Predigt Jürgen 5.1.2003
Samuel 16.7 -
Jahreslosung 2003


Die Zukunftsvision »1984« von George Orwell hat mich früher sehr beeindruckt. Da ist überall das Auge des großen Bruders und nimmt jede Handlung zur Kenntnis. Da wird jede individuelle Regung eines Menschen unterdrückt und alles auf das große Machtziel des Herrschers ausgerichtet. Willenlose Menschen sind das Ergebnis. Marionetten, die nach den Wünschen dessen tanzen, der die Fäden in der Hand hält. Dieses Horrorszenarium hat sich zwar bis heute nicht erfüllt, doch unsere Gesellschaft ist in unserem digitalem Informationszeitalter auf dem besten Weg dorthin. Lebenswichtige Informationen befinden sich eh schon in all den Computern der Finanzbehörden, der Stadtverwaltungen, der Krankenkassen und Ärzte, der Polizei, und unserer Arbeitgeber. Sogar im Internet geistern sie schon herum. Wusstet Ihr schon, dass Ihr beim Surfen im Internet digitale Spuren hinterlasst, sodass auch noch nach Monaten nachvollzogen werden kann, welche Internetseiten Ihr irgendwann besucht habt? Das kann unter Umständen peinlich werden. Polizeiliche Rasterfahndungen werden heutzutage praktiziert. Hier werden bestimmte Informationen bestimmter Personengruppen per Computer herausgerastert, mit der Folge, dass nicht nur mögliche Täter selbst, sondern vor allem auch unzählige unschuldige Bürger in das höchst unangenehme Visier der Ermittlungsbehörden geraten.

Eine Horrorvision für jeden Datenschützer: der gläserne Mensch! Alle Daten des Menschen, angefangen bei Kontostand, Versicherungsnummer, Krankheiten bis hin zum Erbgut sind bekannt und zugänglich. Zum Glück ist es noch nicht ganz so weit, und auch unsere Gedanken kann noch kein Mensch lesen oder abspeichern. Aber: Big Brother is watching you.

Bei Gott ist das ähnlich. Ja, auch Er weiß alles und Ihm entgeht noch weniger als dem »großen Bruder«. Nichts bleibt Ihm verborgen. Da kann einem schon heiß und kalt werden, wenn man darüber nachdenkt. Doch bei Ihm sind all diese Informationen in barmherzigen und gnädigen Händen. Nichts, aber auch gar nichts geht dem großen Gott durch die Lappen. Dazu einige Belege aus der Schrift

Ps 139,2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

Jer 17,10 Ich, der HERR, kann das Herz ergründen und die
Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun, nach den
Früchten einer Werke.

Hebr 4,13 Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist
alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir
Rechenschaft geben müssen.

Jetzt kommen wir zu unserem Predigtthema, es ist unsere bekannte Jahreslosung 2003:

1Sam 16,7 Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.
Wenn die Bibel davon spricht, dass Gott unser Herz und unsere Nieren prüft, dann hat das nichts mit medizinischen Kenntnissen zu tun. In der alten Sprache steht »Herz« für unsere Persönlichkeit, für unser »Ich«, und »die Nieren« sind der Sitz unserer tiefsten Geheimnisse und Gefühle. Hier geht es also um unsere Empfindungen, Einstellungen, Motivationen und um unseren Willen, das, was letztendlich unser Verhalten und Handeln bestimmt und ausmacht. Gott kennt alles. Er hat Einblick in die Tiefen unseres Herzens. Er kennt und prüft unser Innerstes und die wahren Motive unseres Handelns. Erschreckt uns das? Da ist einer, der uns durch und durch kennt, dem wir nichts vormachen können. Vor ihm sind wir tatsächlich gläsern. Erschreckend ist eigentlich nur, wenn man Gott nicht kennt und kein Vertrauen zu Ihm hat. Das Schöne ist: Gott liebt uns – trotz alldem, was Er in unserem Herzen vorfindet. Wir können und brauchen ihm nichts vorzumachen. Er ist bereit, uns zu vergeben. Deshalb hat er sich so einen wunderbaren Plan ausgedacht, der zum Ziel die Versöhnung des Menschen mit Gott hat. Und diesen Plan hat der Sohn Gottes erfüllt. Ganz. Vollständig.

Nach diesen einleitenden Gedanken möchte ich uns wieder eine Übersicht über unsere heutige Predigt geben.

Hauptteil

1. Gott erwählt David
2. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben...
3. Gott sieht unser Herz, das seelische und geistliche Zentrum unseres
Lebens

Schlussgedanke: Wo Dein Schatz ist...

Singen wir nun aus Lied 293 die erste Strophe:
„Der HERR ist gut, in dessen Dienst wir stehn, wir dürfen Ihn mit Freuden Vater nennen. Wenn wir nur treu auf Seinen Wegen gehen, so lernen wir die ewge Liebe kennen. Dies Wort gibt uns im Kampfe Kraft und Mut. Der HERR ist gut!“

Unsere Jahreslosung soll jetzt aber nicht zusammenhanglos kommentiert werden, wie wir es vielleicht gerne mit einigen Bibelversen machen. Schauen wir uns zunächst einmal den Textzusammenhang an. Da heißt es in

1Sam 16,7 Aber der HERR sprach zu Samuel: Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn nicht sieht der HERR auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

Saul, der König nach dem Herzen des Volkes, hat versagt. Saul war ein Mann von imponierender Statur. »Von seinen Schultern aufwärts war er höher als alles Volk.« Kein Wunder, dass Israel ihm als König zujauchzte: Alle konnten sein Haupt sehen. Und doch, wie oft steht der Kopf eines Menschen dem Willen Gottes im Wege! Nun bringt Gott den König nach seinem Herzen zum Vorschein. Ein neuer Befehl, sein Horn mit Öl zur Salbung eines anderen Königs zu füllen, unterbricht Samuels Trauer um Saul. Dieser König ist erwählt aus den Söhnen Isais. Ein Opfermahl wird vorbereitet, und Samuel ist gehorsam und geht nach Bethlehem. Dann ruft er Isai und seine Söhne zu diesem Mahl herbei. Sieben Söhne Isais kommen einer nach dem anderen, aber der Erwählte ist nicht darunter, woraufhin der HERR zu Samuel spricht:

Denn nicht sieht der HERR auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

Nur einer fehlt noch – David, der Jüngste, der die Schafe hütet. Er wird hergebracht. Der Herr sprach zu Samuel: »Auf, salbe ihn, denn er ist es!« Isais Sohn David wird gesalbt, und der Geist des Herrn kommt über ihn. Und so wird David der Gesalbte des Herrn. David bedeutet »der Geliebte«. David hat sprichwörtlich sein Herz auf dem rechten Fleck, und deshalb wird Er von unserem HERRN erwählt. Nicht die Körpergröße entscheidet, auch nicht Beruf und Einkommen, sondern alleine die richtige Herzenshaltung!

Singen wir nun aus Lied 293 die zweite Strophe:
„Der HERR ist gut und teilt sich willig mit; Sein Wesen ist ein Brunnen guter Gaben. Er geht uns nach und fragt bei jedem Schritt, ob wir nicht was von Ihm zu bitten haben. Wo ist ein HERR, der so mit Knechten tut? Der HERR ist gut!“

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist...

Jürgen Werth vom „Erf“ in Wetzlar bemerkt dazu in der neuen Programmzeitschrift Antenne: „Es ist ja merkwürdig, was da in unseren Köpfen passiert. Unsere Augen nehmen bestimmte Signale auf und leiten sie ans Gehirn weiter. Das Gehirn fügt sie zusammen und präsentiert uns das Ergebnis. Da ist uns einer auf Anhieb sympathisch und ein anderer auf Anhieb unsympathisch. Da gibt es zuweilen die berühmte Liebe auf den ersten Blick und wohl auch die Abneigung auf den ersten Blick. Manchmal, später, wenn wir ein zweites Mal hingeschaut haben, wenn wir unser Gegenüber wirklich wahrgenommen haben, erleben wir eine angenehme Überraschung oder eine unangenehme. Manchmal sagen wir dann: „Ich bin enttäuscht von Dir!“ Das sagt doch nichts anderes aus als: „Ich habe mich in Dir getäuscht.“ Ein Mensch sieht, was vor Augen ist... und täuscht sich zuweilen gewaltig!" Soweit Jürgen Werth.

Ein anderer Gedanke dazu... Ein Mensch sieht also nicht, was er nicht vor Augen hat..., könnten wir umkehrfolgern... Ein Mensch kann nicht in die unsichtbare Welt hineinschauen. Er sieht, riecht, schmeckt, fühlt und hört, was ihm seine fünf Sinne bieten. Dazu kommt ein sechster Sinn, geprägt von Sünde, Stolz und Egoismus. Als Christen haben wir es da entscheidend besser. Wir haben zusätzlich den siebenten Sinn. Das ist der Heilige Geist, der uns schon so viele göttliche Geheimnisse auslegen kann und uns in allem so viel Liebe, Freude und Frieden schenkt. Aber auch als Christen lassen wir uns leider nur zu gerne von unseren ersten sechs Sinnen blenden.

Selig sind, die nicht sehen...und doch glauben!“ (Joh. 20,29) Viele Zeitgenossen können nicht an unseren HERRN Jesus glauben, weil sie unseren auferstandenen Heiland nicht sehen können! Und ganz schlau kommen sie sich vor, wenn sie sagen, dass sie nur daran glauben können, dass ein Pfund Fleisch eine gute, kräftige Suppe ergibt. Also, dann dürfen diese Menschen auch keine Radio- und Fernsehgeräte akzeptieren, denn diese Geräte funktionieren nur, weil sie unsichtbare Wellen und Signale empfangen können.

Schon Moses möchte unseren allmächtigen HERRN sehen, in einem Anfall von Übermut. Selbst Moses, mit dem unser HERR ´per Du` war... Selbst Moses, dem Gott sich immer wieder offenbarte in Erscheinungen, in Wolken- oder Feuersäulen, in Gesprächen, ob von einem brennenden Dornbusch aus oder auf dem Berg Sinai. Doch der allmächtige Gott stellt ein für alle Male fest, siehe 2Mo 33,20

Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht!

Im neuen Testament, im 1. Jo 4,12 heißt es dazu:

„Niemand hat Gott jemals gesehen.“

Doch Moses darf unseren HERRN ganz intensiv erfahren, in einer Erscheinung auf dem Berg Sinai!

In Seinem Wort dürfen auch wir immer mal wieder einen Blick auf unseren allmächtigen Gott werfen, so besonders auch in den ersten Kapiteln des Propheten Hesekiel, hier offenbart sich der HERR dem Hesekiel in einem gewaltigen Räderwerk, in einem Himmelsfahrzeug, welches von Engeln mit mächtigen Flügeln gesteuert wird!

Als lebendige Christen dürfen wir unseren HERRN aber im Glauben schauen und erfahren. Wir erleben Seine Macht in Gebetserhörungen, erfahren Seine Liebe in vielen Führungen und Leitungen, merken, wie uns Seine Gnade immer wieder durchträgt durch diese nicht einfachen Tage... Wir wissen, dass der HERR da ist, dazu brauchen wir Ihn nicht zu sehen! Jesus ist da. Er wohnt in unserem Herzen, Er ist in uns und mit uns! Sein unsichtbares Wesen wird sich uns dereinst im Himmel offenbaren.

Selig sind, die nicht sehen ... und doch glauben (Joh 20,29)! Dies muss sich schon der sogenannte „ungläubige Thomas“ sagen lassen, lesen wir doch einmal diese kleine Geschichte, die sich nach der Auferstehung von Jesus abgespielt hat, siehe Joh 20,24-29: „Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmahle sehe und meinen Finger in die Nägelmahle lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Wir haben nicht das Vorrecht gehabt, als Apostel und Jünger mit Jesus zusammen zu leben. Dies ist aber kein Nachteil. Unser Glaube ist vom Schauen und Sehen nicht abhängig. Wir könnten nicht „besser“ glauben, wenn wir mit Jesus zusammen gelebt hätten. Dies zeigt uns das Beispiel des Apostels Thomas, der die Auferstehung unseres HERRN erst akzeptieren konnte, nachdem er Seine Nägelmahle gesehen hat. Nicht das leibhaftige Sehen unseres HERRN rettet, sondern alleine der Glaube an Ihn, der Glaube an Sein Wort.

Jesus sagt zu einer Frau namens Maria einen wichtigen Satz, siehe Joh 11,40: „Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?“ Wir erfahren daraus, dass wir im Glauben Gottes Herrlichkeit sehen können, dass wir dabei Jesus erkennen können, auch wenn Er nicht greifbar nahe und lebendig sichtbar vor uns steht. Jesus wohnt in uns, in unserem Herzen. Doch in unser Inneres können wir mit unserem natürlichen Auge nicht hineinschauen. Und wir wohnen in Ihm, doch um Ihn dabei zu sehen, dazu reichen die Fähigkeiten unserer Augen auch nicht aus, denn wir können mit unseren Augen nicht in die vierte Dimension hineinschauen, die uns von allen Seiten umgibt. Diese vierte Dimension, das ist Sein Aufenthaltsort, das ist der Himmel, das ist die Ewigkeit und die Unendlichkeit.

Und dennoch können wir im Glauben Seine Herrlichkeit sehen. Gott wohnt in uns und wir in Ihm. Die Brücke, die uns Ihn schauen lässt, die uns mit Ihm in Seiner Herrlichkeit verbindet, überwindet diese Dimension. Diese Brücke ist Sein Heiliger Geist. Siehe auch Röm 8,16:

„Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind.“

Wir dürfen, erfüllt mit Seinem guten Heiligen Geist, die Herrlichkeit unseres HERRN auch heute schon erahnen und erkennen, siehe auch Jes 40,5: „Die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet.“ Gottes Wille für Seine Erwählten ist es, dass sie Ihn mit ihrem geistlichen Auge erkennen, Jesus selbst bittet in Seinem hohepriesterlichen Gebet darum, siehe Joh 17,3: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“ Der Heilige Geist lässt uns unseren HERRN immer besser erkennen, ganz im Sinne von Joh 1,14: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Und da kommt Freunde auf, wenn wir Jesus im Glauben sehen, siehe auch Phil 4,4 + 4,7:

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! ...Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“

Singen wir nun aus Lied 293 die dritte Strophe:
„Der HERR ist gut und sieht in Gnaden an den armen Dienst der Knechte, die Ihn lieben. Er gibt mehr Lohn, als man erwarten kann; kein kalter Trunk ist unvergolten blieben. Er gibt dafür die ganze Segensflut. Der HERR ist gut!“

Wir Menschen schauen hauptsächlich auf das Äußere, wenn wir jemanden beurteilen wollen. Nicht so der HERR. Unser allwissender Gott schaut direkt hinein ins menschliche Herz, in die Seele des Menschen, siehe auch unsere Jahreslosung aus 1Sam 16,7:

Aber der HERR sprach zu Samuel: Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn nicht sieht der HERR auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

Unser Herz arbeitet unermüdlich. Es schlägt pausenlos bis an unser Lebensende und zwar über 4000 Mal in einer einzigen Stunde. Unentwegt pumpt es Blut durch unseren ganzen Körper vom Kopf bis zu den Zehenspitzen, um das Leben überhaupt zu ermöglichen. Jedes Menschenleben hängt von einem gut funktionierenden Herzen ab.

Im körperlichen Sinn kennt natürlich auch die Bibel das Herz als zentrales Organ, von dessen regelmäßigem Schlag das Leben abhängt. Das Herz ist Träger des Lebens, repräsentativ für die Organe des Körpers überhaupt (vgl. Ps 22,15: das kranke H.); der Stoß ins Herz (2Sam 18,14) setzt dem Leben ein Ende. Man weiß auch von der Beeinflussung des Herzens durch seelisches Erleben, von seinem schnelleren Schlag bei Lüge, Angst, Ungehorsam, Furcht und großer Freude (z.B. 1Sam 24,6; 2Sam 24,10; Jes 7,2).

Hauptsächlich aber ist das Herz das Wesen, der Kern der menschlichen Person, das seelische Zentrum des gesamten Lebens. So ist das Herz die Stätte der Empfindungen von der Niedergeschlagenheit (Ps 34,19) über die Traurigkeit (Joh 16,6), den Schrecken (Joh 14,1), die Trübsal und Angst (2Kor 2,4) bis zur Freude (Joh 16,22). Hier denkt und plant der Mensch (Spr 16,9; Apg 5,4; 7,23), hier haben Wille und Entschlossenheit ihre Wurzel (Neh 3,38 RevEB: »und das Volk war mit Herzen bei der Arbeit«). Im Herzen haben andere Menschen ihren Platz (2Kor 7,3): hier haben Treue (1Sam 18,1; 2Sam 15,6) wie Haß (3Mo 19,17) ihren Sitz; hier fällt die Entscheidung über Gehorsam oder Ungehorsam (Apg 7,39). Weisheit und Torheit wohnen im Herzen (1Kön 3,12; Ps 14,1; Spr 22,15) wie auch Wunsch und Hoffnung (Ps 37,4), Vorstellung und Wissen (1Kor 2,9). Aus dem Überfluss des Herzens redet der Mund (Mt 12,34 wörtl.). Der Zustand des Herzens prägt den Menschen in Erscheinung und Tun (vgl. Spr 15,13; Mk 2,6-8), zur bösen (Apg 8,21 ) wie zur guten Seite (1Tim 1,5). Darum kann es das reine, gute (Ps 51,12; Lk 8,15) und das böse, ungläubige Herz (Lk 6,45; Hebr 3,12) geben.
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Das Herz kann verhärtet bzw. verstockt werden (2Mo 4,21; Mk 6,52; 8,17; Hebr 3,8), Die Bibel lässt keinen Zweifel darüber, dass der natürliche Mensch in seinem Herzen böse, abtrünnig, ungehorsam, selbstsüchtig ist (Jes 29,13; Jer 5,23; 7,24). Die Sünde lauert vor dem Herzen, ja der Satan kann es erfüllen (vgl. Apg 5,3; 2Petr 2,14), Götzendienst und falscher Glaube können darin wohnen.

Das 20. Jahrhundert hat unvorstellbar grausame, in diesem Ausmaß bislang unbekannte Massenmorde erlebt. Vor einiger Zeit berichteten die Medien über den Tod Pol Pots. Unter seiner dreieinhalbjährigen Schreckensherrschaft fanden bis zu 2 Millionen Menschen den Tod, ein Fünftel der damaligen Bevölkerung Kambodschas. Der Besitz einer Brille oder die Zugehörigkeit zu einer akademischen Berufsgruppe konnte ausschlaggebend für die Ermordung sein. In immer neuen gesellschaftlichen Experimenten von Pol Pots »Steinzeitkommunismus« wurden die Menschen durch Zwangsumsiedlungen, Arbeitslager, Gehirnwäschen und Nahrungsentzug terrorisiert.
In einem Interview im Jahr 1997 erklärte der Massenmörder, er habe ein »reines Gewissen«. »Alles was ich tat, tat ich für mein Land«, behauptete er zum Entsetzen vieler Landsleute, die unter seinen Verbrechen zu leiden hatten. Er deutete an, für die Schädelberge, die nach seinem Sturz gefunden und fotografiert wurden, könnten die Vietnamesen verantwortlich sein.
Wenn es noch eines Beweises für die Bosheit des menschlichen Herzens bedarf, hier wird er geliefert. Wir hintergehen nicht nur andere, wir betrügen uns selbst und reden uns nur zu schnell ein, dass unsere Motive in Ordnung und die der anderen schlecht sind. Auf die Frage, ob seine Tochter stolz sein werde, wenn sie einst erfahren wird, wer ihr Vater gewesen sei, antwortete er: »Ich weiß nicht. - Es ist Sache der Geschichte zu urteilen.« Auch hier irrte Pol Pot. Denn in letzter Instanz »werden wir alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden« (Römer 14,10).

Albert Einstein sagte einmal: „Noch viel mehr als die Explosionskraft der Atombombe erschreckt mich die Bosheit des menschlichen Herzens, seine Explosionskraft für das Böse.“ Genau das ist die Botschaft der Bibel. Und Sie sagt, dass man diese »Explosionskraft für das Böse« nicht auf ein paar Menschen der Vergangenheit beschränken kann, sondern dass jeder Mensch dieser Erde davon betroffen ist.
Gott sei Dank, wenn wir bisher davor bewahrt geblieben sind, obwohl es bei uns so extrem deutlich wurde, im »Dritten Reich«. Aber auch heute ist Gottes Urteil klar: Das menschliche Herz ist verdorben vom Bösen, von der Sünde. Es muss von Gott erneuert werden, um gottgefällig leben zu können.

In den Herzen dieser erneuerten, dieser gläubigen Menschen wohnt dagegen der gute Heilige Geist und auch unser HERR Jesus. Hier die Beweise

1Kor 3,16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

Eph 3,17 dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid.

Gott sorgt dafür, dass das Herz im Glauben gestärkt und fest wird durch seine Gnade (1Thess 3,13; Hebr 13,9; Jak 5,8). So wird das Christus gehörende Herz zu einem Organ und zum Zentrum der Gottesfurcht, der Gottesverehrung und des Gotteslobes (Eph 5,19; Kol 3,16; 1Petr 3,15). Weil es um den ganzen Menschen geht, geht es vor Gott auch immer um das ganze Herz (5Mo 6,5; 30,10; Jer 29,13; Mt 22,37), um das ungeteilte, einfältige H. (Eph 6,5). Was das heißt, wird deutlich am Vergleich zwischen David und Salomo (1Kön 11,4. 9 ). Davids Herz ist trotz seiner Sünde (2Sam 11) im Grunde bei dem Herrn; Salomo aber hat sein ganzes Herz seinem Harem vermacht, all seinen Frauen, die fremde Götter anbeten.
Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

Drei Mal fragt unser HERR Seinen Jünger Petrus, ob er Ihn lieb habe. Nach Seiner dritten Frage reagiert Petrus schon fast ein wenig verunsichert und antwortet, siehe Joh 21,17: „Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Der HERR muss es ja wissen, weil Er ja alle Dinge weiß...

Petrus spricht dabei aus schmerzlicher Erfahrung, er hat erlebt, dass der HERR sein Herz kennt, dass der HERR alles über ihn weiß. Blättern wir einige Kapitel zurück, lesen wir eine Episode aus dem Leben von Petrus, siehe Joh 13,36-38: „Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehst du hin? Jesus antwortete ihm: Wo ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir später folgen. Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen. Jesus antwortete ihm: Du willst dein Leben für mich lassen? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast.“ Und nach der Gefangennahme unseres HERN passierte es dann. Aus einer tiefen Enttäuschung heraus verleugnet Petrus seinen HERRN und der Hahn kräht, siehe Lk 22,55-60: „Als sie aber mitten im Hof ein Feuer angezündet und sich zusammengesetzt hatten, setzte sich Petrus in ihre Mitte. Es sah ihn aber eine Magd bei dem Feuer sitzen und blickte ihn scharf an und sprach: Auch dieser war mit ihm. Er aber leugnete und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht. Und kurz danach sah ihn ein anderer und sprach: Auch du bist <einer> von ihnen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin's nicht. Und nach Verlauf von etwa einer Stunde behauptete ein anderer und sagte: In Wahrheit, auch dieser war mit ihm, denn er ist auch ein Galiläer. Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und sogleich, während er noch redete, krähte ein Hahn.“

Der HERR ist allwissend, er kennt auch alle Dinge über uns, vor Ihm können wir nichts verstecken, auch wenn es manchmal sehr peinlich für uns ist. Der HERR kennt uns, siehe auch Ps 44,22: „Er kennt ja unsres Herzens Grund.“ Und als unser Schöpfer kennt Er uns natürlich in und auswendig, siehe Psalm 139,1-6: „HERR, Du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt Du es; Du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist Du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.“

Singen wir nun aus Lied 293 die vierte Strophe:

„Der HERR ist gut und bleibt es bis zum Tod. Wir sollen Ihm, in seinem Frieden sterben; Er will uns führen aus der letzten Not und alles, was Er hat, uns lassen erben und Ruhe geben, wie Er selber ruht. Der HERR ist gut.“

Wo dein Schatz ist, da ist auch Dein Herz...

so heißt es in einem bekannten Bibel – Sprichwort aus Matthäus 6,21. Unserem Gott ist unser Herz wirklich nicht egal. Egal, was wir auch tun, Gott prüft unsere Herzen, siehe Spr 21,2: „Einen jeglichen dünkt sein Weg recht; aber der HERR prüft die Herzen.“

Gott, der unsere Herzen prüft, vertraut uns Sein Evangelium an. Weil für Jesus unser Herz so wertvoll ist, sollen wir in erster Linie Seinem Herzen gefallen und dann erst den Herzen unserer Mitmenschen, siehe 1Thes 2,4: „Gott hat uns für wert geachtet hat, uns das Evangelium anzuvertrauen, darum reden wir, nicht, als wollten wir den Menschen gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft.“ Wir sollen Gottes Verlangen zu unserem Anliegen machen. Der Apostel Petrus drückt es ganz einfach so aus, siehe Apg 5,29: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ Unser HERR Jesus hat schon so viel in uns hineininvestiert, und Er tut es auch heute noch in seiner Liebe, die uns zu Ihm zieht. Der Hebräerbrief ermahnt uns mit folgenden Worten, siehe Hebr 3,12: „Seht zu, liebe Brüder, dass keiner unter euch ein böses, ungläubiges Herz habe, das abfällt von dem lebendigen Gott.“

Gott kennt unsere Herzen, weil Er sie prüft. Wenn wir manchmal Irrwege gehen, dann fällt dieses Prüfungsergebnis bestimmt nicht so gut aus. Doch als Jünger Jesus haben wir die Heilsgewissheit, wir dürfen aus Seiner Vergebung heraus leben, auch wenn unsere Werke im Glauben und somit zugleich unsere Belohnungen schlimmstenfalls verbrennen werden (siehe 1. Kor. 3,14-15).

Deshalb empfiehlt uns der Hebräerbrief ganz dringend, siehe Hebr 13,9:

Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade...

Ein ungefestigtes Herz sieht vor allem, was vor Augen ist. Es schaut viel zu wenig auf unseren auferstandenen HERRN Jesus! Gott prüft unsere Herzen immer wieder, und dabei möchte Er in uns so gerne ein gefestigtes Herz sehen, welches voller Vertrauen auf Ihn schaut, mit leuchtenden Augen und brennenden Herzen! Paulus drückt diesen Gedanken, diesen Wunsch so aus, siehe Eph 1,18. Der HERR segne uns im neuen Jahr ganz reich durch diese Worte :

Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von Ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit Seines Erbes für die Heiligen ist.

Amen!

Singen wir nun aus Lied 361 die erste Strophe:
„Zünde an, Dein Feuer, HERR, im Herzen mir, hell mög es brennen, lieber Heiland, Dir! Was ich bin und habe, soll Dein eigen sein. In Deine Hände schließe fest mich ein. Quelle des Lebens und der Freude Quell, Du machst das Dunkel meiner Seele hell. Du hörst mein Beten, hilfst aus aller Not, Jesus, mein Heiland, mein HERR und Gott.“