch etwas über die Wirkung wissen, die das
Hängen am Kreuz auf Jesus hatte. »Welche Belastung bedeutete das für seinen Körper?«
»Zunächst wurden seine Arme extrem gedehnt, etwa um zehn Zentimeter, und dabei beide Schultern ausgekugelt. Das lässt sich mit einfachen mathematischen Gleichungen bestimmen«, antwortete Metherell. »Damit erfüllte sich die alttestamentliche Prophetie aus dem 22. Psalm, die mehrere hundert Jahre vor der Kreuzigung vor-hersagte: „....gelöst haben sich alle meine Glieder“<

Die Todesursache
Metherell hatte mir anschaulich die Schmerzen beschrieben, die das Opfer am Anfang der Kreuzigung erleiden musste. Aber ich musste noch in Erfahrung bringen, wie das Leben eines Kreuzigungsopfers am Ende aussah. Die entscheidende Frage war, ob man den Tod simulieren konnte. Deshalb fragte ich Metherell ganz konkret nach der eigentlichen Todesursache.
»Wenn eine Person erst einmal in der vertikalen Position hängt«, erwiderte er, »dann vollzieht sich der Tod langsam und qualvoll durch Ersticken. Das liegt daran, dass durch den Druck auf die Muskeln und das Zwerchfell der Brustkorb in eine Position gebracht wird, die das Ausatmen unmöglich macht. Um auszuatmen, müsste sich das Opfer mit den Füßen abstützen, damit die Spannung der Muskeln einen Moment lang nachlässt. Dabei würde der Nagel die Füße aufreißen, eventuell sogar den Fußwurzelknochen verletzen.
Wenn es das Opfer geschafft hat auszuatmen, konnte es sich einen Augenblick entspannen und wieder einatmen. Aber dann musste es sich wieder mit den Füßen abstützen und nach oben stemmen, um auszuatmen. Dabei rieb sich der blutende Rücken am rauhen Holz des Kreuzes. Das ging so lange, bis das Opfer völlig erschöpft war und sich nicht mehr abstützen und ausatmen konnte.
Wenn sich die Atmung verlangsamt, löst sich der Kohlenstoff im Blut in Kohlensäure auf, wodurch der Säuregehalt zunimmt. Das wiederum führt zu unregelmäßigem Herzschlag. Als Jesus merkte, dass sein Herz ungleichmäßig zu schlagen anfing, wusste er vermutlich, dass Sein Tod nahe war. Er schaffte es noch zu sagen: >Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.< Dann starb er an Herzversagen.«“

Soweit Lee Strobel. Es ist unmöglich, eine Kreuzigung zu überleben. Das hätten auch schon die römischen Soldaten nicht mitgemacht!
Der bereits erwähnte Psalm 22, der Leidenspsalm Jesu, beschreibt kurz und knapp, jedoch auch genauso eindrucksvoll die Leiden Jesus am Kreuz. Ich lese ab Vers 15 einige Verse

„15 Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs. 16 Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub. 17 Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben. 18 Ich kann alle meine Knochen zählen; sie aber schauen zu und sehen auf mich herab.“

Singen wir nun aus Lied 519 die zweite Strophe
„Für mich trugst Du die Dornenkron, für mich warst Du von Gott verlassen. Auf Dir lag alle Schuld der Welt, auch meine Schuld; ich kann`s nicht fassen. HERR, Deine Liebe ist so groß, daß ich sie nie begreifen kann, doch danken will ich Dir dafür. HERR, Deine Liebe ist so groß, daß ich sie nie begreifen kann. Ich bete Dich an.“

Jesus ruft: „Mich dürstet!“ Ich bin genausowenig wie Ecki in der Lage, diesen Vers in all seiner Dramatik und Tiefe auszulegen, deshalb zitiere ich immer mal wieder den englischen Erweckungsprediger Charles H. Spurgeon, dessen tiefgreifende Erkenntnis und wortreiche Sprachgewalt mich immer wieder beeindrucken. Auch hat mir der Prediger Jakob Rambach, der im 17. Jahrhundert mit etwa 43 Jahren starb, einige wertvolle Gedanken geschenkt. Doch nun schreibt Spurgeon hierzu: ´Unser HERR ist der Schöpfer des Ozeans und der Wasser am Himmel. Alle Quellen und Brunnen werden von Ihm gegraben. Er schüttet die Ströme aus, die zwischen Hügeln dahinfließen; die Wildbäche, die über Klippen und Felsen springen; die Flüsse, die die Ebenen fruchtbar machen. Man sollte eigentlich annehmen, wenn Er Durst hatte, brauchte Er sich nicht bei uns beklagen. Alle Seen und Ströme würden eifrig herbeieilen, um Ihm ihr Naß anzubieten... Jesus erweist sich als Mensch, denn Er erduldet Schmerzen, die zum Menschsein gehören.`Hast Du schon mal einen Durst verspürt, der zu echten Schmerzen führt? Gott sei Dank noch nicht! Wir können dagegen immer wieder unseren Durst auf so leckere Art und Weise stillen...

Was die natürlichen Ursachen Seines Durstes betrifft, so wissen wir aus der Passionsgeschichte, daß der HERR Jesus die ganze vorherige Nacht schlaflos und den darauf folgenden Tag in beständiger Unruhe und Ermüdung, ohne Essen und Trinken, zugebracht hat. Jesus ist überdies durch das häufige Blutvergießen am Ölberge, durch die Geißelung, Dornenkrönung und Kreuzigung aufs äußerste entkräftet worden. Über die entsetzlichen Qualen, die eine Kreuzigung verursacht, haben wir ja vorhin schon eine medizinische Reportage gehört.... Sein erschöpfter Körper hat bereits über drei Stunden in der Luft nackt und bloß gehangen, und Seine Seele ist in der vorausgegangenen dreistündigen Finsternis bereits durch das Gericht Gottes ausgesaugt und aller Kräfte beraubt worden. Daher ist es kein Wunder, daß Ihm die Zunge am Gaumen klebt, Seinen Mund zu einem Ofen werden läßt! Lesen wir dazu noch einmal Psalm 22,16

„16 Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub.“

Zu den großen Vorbildern auf Jesus hin gehört auch Simson. Von ihm lesen wir im Buch der Richter 15, ab Vers 18
„18 Als ihn aber sehr dürstete, rief er den HERRN an und sprach: Du hast solch großes Heil gegeben durch die Hand deines Knechts; nun aber muß ich vor Durst sterben und in die Hände der Unbeschnittenen fallen.“

Dieser heftige Durst Simsons, den er empfunden hat, nachdem er tausend Philister mit dem Kinnbacken eines Esels erschlagen hat, können wir sehen als ein Bild von dem Durst, den Jesus jetzt empfindet, wenn Er das Reich des Satans zerstört und dadurch Seinem Volk das allergrößte Heil schenkt!

Unser HERR erleidet schreckliche Qualen des Ausgedörrtwerdens! Wie groß muß die Liebe Jesu zu uns Menschen sein, die Ihn veranlaßt, sich dermaßen herabzulassen! Jesus ist der HERR der Quellen und tiefen Wasser, aber am Kreuz wird Ihm nicht einmal ein Becher kalten Wassers an die Lippen gesetzt. Heute quillt unter dem Thron Gottes und des Lammes ein Strom lebendigen Wassers hervor, klar wie Kristall, aber jetzt sagt Jesus: „Mich dürstet!“ `Spurgeon schreibt dazu weiter: ´Im übertragenen Sinne ist Durst Unbefriedigtsein, ein Verlangen nach dem, was man nicht hat. Unser HERR spricht in Johannes 7,37

„37 ... Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“

Durst ist ein Resultat der Sünde. Nun hat Christus den Platz des Sünders eingenommen und erleidet Durst, weil Er die Folgen der Sünden trägt. Noch ernster sind die Aussagen unseres HERRN, wonach Durst als Folge der Sünde auch in der Ewigkeit eine Rolle spielen wird. Von dem reichen Mann heißt es, ich lese aus Lukas 16 ab Vers 23

„23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.
24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen.“

Jesus dürstet – doch wie reagieren die Soldaten unter dem Kreuz von Golgatha daraufhin? Wir können es in Lukas 23, ab Vers 36 nachlesen

„36 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig 37 und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber!“

Der Mensch als ein Sklave des Satans, als ein heimtückischer Verräter Gottes... Sagten nicht schon die Propheten voraus, daß der Mensch seinem menschgewordenen Gott Galle zu essen und Essig zu trinken geben würde? Lesen wir dazu Psalm 69,22

„22 Sie geben mir Galle zu essen und Essig zu trinken für meinen Durst.“

So behandelt der Mensch Seinen Erretter unter dem Kreuz von Golgatha, so behandeln wir als Christen auch heute immer noch unseren HERRN Jesus, wenn wir sündigen!

Jesus weiß natürlich aus der Schrift, daß Er Essig bekommen wird. Aber Er will lieber mit dem sauren Essigtrunk, mit dieser schlechten Erquickung vorliebnehmen und dadurch neues Leiden erfahren, damit nur die Schrift an Ihm erfüllt werde!

Bereits einige Stunden vor dieser Szene bieten Ihm die Soldaten einen ganz besonderes Coktail an, die Überlieferung spricht davon, daß dieser besondere weinhaltigeTrank mit Myrrhe, Weihrauch und Galle vermischt ist. Im Matthäusevangelium liest sich das so, ich lese aus Kapitel 27, ab Vers 33
„33 Und als sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, das heißt: Schädelstätte, 34 gaben sie ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt; und als er's schmeckte, wollte er nicht trinken.“

Jesus will sich durch diesen häßlichen Trunk nicht Seiner Vernunft berauben und Seinen Verstand verwirren. Jesus möchte keine törichten und ungereimten Worte vom Kreuz ungewollt verkündigen. Jesus wäre so zum Gespött des Volkes geworden. Weil Jesus aber nicht als ein rasender, sondern als ein vernünftiger Mensch voller innerer Würde sterben will, so verzichtet er gerne auf diese fragwürdige Erleichterung all Seiner Martern.

Diesen Essig aber hat Jesus zu sich genommen und ist mit einem solch saurem und herben Geschmack in den Tod gegangen, der wenige Minuten später daraufhin erfolgt.

„Mich dürstet!“ Zweifellos hätte Jesus am liebsten jetzt frisches Wasser getrunken, aber eigentlich und in einem tieferen Sinne ist auch Seine Seele durstig, die sich nach einigen Stunden Gericht und Gottverlassenheit so sehr nach Gemeinschaft mit dem Vater im Himmel sehnt. Und Jesus dürstet in diesem Zusammenhang sicherlich auch nach tiefer Gemeinschaft mit jedem Glied Seiner neuen Gemeinde, nach Gemeinschaft mit Seinen Verwandten, Freunden und Jüngern. Jesus möchte Dich haben, Bruder! Jesus möchte Dich haben, Schwester! Jesus ringt in Seinem hohenpriesterlichen Gebet, in Johannes 17, regelrecht im Gebet an Seinen Vater im Himmel um unsere Gemeinschaft mit Ihm, lesen wir aus Johannes 17, ab Vers 24

„24 Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe der Grund der Welt gelegt war. 25 Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, daß du mich gesandt hast. 26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.“

Haben auch wir einen solchen Durst nach Seiner Gemeinschaft?

Singen wir nun, bevor wir zu dem Schlußgedanken kommen, die dritte Strophe aus Lied 519

„HERR Jesus Christus, alle Schuld hast Du für immer mir vergeben. Du hast mich froh und frei gemacht, Du schenkst mir neues, ewges Leben. HERR, Deine Liebe ist so groß, daß ich sie nie begreifen kann, doch danken will ich Dir dafür. HERR, Deine Liebe ist so groß, daß ich sie nie begreifen kann, ich bete Dich an.“

Der Römerbrief schreibt im 6. Kapitel, daß wir mit Jesus gekreuzigt worden sind, das heißt, daß unser altes Leben gewissermaßen mit Christus am Kreuz von Golgatha endete.

„6 Wir wissen ja, daß unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so daß wir hinfort der Sünde nicht dienen.“

Heißt das denn auch, daß wir mit Jesus Durst leiden sollen? Im übertragenem Sinne ganz bestimmt. Denn uns soll dürsten, nach dem lebendigen Wasser, nach Jesus Christus! Jesus dürstete, darum laßt auch uns dürsten in diesem geistlich trockenem und verdorrtem Land, wo es so wenig lebendiges Wasser gibt, ich lese Psalm 42,2

„2 Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.“

Doch wonach dürstet uns immer wieder? Immer wieder nach Vergänglichem und nach Sünde, die uns immer wieder ihr verführerisches Antlitz zeigt! Meine kostbare freie Zeit kaufe ich viel zu wenig für den HERRN aus und verplempere viel zu viel Zeit mit Dingen, die Jesus nicht machen würde, mit Dingen, die den Durst nur für kurze Zeit löschen können, dessen faules Wasser nicht gut für mich ist! Das Problem ist bekannt, es existiert schon seit Adam und Eva. Gott selbst beklagt sich über diese trostlose Situation zum Beispiel in Jeremia 2,13

„13 Denn mein Volk tut eine zwiefache Sünde: mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und kein Wasser geben.“

Dabei könnten wir es ja so einfach haben! Wenn wir doch bloß der Schrift immer mehr vertrauen würden! Wir bräuchten gar keinen Durst nach abgestandenem Wasser mehr zu haben, weil Jesus uns unseren Durst immer wieder so überreichlich löschen möchte! Lesen wir dazu zwei Verse

„38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. (Johannes 7,38)

und

„17 Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst. (Offb 22,17)

Der Prediger Jakob Rambach fordert uns direkt zu einem Leben in der Heiligung heraus. Gerne zitiere ich ihn jetzt noch einmal

´Verbanne darum allen sündlichen Durst nach der Ehre dieser Welt, nach vergänglichen Reichtümern, nach befleckenden Wollüsten aus Deinem Herzen. Bitte Gott, daß Er dir dein Verderben aufdecken, dein schlafendes Gewissen ermuntern und, was du mit deinen Sünden verdient hast, dir zu erkennen geben wolle, so wird sich bald ein Durst nach dem reinigendem Blute Jesu Christi, ein Durst nach den Verheißungen des Evangeliums, ein Durst nach der Gnade Gottes, nach der Gerechtigkeit des Mittlers und nach der Gemeinschaft des Heiligen Geistes bei Dir finden.`

Das ist ein Durst, der heilt und gleichzeitig süchtig macht, süchtig macht nach Jesus und Seiner Liebe und Seinen Erquickungen an und in uns. Das Hohelied 2, Vers 5 beschreibt diesen wunderschönen Zustand, den auch ich immer wieder mal erleben darf

„5 Er erquickt mich mit Traubenkuchen und labt mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe.“

Wie schön wäre doch ein solches Leben in der Heiligung, wie schön wäre es doch, wenn wir permanent einen solch heiligen Durst zu unserem Heiland hätten. Uns würde es an nichts mehr mangeln. Zum Schluß möchte ich uns allen den Psalm 23 ans Herz legen. Die Leiden aus dem vorher gehendem Psalm 22 haben ein Ende, unser auferstandener HERR Jesus ist jetzt und für alle Zeit unser Hirte!

Psalm 23 – Der gute Hirte
„1 Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. 2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. 3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. 6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.“

Amen!