Predigt Jürgen 12. August 2001
Lukas 8,39
Zeugnishafte Verkündigung


Ganz am Anfang möchte ich uns heute einmal ein Gedicht vorlesen, welche ich von Prof. Dr. Werner Gitt abgehört habe. Gitt hat so seine Zuhörer abgeholt, sie aus einer möglichen Schläfrigkeit aufgeweckt..., bevor er selbst mit der Predigt anfing. So etwas haben wir natürlich nicht nötig... Und dennoch, ich möchte uns diesen lustigen Einstieg nicht vorenthalten....

Die Katze des Pfarrers
Der Pfarrer hielt die schönste Predigt
und dennoch schliefen manche ein.
Da schlich auf einmal in die Kirche
des Pfarrers Katze sich herein.

Ganz leise ging sie durch die Kirche.
Und setzte sich dann vorne hin.
Und sah hinauf zu ihren Pfarrer.
Und hörte andachtsvoll auf ihn.

Da schauten alle auf die Katze.
Schnell weckte man die Schläfer auf,
damit sie sehen, wie die Katze
zu ihrem Pfarrer blickt hinauf.

„Ihr wundert Euch, so sprach der Pfarrer,
daß meine Katze kommt hierher
und daß sie aufpaßt auf die Predigt
das wundert Euch vielleicht noch mehr!

Sie kommt hierher, ich will`s Euch sagen,
sie sucht sich vorne einen Platz,
weil sie gehört hat, daß ihr Pfarrer
hier hält die Predigt für die Katz...!

Ich denke, daß es mir heute morgen nicht so geht. Wenn ich in die fröhlichen und frischen Gesichter hier hineinblicke, dann merke ich, alle sind wach und es ist noch keiner eingeschlafen.

Ja, ein jeder von uns macht, und da bin ich mir ganz sicher, so seine ganz besonderen persönlich geprägten Erfahrungen mit unserem HERRN Jesus. Von Reinhard Purper haben wir vor zwei Wochen gehört, daß er als Außendienstler am liebsten im Auto betet, für ihn ist das ein Ort, wo er zwischen all seinen familiären Verpflichtungen und seinen geschäftlichen Terminen ein wenig Ruhe findet, beim Fahren oder auch auf dem Parkplatz. Dann gibt es die Geschwister, denen erst richtig in der Gemeinschaft mit anderen Christen, so zum Beispiel im Hauskreis, große geistliche Kronleuchter aufgehen. Ich selbst bin eher der Typ für das stille Kämmerlein, ich suche die Ruhe, wenn ich beten möchte, wenn ich Sein Wort lesen und begreifen möchte. Und da helfen mir sehr gut Bibellesepläne, dir mir als stetiger Mensch sehr ans Herz gewachsen sind. Wir können natürlich mit unserem Heiland allezeit, in jeder Situation, ob mit oder ohne Bibel, in Verbindung treten, ein jeder so, wie er es mag, eine Audienz beim Schöpfer des Universums ist jederzeit möglich...

Ich selbst bevorzuge fest vorgegebene Bibeltexte und Bibelverse, sie werden für mich zu einer täglichen Fundgrube und Schatzkiste.

Am Jahresanfang habe ich mal einiges zu guten Vorsätzen gesagt... Mit einigen solcher Vorsätze bin ich bereits gescheitert, doch meine geistlichen Vorsätze darf ich nach wie vor täglich hochhalten. Es geht dabei um die tägliche Losungsverse. Das sind jeweils ein Vers aus dem alten Testament und ein dazu passender Vers aus dem neuen Testament, wobei der Vers aus dem alten Testament ausgelost wird, deshalb nennt man diese Verse Losungen. Und mit diesen Losungen lebe ich täglich seit dem 1. Januar 2001.

Natürlich darf ich diese Losungen nicht als geistliche Horoskope verwenden, oft ist auch eine wörtliche Anwendung gar nicht empfehlenswert oder auch einfach nicht möglich, denke ich da an einen Vers vom 25. April aus Psalm 39,10

Ps 39,10 Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun...

Eine solche Anwendung wäre zum Beispiel für die heutige Predigt fatal...

Und dennoch sind mir diese Losungen zu einer täglichen Richtschnur geworden, als Gottes Wort sprechen sie oft ganz lebendig in meinen Alltag hinein. Dies durfte ich ganz besonders in der Zeit meines Urlaubes und meines Krankenhausaufenthaltes erfahren... Und dann stellte ich mir am 1. August endgültig die Frage, über was für ein Thema ich denn heute, am 12. August sprechen solle... Ich nahm diese Frage in meine Stille Zeit hinein – zumal das Predigtkonzept noch unbedruckt und leer war. Und dann erhielt ich ganz überraschend sofort die Antwort, und zwar aus den Losungsversen vom selben Tag, vom 1. August, ich lese diese Verse einmal

Ps 51,14 Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

und

Lk 8,39 Und der Geheilte ging hin und verkündigte überall in der Stadt, wie große Dinge Jesus an ihm getan hatte.

Diese beiden Verse drückten genau meine Situation aus. Ich benötigte unbedingt Gottes Hilfe und auch einen willigen Geist, um eine Predigt zu schreiben, so konnte ich für mich persönlich den Psalm 51,14 auslegen. Und dann die Antwort aus Lukas 8,39 als persönliche Anwendung: Nämlich hinzugehen und zu erzählen, was Jesus für große Dinge an mir, dem Geheilten, getan hat. In der Hoffnung, daß auch mein Kniegelenk schon recht gut verheilt ist, möchte ich Euch heute also hineinnehmen in ein Leben mit Seinen lebendigen Losungsversen und dabei auch einen Rückblick halten auf meine vergangenen Urlaubs- und Krankenhaustage im Juli diesen Jahres. Nun bin ich natürlich der Gefahr ausgesetzt, daß ich mich selbst zu sehr in den Mittelpunkt stelle und unseren HERRN Jesus und Sein Wort zu sehr beiseite schiebe. Und außerdem ist es uns allen sicherlich nicht möglich, diese Losungsverse genauso persönlich auszulegen und anzuwenden, weil eben ein jeder in anderen Lebenssituationen lebt und sich der HERR einem jeden von uns verschieden und individuell offenbart... Zeigen möchte ich aber in der heutigen Botschaft, daß Gottes Wort immer wieder ganz lebendig in unseren Alltag hineinsprechen kann, motivieren möchte ich uns deshalb allesamt, sich immer wieder regelmäßig mit Seinem Wort zu beschäftigen.

Bevor ich in diese zeugnishafte Predigt einsteige, möchte ich uns vorher einmal die Kriterien aufzeigen, die eine Predigt ausmachen können und sollen. Hier einige wichtige Hinweise:

Eine Predigt soll lehren und das Evangelium weitersagen (Matth 9,35), eine Predigt soll den Glauben bewirken aus dem Wort Gottes (Rö 10,17), eine Predigt soll die Gläubigen auch stärken (Rö 16,25), eine Predigt soll durch die Torheit unserer schwachen Worte selig machen (1. Ko 1,21) und eine Predigt soll uns allesamt auch auferbauen (1. Ko 14,26). Ich hoffe, daß heute von allem etwas dabei ist. Erinnern möchte ich mich auch noch an den Apostel Petrus, an das, was er zum Thema „Predigen“ zu sagen hat

1Petr 4,11 wenn jemand predigt, daß er's rede als Gottes Wort; a wenn jemand dient, daß er's tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
(a) Röm 12,7

Nach diesen einleitenden Bemerkungen gibt es jetzt wieder eine kurze Übersicht zu dem, was uns heute hier erwartet...

Hauptteil

1. Gottes persönliches Wort – in meinem Urlaub
2. Gottes persönliches Wort – während meines Krankenhausaufenthaltes

Schlußteil: ...lasset das Wort Gottes reichlich unter Euch wohnen!

Singen wir nun aus Lied 337 die erste Strophe:

„Viele Wege gibt es auf dieser Welt, doch einen nur können wir gehen. Und die Frage, die sich mir dadurch stellt, ist, welchen Weg ich nehm. Soll ich den Weg gehen, der mir gefällt? Such ich einen, der mir recht bequem? Doch nicht, was ich denke und wünsche, zählt. Wie Er führt, will ich gehen. Weise mir, HERR, Deinen Weg, daß ich wandle in Deiner Wahrheit. Laß michs erkennen, o HERR, und erkennen, daß Du nie einen Fehler machst! Weise mir, HERR, Deinen Weg, daß ich wandle in Deiner Wahrheit! Und all mein Sinnen und alles Beginnen möchte ich, daß Du, HERR, überwachst.“

Samstag, den 30. Juni: Der erste Urlaubstag in Südtirol, in Wolkenstein. Nach einem herrlichen Sommertag im Gebirge prasseln abends heftige Gewitter auf dieses Bergdorf hernieder. Und die Bibelverse von heute betonen besonders die gerechten Gerichte Gottes. So auch Offenbarung 15,4

Offb 15,4 ... Ja, a alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.
(a) Ps 86,9; Jer 16,19-21

Ein Gewitter als Symbol des Gerichtes, des Zorn Gottes? Für mich wäre es eines der schlimmsten Unglücke auf dieser Erde, wenn ich, total ungeschützt, im Freien, z. B. auf einer Almwiese hier bei Wolkenstein, einem heftigen Gewitter, mit leuchtenden Dauerblitzen und heftigem Donnerkrachen, ausgesetzt wäre. Und so stelle ich mir auch das Gericht über die Unerlösten vor, so ähnlich, nur noch viel schlimmer. Bei einem heftigen Gewitter kann mich der HERR immer noch bewahren, Seine schützende Hand über mich halten, aber als Ungläubiger wäre ich bei Seinem gerechten Gericht ganz und gar Seinem Zorn ausgesetzt, und niemand könnte mich dann verteidigen und schützen...

Offb 15,4 Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig!

So heißt es im ersten Teil unseres heutigen Bibelverses, ein Wort, welches zur Anbetung und zur treuen Nachfolge auffordert, gerade jetzt auch im Urlaub, gerade auch in Anbetracht dieses Gewitters...

Sonntag, den 1. Juli 2001: Nach einem schönem Wandertag sollte ich eigentlich dankbar, froh und zufrieden sein. Doch ich bin es nicht... Abends beschleicht mich ein Gefühl der Einsamkeit. Der gewohnte Gottesdienst fand heute nicht statt, irgendwie vermisse ich die Geschwister, und hier kenne ich ja niemanden. Und auch mein Zimmer kommt mir recht beengt vor. Mir geht es ja so gut - doch auch diese herrliche Landschaft und die Erlebnisse am Berg können mir heute keinen rechten Trost vermitteln. Obwohl ich mich abends mit Fernsehen und dem einzigen preiswerten südtiroler Getränk, mit dem Rotwein, ablenke, so bleibt mir doch das heutige Losungswort aus Psalm 109,21 ein großes Trostwort

Ps 109,21 Aber du, HERR, sei du mit mir um deines Namens willen; denn deine Gnade ist mein Trost: errette mich!

Montag, den 2. Juli 2001:
Nach dem leichten Frust von gestern gibt es heute wieder viel zu loben und zu preisen. Meine Pensionswirtin schlägt mir ganz unerwartet einen Zimmertausch vor: Ein doppelt so großes Zimmer, mit riesigem Bad und dem üblichen Komfort – bei 25 Prozent Preisermäßigung – ab morgen kann ich es beziehen! Einziger Wermutstropfen: Es liegt im Keller und hat so auch keinen Balkon... Aber das macht mir nichts aus, bin ich doch eh den ganzen Tag draußen, an der frischen Luft... Dieses Angebot ist eine riesige Gebetserhörung, da kann ich mit Jesaja 12,6 so richtig jubeln

Jes 12,6 Jauchze und rühme, du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir!

Und auch der heutige Vers aus dem Neuen Testament spricht so richtig in meine Urlaubsstimmung hinein, ich lese aus

Kol 2,9 Denn in Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, a
(a) Joh 1,14; 1,16

Kol 2,10 und an dieser Fülle habt ihr teil in ihm, der das a Haupt aller Mächte und Gewalten ist.
(a) Eph 1,21

Ein leuchtend klarer Vollmond steigt über der Sellagruppe auf in diesen Abendstunden, das Wetter ist herrlich und die Vögel zwitschern vergnügt. Und dann habe ich heute den bisher schönsten Bergtag erlebt. Bis auf den Schlerngipfel in 2564 m ging es hinauf, was für ein herrlicher Rundblick... Im Süden die Rosengartengruppe, im Osten der Langkofel, im Norden die Geislergruppe und im Westen, ganz hinten, der Ortler! Und wenn ich da an die Fülle in Jesus denke, da fällt mir jetzt natürlich zuallererst Seine Schöpfung ein! Angefangen von den blauen Enzianblüten, dann haben mich immer wieder Seine Schmetterlinge gegrüßt, und dann die großartigen Aussichten auf die Dolomiten. Es ist ein so erhebendes Gefühl, auf einem Berggipfel zu stehen und an die Fülle zu denken, die wir in Jesus haben... Seine Schöpfung ist auch Seine Fülle, an Seiner Schöpfung können wir den Schöpfer erkennen (Römer 1,20)... Auch Sein Mond, der Vollmond, zeugt davon, er leuchtet jetzt in das Grödnertal hinab...

Mittwoch, den 4. Juli 2001: Das heutige Wort aus den Tageslosungen erinnert mich wieder daran, wie wichtig es ist, Sein Wort täglich zu sich sprechen zu lassen, und auch auf den Heiligen Geist zu hören, welcher sich immer wieder auch in unseren Gedanken offenbart.
Ps 95,7 Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet:
(a) Ps 100,3; Joh 10,27-28
Ps 95,8 a »Verstocket euer Herz nicht...
Und wie praktisch ist es auch heute, auf Sein Wort zu hören. Bei schwierig erscheinenden Bergpfaden fallen mir immer wieder ermutigende Bibelverse ein, so zum Beispiel auch die bekannten „Fürchte Dich nicht...“ Verse. Während ich zu Hause bei Andachts- und Predigtvorbereitungen liebend gerne die Konkordanz benutze oder auch ein Bibel – Computer Programm, komme ich jetzt im Urlaub, wenn ich meine täglichen Gedanken niederschreibe, ganz ohne diese Hilfsmittel aus. Der HERR schenkt mir ganz einfach die gesuchten Verse, und ich darf auf Seine Stimme hören!

Und dazu lautet der heutige Vers aus dem Neuen Testament
Lk 11,28 Jesus aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. a
(a) Kap 8,15; 8,21
Dazu kann ich auch heute wieder voller Begeisterung Amen sagen!



Donnerstag, den 5. Juli 2001: Auch heute kann ich wieder erfahren, daß Gottes Wort nicht nur zu den Juden und zu den Jüngern Jesus spricht. Gottes Wort kann ich auch heute wieder ganz persönlich erleben. Der heutige Tag steht ganz unter dem Losungsvers aus

2Kor 2,14 Gott aber sei gedankt, der uns allezeit Sieg gibt in Christus

Gleich gegen drei Feinde muß ich heute kämpfen. Nach einem langen Fernsehabend mit einem guten Roten bin ich sehr müde und unmotiviert aufgestanden, trotz des herrlichen Wetters. Der zweite Feind war meine anfängliche Magenverstimmung. Und der dritte Feind des Tages sind heute die vielen Angstgefühle bei meiner längsten und für mich schwierigsten Bergtour, ich denke da an die beiden langen Steilabstiege über schmale Bergpfade, auch über rutschige Schneefelder, eine Herausforderung für nicht ganz Schwindelfreie. Über diese drei Feinde schreibt Jeremia heute, ich beziehe es auch jetzt ganz persönlich auf mich

Jer 1,19 daß, wenn sie auch wider dich streiten, sie dir dennoch nichts anhaben können; denn ich bin bei dir, spricht der HERR, daß ich dich errette.

Gegen die morgendliche Müdigkeit und Unlust hilft mir Gott in einer intensiven Stillen Zeit, gegen mein flaues Magengefühl schenkt Er mir ein gesundes und kräftiges Frühstück und gegen den Hauptfeind, gegen die Angst am Berg, ja, da hilft Er mir heute besonders durch Sein verheißungsvolles Wort aus Jeremia aber auch durch Sein Wort aus
2Kor 2,14 Gott aber sei gedankt, der uns allezeit Sieg gibt in Christus...

Gott hilft..., auch wenn ich heute eigentlich selbstverschuldete Niederlagen verdient hätte. Mit Jesus konnte ich auch heute Schwierigkeiten überwinden – und rückblickend darf ich sehr dankbar auf den vielleicht schönsten Urlaubstag sein.

Samstag, den 7. Juli 2001: Rückfahrt aus dem Urlaub nach Hause... Eigentlich eine einfache und gemütliche Sache, nach bereits 13.000 km auf diesem Roller, so ganz ohne Schwindelgefühle und Anstrengungen. Der heutige Tag steht unter dem Losungswort

4Mo 14,17 So laß nun deine Kraft, o Herr, groß werden, wie du gesagt hast..

Aber wie so oft, so will auch heute meine eigene Kraft mit mir durchgehen. Das dicke Ich mit all seinen Wünschen und Begierden will stärker sein als Seine Gnade und Kraft..., auch heute... Mit meinen Gedanken bin ich auf der Heimfahrt schon längst zu Hause, denke an die leckeren Getränke in meinem Kühlschrank...., denke auch daran, morgen an einem Sonntag, vielleicht noch einmal auszuschlafen, anstatt in den Gottesdienst zu gehen... Es wird Zeit für einen Denkzettel, wird sich da der HERR gedacht haben... Bereits gestern abend hat eine heftige Gewitterfront in Frankreich bei Straßburg 11 Todesopfer gefordert, und diese Gewitterfront nähert sich nun unaufhaltsam Tirol und Bayern, genauso, wie auch ich.... Westlich von Innsbruck bemerkte ich schon wieder diese drohende, schwarze Wolkenfront und so fragte ich besorgt Gott im Gebet, ob ich wohl noch trocken nach Hause kommen könne. In meinen Gedanken bejahte Gott diese Anfrage, ich möge doch bitte nur durchfahren und nirgendwo mehr anhalten. Und dann begann diese Wettfahrt gegen dieses Unwetter. Bei Mittenwald holt es mich fast ein, doch dann endlich scheine ich ab Königsdorf auf der sicheren Seite zu sein, so daß ich mir in Wolfratshausen sogar eine unnötige Tankpause gönne und mir sogar noch einen unnötigeren Mc Donald Aufenthalt leiste. Kaum verlasse ich Mc Donald, fängt schon dieses wolkenbruchartige Unwetter an... Ich komme gerade noch bis Münsing, will mich schützend dort unterstellen, bremse dabei und komme auf der und staubig-schmierigen und regenüberfluteten Fahrbahn ins Schleudern, stürze dabei, 5 km vor meiner Haustür. Die Folgen sind bekannt...
Hätte ich doch heute bloß auf Gottes Wort gehört, wäre ich doch in Seiner Kraft bei Mc Donalds vorbeigefahren ohne anzuhalten, ich wäre wohl sicher und noch trocken zu Hause angekommen.

Singen wir nun aus Lied 337 die zweite Strophe:
„Manche Frage stellt sich im Lebe mir, doch fehlt oft die Antwort dazu, und ich frage Freunde, frage dort und hier und forsche ohne Ruh! Es bleibt vieles, was keine Antwort hat, bleibt vieles, was rätselhaft ist. Darum frag ich Gott, meinen HERRN um Rat, im Namen Jesu Christ. Weise mir, HERR, Deinen Weg, daß ich wandle in Deiner Wahrheit. Laß mich`s erkennen, o HERR, und erkennen, daß Du nie einen Fehler machst! Weise mir, HERR, Deinen Weg, daß ich wandle in Deiner Wahrheit! Und all mein Sinnen und alles Beginnen möchte ich, daß Du, HERR, überwachst.“

Ja, der HERR hat mir an diesem Unfalltag den Weg gewiesen, ich habe Ihn gefragt, Er hat mir prompt geantwortet – doch ich habe Seinen guten Rat nicht befolgt... Die Folgen davon darf ich jetzt ausbaden. Doch, welch Trost, der HERR ist weiterhin bei mir und begleitet mich, zum Beispiel täglich in Seinen Losungsworten...

Mittwoch, den 11. Juli 2001: Der erste Gedanke, als ich heute morgen die beiden Losungsverse lese, ist wirklich: Jetzt wird es aber Zeit, wieder an die Arbeit zu gehen, mit meinem Bein scheint es besser zu gehen. Ich bin zwar noch krankgeschrieben bis heute, aber die heutigen Bibelverse laden mich regelrecht zum Arbeiten wieder ein.
2Chr 30,8 So seid nun nicht halsstarrig wie eure Väter, sondern reichet dem HERRN die Hand und kommt zu seinem Heiligtum...
und
Lk 14,23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, daß mein Haus voll werde.

Und das sind heute Beispiele dafür, wie sehr wir Tageslosungen überinterpretieren können, wenn wir sie mit aller Gewalt auf uns selbst anwenden wollen, so als eine Art „geistliches Horoskop“. So geht es natürlich nicht. Nun, ich habe mich zur Arbeit rufen lassen, auch durch diese Bibelverse, muß aber abends feststellen, daß mein linkes Kniegelenk bis zum Abend wieder sehr stark angeschwollen ist. Dieser Arbeitstag hat also meinem Kniegelenk eher geschadet... Und das ist vielleicht doch wiederum gut gewesen, denn sonst wäre ich wohl nicht so schnell freiwillig ins Krankenhaus gegangen zwei Tage später...

Donnerstag, den 12. Juli 2001: Mein heutiges erstes Gebet entspricht einem heutigen Losungsvers, gerade auch in Anbetracht des kranken Kniegelenks.

Ps 118,25 O HERR, hilf! O HERR, laß wohlgelingen!

Da wird mir deutlich bewußt, daß ich mir selbst nicht helfen kann. Ich kann mir zwar Salbe auf das Bein schmieren, ich kann mit Akkus kühlen, damit die Schwellung verschwindet, aber ich weiß auch, daß das Gelingen nur der HERR schenkt!

Freitag, den 13. Juli 2001: Heute ist mal wieder Freitag, der 13. Für abergläubische Menschen ein Unglückstag. An einem solchen Tag kann man sich doch nicht ins Krankenhaus legen...! Doch, Gott sei es gedankt, bin ich nicht abergläubisch, war es auch früher nie gewesen... und darf heute ganz auf Seine Gnade vertrauen, egal, wie es mit mir weitergehen wird

2Mo 15,26 ... denn ich bin der HERR, dein b Arzt.

So sagt es der allmächtige Gott zu seinem Volk Israel, in der Wüste Sinai. Und als mein Arzt durfte ich Jesus bei meiner Bekehrung erleben – und bestimmt auch jetzt hier im Krankenhaus. Interessant ist im Übrigen, was die heutige Tageslosung von den Sternguckern und Quacksalbern und Esoterikern hält, die ja auch ihre Hilfe den Kranken anbieten
Jes 47,13 Es sollen hertreten und dir helfen die Meister des Himmelslaufs und die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über dich kommen werde!
Jes 47,14 Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt...
Samstag, den 14. Juli 2001:
Die heutigen Losungsverse sprechen wieder ganz deutlich in meinen Alltag hinein
Ps 40,11 ... von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich. Ich verhehle deine Güte und Treue nicht vor der großen Gemeinde.
und

Lk 8,1 Und es begab sich danach, daß er durch Städte und Dörfer zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf waren mit ihm,
Lk 8,2 dazu einige Frauen...

Nach sehr langer Zeit kann ich heute endlich mal wieder Sein Evangelium verkünden. Mit mir auf meinem Zimmer liegt Ibrahim, ein Ägypter, Ende 20 Jahre. Schon gestern abend konnte ich ihm sehr viel von Jesus weitererzählen, Seine Rolle als persönlichen Erlöser klarstellen, und auch heute, nach dem Mittagessen, beginnt eine längeres Glaubensgespräch. Als Moslem esse er kein Schweinefleisch, sagt er, und das ist für mich ein guter Gesprächseinstieg. Für uns als Christen habe Jesus bereits das Gesetz erfüllt, auch das Gebot, kein Schweinefleisch zu essen, für uns als Christen hebt das Neue Testament ausdrücklich auch sämtliche Speiseverbote auf (siehe Kolosser 2,16 z.B.). Leider kann Ibrahim noch nicht die Gnade Jesus annehmen, er begreift einfach nicht, wie ein Gott so gnädig sein kann, uns sämtliche Sünden zu vergeben... Für ihn sei Jesus außerdem nur ein Prophet Gottes, den er zwar auch sehr lieb habe – aber Jesus als Sohn Gottes, das sei für ihn total unmöglich... Ich kann ihm noch christliche Literatur schenken und betend hoffen, daß der HERR auch ihm noch Seine Gnade schenken möge.

Montag, den 16. Juli 2001: Ruhig und gelassen geht es heute in meine Knieoperation. Einer Krankenschwester kommt das nicht geheuer vor und sagt mir, vor einer Operation hat man einfach nervös zu sein, es gäbe ja auch immerhin genügend Ausschuß... Sie weiß, das ich Spaß verstehe... „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ kann ich ihr dazu nur sagen. Die Operation scheint zu gelingen, ganz ohne Komplikationen, ganz ohne Ausschuß..., nach einer Stunde ist sie bereits vorbei. Es hätte aber auch ganz anders kommen können, auch bei scheinbar harmlosen Operationen können Patienten unter Umständen hinwegsterben... Und damit ich mir auch für solch einen Fall keine Sorgen zu machen brauche, gibt mir der HERR in Seinem heutigen Wort einen treffenden Vers mit

1Jo 2,25 Und das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben.

Selbst wenn ich diese Operation aus unerklärlichen Gründen nicht überleben sollte, dann brauche ich ja nicht zu sterben, dann geht ja nach meinem irdischen Heimgang sofort das ewige Leben los! Dann fängt das Leben ja erst richtig an!

Dienstag, den 17. Juli 2001: Und auch heute hat der HERR Jesus, mein Arzt, wieder so trostreiche Worte für mich bereit. Nur einen Tag nach der Operation darf ich diese Verheißung den Tageslosungen entnehmen

5. Mo 32,39 Ich bins, der tötet und der lebendig macht; ich habe
zerschlagen, ich werde auch heilen...

Diesen Vers habe ich ja bereits bei meiner Bekehrung durchlebt. Mein altes Ego hat Er getötet, dann hat Er mich lebendig gemacht und mir ein neues ewiges Leben geschenkt – weil ich die einzige Voraussetzung erfüllt habe, die dazu notwendig ist: Ein persönlicher Glaube an meinen HERRN Jesus! Er hat mich zerschlagen und hat mich wieder geheilt, seitdem darf ich aus Seiner Vergebung leben. Mich kann niemand mehr aus Seiner Hand rauben...! Ähnliches darf ich jetzt im „Kleinen“ erleben...

Hebr 12,6 Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er...

Er hat mich geschlagen durch diesen Rollerunfall, und jetzt ist Er dabei, mich wieder aufzubauen, zu heilen... Und dazu paßt als Anwendung so gut auch Sein heutiges Wort aus dem Neuen Testament

1Petr 1,13 ... setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi.

Mittwoch, den 18. Juli 2001: Heute, zwei Tage nach der Operation, wäre mein frühestmöglicher Entlassungstag, doch die Ärzte haben mir bereits angedeutet, daß es sich unter Umständen damit noch bis übers Wochenende hinaus hinziehen könne, weil die Knieschwellungen nur sehr zögerlich verheilen... Ein wenig enttäuscht bin ich da schon... Nun kann ich natürlich nicht erwarten, daß mich Jesus von einem Tag auf den anderen wieder heilt. Doch Sein Wort schenkt mir auch heute Freude, Kraft und Zuversicht, es fordert zum Durchhalten auf, ganz so, wie ich es heute gerade brauche

Ps 62,9 Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.

Donnerstag, den 19. Juli 2001:
Der HERR zerbricht nicht nur, er richtet auch wieder auf! Morgen kann ich voraussichtlich aus dem Krankenhaus entlassen werden. Und dazu schenkte mir der HERR heute morgen einen munter machenden Losungsvers
Dan 11,32 Das Volk derer, die ihren Gott kennen, wird stark
bleiben und danach handeln...
Wenn ich Seine Worte ganz persönlich für mich nehmen darf, dann verheißt Er mir hier wieder zukünftige Stärke... Und das sind gerade die Worte, die mir Freude und Zuversicht schenken, an meinem heutigen, etwas frustrierenden und langweiligen siebenten Krankenhaustag. Und auch der zweite Muntermacher des heutigen Tages ist so richtig aufbauend und bestätigt den ersten Vers...

2Tim 1,7 Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Das sind tröstende Worte, da kommt Freude auf, wenn ich an zukünftige Tage denke. Gott spricht durch Sein Wort immer wieder in unseren Alltag hinein!

Freitag, den 20. Juli 2001: Entlassungstag! Und der HERR gibt mir ein paar mahnende Worte mit auf den Weg nach Hause und erinnert mich dabei noch einmal an den Grund meines Aufenthaltes hier. Mein Ungehorsam hat offensichtlich diesen Rollerunfall verursacht. In den Losungen von heute heißt es dazu

Ps 19,9 Die Befehle des HERRN sind richtig und erfreuen das Herz.
und

Joh 8,51 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht sehen in Ewigkeit.

Singen wir jetzt aus Lied 337 die dritte Strophe:

„Laß uns immer handeln nach Jesu Sinn, so wie es die Bibel uns sagt. Unser Weg führt nur dann zum Himmel hin, wenn man nach Jesus fragt. Überall soll Er unser Hirte sein, ganz gleich, ob man über uns lacht. Wenn Er bei uns ist, sind wir nicht allein, am Tag und in der Nacht. Weise mir, HERR, Deinen Weg, daß ich wandle in Deiner Wahrheit. Laß mich`s erkennen, o HERR, und erkennen, daß Du nie einen Fehler machst! Weise mir, HERR, Deinen Weg, daß ich wandle in Deiner Wahrheit! Und all mein Sinnen und alles Beginnen möchte ich, daß Du, HERR, überwachst.“

Gott redet, Gott spricht zu uns, täglich, durch Sein Wort, durch Seinen Guten Heiligen Geist... Wir sind eine Wohnstätte Gottes, unsere Körper ist, so sagt es uns tatsächlich Sein Wort, ein Tempel des Heiligen Geistes (1. Kor 6,19)! Was haben wir es doch gut, so eng und vertrauensvoll mit Gott verbunden zu sein!
Und sollten wir einmal nicht an unserem Glauben und an unserem Vertrauen festhalten, dann kann es passieren, daß der Heilige Geist betrübt für gewisse Zeit aus dem Tempel Seines Geistes, aus dem in uns wohnenden Hause Gottes, auszieht..., leider, es ist immer wieder so schade. Doch wir gehen trotzdem nicht verloren. Unser HERR Jesus hat ja ein für alle Male durch Sein Todeswerk am Kreuz von Golgatha dafür gesorgt, daß Seine Jünger, die Schar Seiner Gläubigen, nicht mehr verloren gehen kann! Und wenn wir immer wieder umkehren, nach Schuld und Sünde, wenn wir uns immer wieder Ihm zuwenden, dann zieht Sein Guter Heiliger Geist wieder voller Freude in unser Herz ein, dann spricht Gott wieder gerne mit uns!
Und erst recht dann, wenn wir Sein Wort reichlich in uns wohnen lassen...!

Kol 3,16 Laßt das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; a mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.
(a) Eph 5,19

Gott spricht zu uns... und Sein Wort hat eine gewaltige Kraft.

Röm 1,16 Denn a ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine b Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.
(a) Ps 119,46; 2. Tim 1,8; (b) 1. Kor 1,18; 1,24

Diese Kraft schuf nicht nur Himmel und Erde, diese Kraft kann auch Dich und mich, welch ein Wunder, selig machen...
1Kor 1,18 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, a die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's b eine Gotteskraft.
(a) 2. Kor 4,3; (b) Röm 1,16

Am 31. Mai 2001 ist eine ehemalige Lehrerin und Buchhalterin der Bibelschule Beatenberg heimgegangen, im Alter von 95 Jahren, Fräulein Elsa Eiberle... Ja, richtig, auch im hohen Alter wollte sie als unverheiratete Dienerin unseres HERRN mit „Fräulein“ angeredet werden. Ich habe sie noch kennenlernen können... Bis zu ihrem 93. Lebensjahr hielt sie noch Gästeandachten und darüber hinaus wurde sie intensiv von Gästen und Schülerinnen für Seelsorgegespräche beansprucht. Worin liegt wohl das Geheimnis dieser sehr bescheidenen und aus einfachen Verhältnissen stammenden Frau? Fräulein Eiberle erzählte einmal, daß sie seit ihrer Entscheidung für Jesus nie die Stille Zeit vernachlässigt habe. Wenn man das so hört, könnte man den Eindruck erhalten, daß sie sich eine fast militärische Pflichterfüllung auferlegt hätte. Für Fräulein Eiberle war dies keine Pflichtübung. Sie auferlegte sich eine solche Disziplin, weil sie bewußt Jesus als HERRN ihres Lebens anerkennen wollte. Darum war es für sie klar, daß sie Ihm auch das erste Anrecht an ihre Zeit einräumte. Sie ist mir zu einem Vorbild geworden!

Hebr 13,7 Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach.

Diese Gotteskraft, die uns Jesus in der Stille schenkt, möchte sich auch in Dir und mir voll und ganz entfalten. Diese Gotteskraft schenkt uns immer mehr die Frucht Seines Geistes, schenkt uns immer mehr so viel Freude und Zuversicht, ob in guten oder auch weniger guten Tagen, wie ich es ja auch erleben konnte...

Ich hoffe, ich habe uns gezeigt, wie sehr Gottes Wort immer wieder ganz lebendig in unseren Alltag hineinsprechen möchte.... Ich hoffe, diese Predigt kann uns dazu motivieren, daß wir uns immer wieder regelmäßig mit Seinem Wort beschäftigen wollen.
Und deshalb, noch einmal

Kol 3,16 Laßt das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; a mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.
(a) Eph 5,19

Amen!