Rückenwind trotz Gegenwind
Der Phlipperbrief
Predigt Jürgen 22. Mai 2005

(teilweise wörtlich zitiert nach einer Vorlage von Doyle Klassen, Bibelschule Brake)

Ward Ihr schon einmal an der Nordsee? Mit meinem Rad habe ich in Ostfriesland im letzten Jahrtausend einige Touren unternommen. Was mir dabei besonders aufgefallen ist: Egal, in welche Himmelrichtung man fährt, der Wind kommt immer von vorne… und wenn ich mich dann auf die Rückfahrt gefreut habe, um dann die Füße und die Seele baumeln zu lassen, schien sich der Wind gedreht zu haben, er kam wieder von vorne. Nur in der Nähe von den windabgewandten Seiten der Deichanlagen – da ist häufig Windstille.
Heute möchte ich uns den Philipperbrief etwas vorstellen. Der Verfasser Paulus erlebt hier auch sehr viel Gegenwind, in diesem Brief, den er aus einem Gefängnis schreibt. Eigentlich überrascht dieser Brief aus dem Gefängnis, denn Paulus hat sehr viele Gründe, entmutigt zu sein. Es läuft vieles nicht nach Paulus Vorstellungen. Doch stattdessen durchzieht eine tiefe Freude diesen ganzen Brief. Insgesamt redet Paulus in vielen Variationen sechzehn Mal in diesem Brief von einer Freude, die das griechische Wörtchen „chara“ mit seinem Wortstamm „cha…“ beschreibt. Paulus muss also trotz aller widriger Umstände sehr viel Grund zur Freude gehabt haben. Wie konnte Paulus nur trotz solch eines gewaltigen Gegenwindes so freudig am Glauben festhalten? Wie kommt es zu solch einem Rückenwind?

Nach diesen einleitenden Gedanken folgt jetzt eine Gliederung zu dieser Predigt

HauptteilEin starker Gegenwind bläst Paulus entgegenEin stärkerer Rückenwind motiviert ihn
Schlußgedanke: … die übernatürliche Freude!

Singen wir nun aus Lied 256 die erste Strophe
„In Dir ist Freude, in allem Leide, o Du treuer Jesus Christ. Durch Dich wir haben himmlische Gaben, Du der wahre Heiland bist; hilfest von Schanden, rettest von Banden. Wer Dir vertrauet hat wohl gebauet, wird ewig bleiben, Halleluja! Zu Deiner Güte steht das Gemüte, an Dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja!“

Fangen wir erst einmal mit dem Gegenwind an, der dem Paulus im Philipperbrief so sehr entgegenbläst. Schwierigkeiten hat er, Schwierigkeiten aller Art… Diese Schwierigkeiten finden wir auch in unserem Leben. Wir brauchen doch bloß einmal über die oft nicht ganz ernst gemeinte Frage „Wie geht es Dir“ nachdenken. Statt lapidar mit „Danke, gut“ zu antworten, tun sich da uns bei ehrlichem Nachdenken oft geahnte und ungeahnte Schwierigkeiten auf…, sei es im Beruf, oder in der Familie, seien es Krankheiten oder auch Beziehungsprobleme oder auch finanzielle Schwierigkeiten. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, morgens als erstes vor allem für all die Schwierigkeiten zu danken, die ich heute nicht habe. Da fallen mir vor allem meine Zähne ein, die mir Gott sei Dank noch keine Zahnschmerzen und darüber hinaus aufwendige Reparaturen verursachen… Dinge, die uns Schwierigkeiten machen, die sind einfach da, da brauchen wir gar nicht lange überlegen.

Doch mit welch großen Schwierigkeiten muss Paulus rechnen? Im Philipperbrief werden uns mindestens fünf dicke Hauptprobleme genannt.

1. Gegenwind bläst, wenn sich Christen in der Gemeinde streiten.

Phil 4,2 Evodia ermahne ich und Syntyche ermahne ich, daß sie eines Sinnes seien in dem Herrn.

In einer Gemeinde, die Paulus sehr nahe steht, gibt es augenscheinlich Streit. Es gibt kaum eine Gemeinde, die ihm so sehr an Herz gewachsen ist wie diese Philippergemeinde. Als Paulus einmal in Mazedonien in Schwierigkeiten steckt und sich kaum jemand um ihn kümmert, da hat sich diese Philippergemeinde für ihn eingesetzt, siehe Apostelgeschichte 16. Nun sitzt Paulus weit weg von den geliebten Philippern in einem Gefängnis und schreibt ihnen. Paulus ermahnt zwei Frauen in der Gemeinde in Philippi, die offensichtlich Schwierigkeiten machen. Nun stellt euch mal vor, der Walter Pfeiffer würde uns einen Brief schreiben, weil er sich uns seit Jahren bereits sehr verbunden fühlt… Und in diesem Brief, der in unserer Gemeinde vorgelesen wird, nennt uns Walter zwei Personen, es müssen ja nicht immer gleich Frauen sein, die in unserer Gemeinde Schwierigkeiten machen. Ich glaube, das würde in unserer Gemeinde wie mit einer kleinen Bombe einschlagen, das ist nicht nur eine Nebensache. Paulus denkt sich sicherlich etwas dabei, als er die Probleme mit Evodia und Syntyche hier wie beiläufig erwähnt… Paulus macht sich sicherlich größere Sorgen, als er merkt: Hier ist etwas nicht in Ordnung, hier müssen Geschwister zusammenfinden im HERRN. Nicht, das die eine die Meinung der anderen annimmt, sondern dass sie eines Sinnes seien im HERRN!

2. Aber es kommt noch viel schlimmer. Da gibt es Mitarbeiter, die nur auf ihr eigenes Auskommen bedacht sind

Phil 2,19 Ich hoffe aber in dem Herrn Jesus, daß ich Timotheus bald zu euch senden werde, damit ich auch erquickt werde, wenn ich erfahre, wie es um euch steht.
Phil 2,21 Denn a sie suchen alle das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist.

Da gibt es in Philippi eine große Not. Paulus bläst auch hier der Gegenwind ins Gesicht. Am liebsten würde er wohl jemanden nach Philippi hinschicken, um zu helfen. Doch keiner hat dazu die richtige Lust, niemand ist motiviert. Was ist mit meinen Leuten passiert, das da keiner für den anderen sorgen kann? Und so geht er die Reihe seiner Mitarbeiter durch und fragt sich: Wen schicke ich dahin? Doch wer bleibt übrig – wenn er den nicht schicken kann und den nicht und den auch nicht und auch Timotheus gerade unabkömmlich ist? Schließlich sagt er zusammenfassend:
Denn sie suchen alle das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist“.

Diese Personen sind nicht nur einfach Christen, sie sind Mitarbeiter, es können auch Vollzeitler sein, wir wissen es nicht. Es sind Leute, die zu seinem Team gehören, und Paulus muss ihnen bescheinigen, dass er sie nicht nach Philippi schicken kann, weil sie alle nur das Eigene suchen. Da hat sich Egoismus breitgemacht unter den Mitarbeitern. Sie sind sicherlich nicht unfromm gewesen oder ausgeflippt mit grünen Haaren herumgelaufen. Egoismus kann sich auch in den konservativsten Mitarbeiterkreisen breit machen. Paulus sieht seine eigenen Mitarbeiter also als disqualifiziert an, weil sie zu egoistisch sind. Was muss das für ihn entmutigend gewesen sein! Nun, findet Paulus jemand? Ja, er hofft, dass er den Timotheus schicken kann, und das ist ein ganz junger und dennoch bewährter Kerl und kein in Weisheit ergrauter Mitarbeiter.

3. Der Gegenwind bläst auch sehr stark, weil in Philippi teilweise nur zum Vorwand evangelisiert wird

Phil 1,15 Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht:
Phil 1,16 diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege;
Phil 1,17 jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft.
Phil 1,18 Was tut's aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen…

Also, Paulus ist ins Gefängnis gekommen. Paulus kann jetzt nicht predigen, Paulus sitzt. Sein Gefängnisaufenthalt hat aber eine Welle von Evangelisationen ausgelöst. Einige haben gesagt: Ey, wenn der nicht mehr kann, dann muss ein anderer einspringen. Wenn Paulus nicht kann, dann machen wir das. Wir ziehen doch am gleichen Strang! Doch andere predigen hier aus Eigennutz, auch, um den Paulus Trübsal zu bereiten, sie predigen aus Vorwand und nicht wahrhaftig… Das gibt es doch gar nicht! Wie können wir uns das vorstellen? Wahrscheinlich sind diese Personen grün vor Eifersucht und Neid geworden, als sie Paulus zugesehen haben in seiner erfolgreichen Gemeindeaufbauarbeit… Bei Paulus gelingt es, dort ist Segen Gottes, aber bei uns nicht… Sie können sich nicht über Paulus` Erfolg freuen in der Gnade Gottes, und jetzt, jetzt kann er nicht mehr… Und so müssen sie wohl gedacht haben, sonst bleiben mir diese Worte unverständlich, so, jetzt kommen wir, jetzt werden die Menschen durch uns zum Glauben kommen! Und dann werden wir Gemeinden gründen… Und das wird ihm ganz schön schmerzen! Evangelisation und Gemeindegründung verkommen hier zu einem sportlichen Großereignis, in dem die menschlichen Kräfte gemessen werden können. Geistliche Motive treten in den Hintergrund.
Bevor wir diese Christen nun ganz abstempeln… schön, dass es bei uns so gut geht im Gegensatz zu den anderen Gemeinden, die doch so viele Fehler und Macken haben… Schön, dass unsere Zahlen stimmen und wir besser dastehen können, weil andere offensichtlich nicht so gut haushalten können. Schön, dass unsere Lehre stimmt und die anderen sich irren… Wie schön, dass ich besser beten und predigen kann als die anderen…Auch wir bleiben vor solchen Gedanken und Konkurrenzdenken nicht verschont…, wenn wir uns selber stolz in der Gemeinde produzieren und uns in den Mittelpunkt stellen und Jesus nur zum Vorwand verkündigen. Dagegen müssen wir angehen. Es gibt dabei für uns nur einen einzigen Grund, weshalb wir froh und stolz sein dürfen, weshalb wir uns rühmen dürfen…, nämlich dass Jesus unserer HERR und Heiland ist! Siehe auch

Röm 15,17 Darum kann ich mich rühmen in Christus Jesus vor Gott.

Stell Dir mal vor. Da missbraucht jemand das Evangelium, das Kostbarste, was es gibt, um sich selber in den Mittelpunkt zu stellen. Muss das für Paulus nicht entmutigend sein? Doch Paulus bleibt bei alledem gnädig, wenn er solch ein Konkurrenzgehabe, auch bei uns, sieht

Phil 1,18 Was tut's aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen…

Singen wir nun aus Lied 256 die zweite Strophe

„Wenn wir Dich haben kann uns nichts schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod; Du hasts in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not. Drum wir Dich ehren, Dein Lob vermehren mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben Dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja.“
4. Es kommt aber noch schlimmer in Philippi. Es gibt nämlich auch Irrlehrer in dieser Gemeinde. Gerade hat sich Paulus noch als Vorbild dargestellt, siehe

Phil 3,17 Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.

Und dann stellt Paulus eine traurige Diagnose aus über diese Gemeinde in Philippi und ihre Irrlehrer, siehe

Phil 3,18 Denn viele leben so, dass ich euch oft von ihnen gesagt habe, nun aber sage ich's auch unter Tränen: sie sind die Feinde des Kreuzes Christi.
Phil 3,19 Ihr Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch, und ihre Ehre ist in ihrer Schande; sie sind irdisch gesinnt.

Diese Irrlehrer sind keine Evangeliumsverkündiger, sie sind Feinde des Kreuzes Christi. Es geht hier nicht mehr um Streitigkeiten unter evangelikalen Brüdern. Wenn man ein Feind des Kreuzes Christi ist, ist man ein Feind des Evangeliums. Diese Menschen mögen zwar noch in irgendeiner Weise fromm gewesen sein, doch ihr Lebensinhalt ist nicht mehr Jesus und Sein Evangelium. In Philippi machen sich jetzt diese Irrlehrer breit, die diese Gemeinde vom richtigen Weg abbringen wollen. Sie sind deshalb eine Gefahr für alle Gläubigen. Vielleicht möchte Paulus gerade wegen ihnen Timotheus in diese Gemeinde schicken. Diese Gemeinde hat Paulus selber gegründet, etwa zehn Jahre früher, am Fluss von Philippi, damals, als er Lydia, die Purpurhändlerin, kennen gelernt hat. Jetzt wird diese Gemeinde durch Irrlehrer bedroht. Was muss das doch für Paulus entmutigend gewesen sein, als er im Gefängnis darüber nachdenkt! Wir lesen es hier, Paulus schreibt unter Tränen…

Es gibt Christen, die können daneben stehen, wenn Gemeinden kaputtgehen, und das stört sie nicht – Hauptsache, es geht uns noch gut. Aber Paulus wird hier sehr in Mitleidenschaft gezogen…

5. Und dann bläst der Gegenwind sehr stark, weil Paulus auch im Gefängnis noch evangelisiert, siehe auch Phil. 1, 13

Phil 1,13 Denn dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen andern offenbar geworden…

Paulus ist gefesselt im Gefängnis, ein wenig später lesen wir, dass er in dieser Situation sogar mit seinem Tod rechnen muss.

Phil 1,20 wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod.
Phil 1,21 Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.

Paulus sitzt im Gefängnis. Nicht, weil er irgendeine krummes Ding gedreht hat, sondern weil er seinen Mitmenschen von Jesus weitererzählt hat. Das ist in seiner Zeit sehr gefährlich. Paulus hat es trotzdem gemacht, und deshalb sitzt er ein und muss sogar auch mit einem Martyrertod rechnen. Ja, Ihr Lieben, da können wir hier in Deutschland gar nicht mitreden. Unter Lebensgefahr zu evangelisieren, das kennen wir gar nicht (Rückblick Evangelisation vor einigen Tagen…). Es gibt genügend Brüder und Schwestern heute in der ganzen Welt, die auch unter lebensgefährlichen Umständen evangelisieren… in Teilen von Afrika, in Teilen von Asien. Vor etwa sechzig Jahren wurden in der ehemaligen Sowjetunion noch Menschen zu jahrzehntelangen Straflagern verurteilt, nur weil sie Christen waren…

Wir haben es hier aber gut… Vielleicht wird es nicht immer so bleiben. Vielleicht vergessen wir immer wieder, dass der Glaube in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt oft nur unter Lebensgefahr weitergegeben werden konnte… Das geistliche Klima im guten alten Europa wird jedoch auch heutzutage immer kälter. Es gibt Länder in Europa, in denen Prediger für biblische Wahrheiten hinter Gittern kommen können, zum Beispiel dann, wenn sie aktive Homosexualität als Sünde bezeichnen. Das reicht in Skandinavien bereits für eine Verurteilung aus.

Was wird bloß passieren, wenn die Religionen ökumenisch immer mehr zusammenrücken und wir dann immer noch felsenfest behaupten, Jesus sei der einzige Weg? Bisher hat mir noch niemand etwas getan, wenn ich mal gepredigt habe… Doch wie wird das vielleicht in zwanzig Jahren einmal sein?

Wenn wir nun den armen Paulus fragen würden: Ey, Du wie geht es Dir? Und Paulus, gar nicht gut gelaunt, würde vielleicht antworten: Nicht gut… In der einzigen Gemeinde, die jetzt noch zu mir steht, gibt es Knatsch… Ich musste heute morgen einen Brief schreiben und zwei Frauen ermahnen, und dann gibt es Mitarbeiter, die viel zu egoistisch sind, und dann gibt es dort Mitarbeiter, die das Evangelium missbrauchen, um sich selber zu produzieren, und dann dringen Irrlehrer in diese Gemeinde ein… und ich selber sitze heulend im Gefängnis und weiß nicht, wie das alles weitergeht…

Doch Paulus schreibt hier keine Klagelieder…, im Gegenteil, Paulus erfährt auch jede Menge Rückenwind. Sein Brief quillt über vor lauter Freude. Wir haben es bereits erwähnt: Sechzehn Mal kommt das Wort Freude hier in allen möglichen Varianten vor! Freude, die Paulus selber hat, Freude, die er gerne weitergeben möchte. Seine Umstände, so widrig sie auch sein mögen, reichen nicht aus, um ihn hinunterzuziehen. Paulus ist ein gewaltiges Vorbild für uns. Er lässt sich nicht prägen durch solch schlechte Umstände, sondern…. ? Ja, was lässt ihn eigentlich vor Freude regelrecht erstrahlen?

Singen wir nun Lied 582 und 583 hintereinander:

„Wie groß ist mein Gott, kein andrer wie Er. Sein Name so hoch, nur Er ist der HERR. Er teilte die Fluten am roten Meer und hat heute noch dieselbe Kraft, nichts ist Ihm zu schwer.“

„Es gibt jemand, der Deine Lasten kennt, jemand, der dich Sein Kind nennt, ja, jemand der nie dich lässt allein, denn Er trug am Kreuze Deine Last, die du selbst verschuldet hast, und Er wird immer bei dir sein.“

„Es ist Jesus, der Deine Lasten kennt, Jesus, der dich Sein Kind nennt, ja, Jesus, der nie dich lässt allein, denn Er trug am Kreuze Deine Last, die Du selbst verschuldet hast, und Er wird immer bei Dir sein.“

1. Rückenwind schenkt ihm vor allem die Gemeinde in Philippi, siehe Phil 1

Phil 1,18 Aber ich werde mich auch weiterhin freuen;
Phil 1,19 denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi.

Paulus weiß nicht, wie es weitergehen wird, doch er rechnet fest mit der Fürbitte dieser Gemeinde. Wohl dem, der Beter hinter sich hat! Was ist das doch für eine Ermutigung, was für ein Rückenwind, wenn wir wissen, dass auch für mich gebetet wird ?!!

2. Paulus geht vorwärts ganz mit realistischen Erwartungen, siehe

Phil 1,29 Denn euch ist es gegeben um Christi willen, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden,
Phil 1,30 habt ihr doch denselben Kampf, den ihr an mir gesehen habt und nun von mir hört.

Wie selbstverständlich verbindet hier Paulus doch zwei Dinge: An Christus glauben und für Ihn leiden. Das ist Alltag in den damaligen Gemeinden… Glauben und Leiden sind uns von Christus geschenkt worden, wir lesen es hier, das gehört zusammen! Die allermeisten von uns brauchen Gott sei Dank heute nicht leiden, das ist auch eine besondere Gnade! Doch fallen wir dabei nicht von der anderen Seite vom Pferd und glauben den Wohlstandspredigern, die uns erzählen möchten, dass es uns nur dann gut geht, wenn wir glauben! Und wenn es uns dann einmal nicht gut geht? Dann wird es schwierig. Ist dann unser Glaube zu schwach?

Paulus hingegen rechnet mit Schwierigkeiten, er rechnet damit, dass Christen leiden müssen. Seine realistischen Erwartungen sind wie ein Rückenwind für ihn, sie lassen ihn nicht aufgeben.

3. Schauen wir weiter, in Kapitel 3, Vers 10. Der alte Theologe und Missionar Paulus ist hier noch immer dabei, Christus kennen zu lernen…

Phil 3,10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden,
Phil 3,11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.
Phil 3,12 Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.

Paulus hat das Ziel vor Augen und dabei bleibt Paulus, er hält daran fest und jagt ihm nach. Wenn wir Jesus aus dem Blickfeld verlieren, wenn Er nicht mehr vor uns steht, dann geraten wir in Schwierigkeiten. Wollen wir es doch so machen wie der alte Apostel Paulus. Auch wenn Widerwärtigkeiten da sind: Hauptsache, Jesus steht uns dabei vor Augen. Petrus ist dafür ein schönes Beispiel im neuen Testament. Ihr kennt ja die Situation, in der die Jünger nachts in einem Schiff sind… und es kommt ein Sturm auf. Ein jeder von ihnen bekommt es mit einer riesigen Angst zu tun. Plötzlich sehen sie Jesus auf den Wellen auf sie zukommen. Wie ist das möglich? Wie kann Jesus über das Wasser gehen? Es besteht doch nicht aus festen Steinplatten! Ich bin auch schon einmal über den Starnberger See gewandelt, mitten im tiefsten Winter vor etwa zehn Jahren, aber damals war der See immerhin zugefroren.

Jesus ruft Petrus zu sich. Petrus steigt aus dem Boot und geht über das Wasser auf Jesus zu. Auch der Petrus kann über das Wasser gehen! Doch als Petrus zu sehr auf den Wind achtet und auf die Wellen sieht, beginnt er zu sinken! Solange Petrus die Augen auf Jesus richtet, geht es, im wahrsten Sinne des Wortes. Als Petrus Jesus aus dem Blickfeld verliert, fängt er an zu sinken.

Es ist so wichtig, dass wir unser Ziel vor Augen halten und Jesus dabei erkennen, gerade dann erleben wir Rückenwind!

4. Paulus lebt mit der lebendigen Hoffnung, dass Jesus bald wiederkommt. In Phil 3, ab Vers 20 lesen wir

Phil 3,20 Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus,
Phil 3,21 der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.


Paulus rechnet mit dem Wiederkommen unseres Herrn Jesus! Hier ist unser Glaube oft nicht besonders stark, gerade hier können wir von Paulus lernen. Wir sind doch so in der Gegenwart verhaftet, mit all den Dingen und Sorgen, die uns heutzutage plagen, sodass wir uns viel zuwenig auf Seine Wiederkunft freuen können. Ich kann mich auf viele Dinge freuen. Auf meinen neuen Motorroller zum Beispiel. Auf einen schönen Urlaubstag in den Bergen, auf einen Biergartenbesuch nach einer schönen Radtour… Dann kann ich das Leben so richtig genießen! Darauf kann ich mich beispielsweise freuen! Doch auf die Wiederkunft von Jesus, kann ich mich da heute genauso freuen?

Während Paulus die Widerwärtigkeiten seiner Leidenszeit durchmacht und akzeptiert, denkt er jedoch bereits an den Himmel! Jesus kommt wieder! Mein Bürgerrecht ist im Himmel! So wie es im Moment für mich aussieht, so bleibt es nicht für immer! Diese Vorfreude auf die Ewigkeit ist bei Paulus so real, dass er sich mächtig darauf freuen kann. Und auch das gibt ihm jede Menge Rückenwind. Ich denke da an unsere Omi, die größtenteils an ihr Bett gefesselt bleibt. Bestimmt hat auch sie voller Sehnsucht den Gedanken: So schnell wie möglich weg von hier, nach oben, in den Himmel! Dort gibt es keine Leiden und Versuchungen mehr, dort ist die ewige Freude, bei Jesus zu sein, im Himmel. Könnt ihr Euch das schon vorstellen?

5. Und noch einmal erfährt Paulus gewaltigen Rückenwind durch unseren HERRN Jesus, siehe Phil 1, 21

Phil 1,21 Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.

Wenn ich Euch jetzt bitten würde, den Satz zu vollenden: Leben ist für mich… Was bedeutet Dir das Leben?

Paulus kann es mit einem Wort zusammenfassen. Für ihn ist das Leben Christus. Und weil Christus so zentral und lebendig in seinem Denken ist und weil Jesus unveränderlich ist, gestern, heute, und in alle Ewigkeit, hat Paulus eine gleich bleibende Freude, eben weil Paulus auf Jesus fixiert lebt. Wenn Paulus gesagt hätte, für ihn sei das Leben Dienst für Jesus, dann wäre er jetzt stark begrenzt gewesen im Gefängnis. Nicht der Dienst für Jesus ist sein Lebensinhalt, es ist Jesus selber! Christus ist sein Leben… Wir sehen es hier auch in diesem Brief. Etwa 38 Mal, je nach Übersetzung, erwähnt Paulus in diesem kurzen Brief Jesus oder Christus! Da kommt Freude auf! Immerhin 16 Mal kommt in diesem Brief, wir haben es bereits erwähnt, das Wörtchen Freude in all seinen Variationen vor. Diese tiefe Gottesbeziehung, die Paulus hat, ist sicherlich der Grund dafür, dass Paulus in all seinen gerade auch leidvollen Lebenslagen so froh sein kann!

Singen wir nun Lied 584 und 585, 1+ 2 hintereinander:

„Ja, das ist Freude, unaussprechliche Freude, in Jesus Christus geborgen zu sein. Ja, das ist Freude, unaussprechliche Freude, in Jesus Christus geborgen zu sein.“

„Wir singen von Jesus. Sein ist Gewalt und Macht. Er hat auf Golgatha das Heil der Welt vollbracht. Der große Gott ist Er und aller Herren HERR. Wir singen von Jesus mehr und mehr.“

„Wir singen von Jesus. Er ist das Lebensbrot, stillt Hunger in der Welt, tröstet Dich in der Not. Er trägt die Herrschaftskron, regiert vom Himmelsthron, reicht Lebenswasser Dir zum Lohn.“

Ein Brief, den Paulus nie geschrieben hat, könnte so lauten: »Liebe Gemeinde in Philippi! Jetzt hat es mich wohl endgültig erwischt. Ich sitze hier schon seit Monaten im Gefängnis. Ich warte auf meinen Prozess, und die Chancen sind groß, dass ich zum Tode verurteilt werde. Da sitze ich und warte - und könnte doch so viel für Gott tun. Ich kann Gott einfach nicht verstehen! Erst gibt er mir die Aufgabe zu predigen - und dann lässt er mich in diesem Loch verrecken. Ich fühle mich von Gott kaltgestellt, abgeschoben. Ich mag nicht mehr. Ich würde am liebsten aufgeben. Manchmal denke ich: Vielleicht wäre mein Tod das Beste für mich, dann hätte endlich alles ein Ende. Nun macht es gut. Herzliche Grüße, Euer Apostel Paulus.«

Paulus hätte allen Grund gehabt, solch einen Brief zu schreiben. Jedoch, der Brief, den Paulus wirklich schreibt, lautet völlig anders. Es ist ein unglaublich fröhlicher Brief. Statt über sein eigenes Schicksal zu klagen, macht Paulus der Gemeinde in Philippi Mut. Wirklich, der Glaube des Paulus ist nicht nur oberflächlich, er sitzt ganz tief in ihm.

Jesus möchte unserem Leben so viel Freude schenken. Diese Freude kommt nicht aus uns selbst heraus. Nein! Sie ist übernatürlich, sie ist ein Geschenk Gottes! In Joh 15,11 spricht Jesus zu Seinen Jüngern:

„Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde...“

Seine Freude in uns ist nicht abhängig von unseren derzeitigen Lebensumständen. Es ist egal, ob wir dabei gesund oder krank sind, wenn ich auch zugeben muss, dass ich mich in der Regel viel mehr freue, wenn ich gesund und munter bin. Diese übernatürliche Freude macht sich auch nicht abhängig von unseren vielen Sorgen und Nöten. Diese Freude kommt in der Regel dann, wenn wir unserem HERRN Jesus unser Herz öffnen und dabei Sein Wort aus der Bibel zu uns reden lassen. Diese Freude schenkt uns unser HERR, wenn wir Ihm im Gebet all unsere Sorgen und Nöte, aber auch all unseren Dank und unsere Fürbitten anvertrauen. Dafür beschenkt uns unser HERR mit so viel Freude, Kraft und Zuversicht. Diese übernatürliche Freude ist ein himmlisches Lebenselixier, Paulus schreibt dazu in Römer 14,17:

„Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem heiligen Geist..“

Siehe auch Römer 15,13:

„Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des heiligen Geistes.“

Paulus weiß, wovon er redet. Er sitzt im Gefängnis, als er seinen Brief an die Philipper schreibt. Äußerlich geht es ihm wirklich nicht gut. Und dennoch kann er voller Begeisterung schreiben, jetzt folgen zum Schluss die vielleicht bekanntesten Verse des Philipperbriefes, siehe Phil 4,4-7:

„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“

Amen!

Singen wir zum Schluss das Lied 585, 3-5

„Wir singen von Jesus. Er ist der Friedensfürst, heilt Dich von Sorgenlast, wenn Du im Glauben bist. Weiß ist Sein Festgewand, durchgraben Seine Hand; sie führt dich heim ins Vaterland.“

„Wir singen von Jesus. Er ist der starke Fels. Er ist das Sündenlamm, geschlachtet für die Welt; Er ist der Bräutigam; zünd`t Ihm die Lichter an, damit die Welt Ihn sehen kann!“

„Wir wandeln mit Jesus, ja das ist herrlich schön, bald werden wir verklärt Sein strahlend Antlitz sehn. Wir werden sein wie Er, so sagt Sein heilig Wort. Wir wandeln mit Jesus fort und fort.“