Predigt Jürgen 6. März 2005
König Hiskia
2. Könige 18 - 20

Singen wir aus Lied 567 die erste Strophe
„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr. Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am
Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Wie ihr am Eingangslied vielleicht schon gemerkt habt, geht es mir heute vor allem um ein festes Gottvertrauen und um die Geborgenheit, die wir darin erfahren. Die Bibel berichtet uns über viele Glaubenshelden, die geradezu vorbildlich Vertrauen ausgelebt haben. Über einen von ihnen möchte ich uns heute mehr berichten. Es ist der König Hiskia aus dem alten Testament.

Hiskia ist ein Mann, von dem wir Vertrauen lernen können. In der Bibel können wir sehr viel über diesen König lesen, im Buch der Könige, der Chroniken und im Buch Jesaja. Es reicht für uns heute Morgen, wenn wir 2. Könige 18 aufschlagen

2Kö 18,5 Er vertraute dem HERRN, dem Gott Israels, so dass unter allen Königen von Juda seinesgleichen nach ihm nicht war noch vor ihm gewesen ist.

Einsame Spitze ist dieser König Hiskia, seine letzten fünfzehn Lebensjahre nicht unbedingt mitgerechnet…, doch davon später…. Er vertraut Gott mehr als irgendein anderer König von Juda. Kurz nach ihm ist die Rede vom König Josia, und dann heißt es in 2. Kö 23

2Kö 23,24 Auch rottete Josia aus alle Geisterbeschwörer, Zeichendeuter, Abgötter und Götzen und alle Gräuel, die im Lande Juda und in Jerusalem zu sehen waren, damit er erfüllte die Worte des Gesetzes, die geschrieben standen in dem Buch, das der Priester Hilkija im Hause des HERRN gefunden hatte.
2Kö 23,25 Seinesgleichen war vor ihm kein König gewesen, der so von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften sich zum HERRN bekehrte, ganz nach dem Gesetz des Mose, und nach ihm kam seinesgleichen nicht auf.

Da fragen wir uns: Wie kann das sein? Eine zweimalige Einmaligkeit? Das ist ja eigentlich nicht möglich! Aber die Einmaligkeit von Josia ist ein bisschen anders als die von Hiskia. Josia ist ein Mann, der möglichst genau Gottes Wort einhält. Wenn Josia in der Bibel liest, dann tut er auch, was darin steht Als seinerzeit in Gottes Tempel diese alttestamentlichen Schriftrollen gefunden werden, die Bücher Moses… und nachdem Josia sie vorgelesen hat, merkt Josia, was Gott zu sagen hat und er hält sich auch ganz genau daran. Vierhundert Jahre nach Salomon ist Josia der erste, der es wagt, in Salomos Tempel, in dem mittlerweile der reinste Götzendienst ausgebrochen ist, eine umfassende Tempelreinigung durchzuführen. Kein anderer König vor ihm hat sich bisher daran gewagt. Aber als Josia diese Zustände sieht, hat er es getan. Sein Gehorsam ist einmalig.

Aber im Glauben ist Hiskia einmalig, einmalig unter den Königen Judas. Einige von uns werden jetzt vielleicht auf den König David verweisen, im Vergleich zu Hiskia steht er immerhin auch unter den Glaubenshelden in Hebräer 11… Da habe ich auch lange gegrübelt, bis mir dann endlich aufgegangen ist, dass Hiskia unter all den Königen von Juda einmalig gewesen ist… Damit sind Saul, David und auch Salomon ausgeschlossen, die ja noch Könige des vereintes Volkes Israel gewesen sind…

2Kö 18,5 Er vertraute dem HERRN, dem Gott Israels, so dass unter allen Königen von Juda seinesgleichen nach ihm nicht war noch vor ihm gewesen ist.

Hiskia ist hier wirklich einmalig, wie er von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allen Kräften dem HERRN vertraut.

Nach diesen einleitenden Gedanken folgt jetzt wieder eine Gliederung zu unserer Predigt

Hauptteil

1. Was ist einfacher: Gehorchen oder vertrauen?
2. Das Katz und Maus Spielchen beginnt…
3. Hiskias Gottvertrauen wird belohnt
4. Hochmut kommt vor dem Fall

Schlussgedanke: Vertrauen heißt… mit Seiner Gegenwart rechnen!

Singen wir aus Lied 567 die zweite Strophe
„Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böse Tage schwere Last; ach Herr, gib unseren aufgescheuchten Seelen das Heil, für das Du uns bereitet hast. Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Es ist für viele von uns bestimmt einfacher, den biblischen Lehren zu glauben und zu gehorchen als den vielen göttlichen Verheißungen auch noch zu vertrauen. Es ist einfacher, an biblische Berichte, wie zum Beispiel von der Schöpfung, von der Jungfrauengeburt oder den Wundern Jesus zu glauben. Es ist bestimmt einfacher, die Bibel nur zu akzeptieren und uns daran zu freuen, dass wir erlöst und errettet sind. Damit haben wir keine Probleme. Im Vergleich dazu fällt es mir viel schwerer, Seine Verheißungen für mich ganz persönlich in Anspruch zu nehmen und danach zu leben… Ein aktuelles Beispiel: Vertrauen wir darauf, dass unsere bevorstehende Evangelisation zu Pfingsten im Sinne unseres HERRN erfolgreich sein wird – oder sind wir schon jetzt entmutigt und verzagt? Glaube, der in die Praxis umgesetzt wird, erfordert viel mehr Engagement als ein Glaube, der oft nur in der Theorie hängen bleibt. Vorangehen im Glauben, das ist nicht ganz so einfach.

Hiskia ist ein Mann, der seinen Glauben ganz praktisch auslebt.

2Kö 18,5 Er vertraute dem HERRN, dem Gott Israels, so dass unter allen Königen von Juda seinesgleichen nach ihm nicht war noch vor ihm gewesen ist.

Hiskia vertraut Gott, obwohl sein Vater Ahas einer der beiden schlimmsten Könige von Juda war. Was Ahas alles an schlimmen Dingen tut, das möchte ich hier gar nicht aufzählen. Hiskia muss darüber hinaus in seinen ersten öffentlichen Jahren als Königsohn sogar noch mit Ahas zusammenarbeiten. Das ist wie Wasser und Öl, das ist wie Licht und Finsternis, wenn sie aufeinander treffen. In den ersten Jahren seiner Königszeit steht Hiskia unter dem Einfluss einer der gottlosesten Menschen. Einige von uns haben bestimmt das Vorrecht gehabt, in einem gläubigen Elternhaus groß zu werden. Hiskia dagegen wächst unter den widrigsten Umständen auf. Mit seinem Vater Ahas fertig zu werden, das ist bestimmt nicht einfach gewesen. Hiskia vertraut Gott außerdem in einer der schwersten Zeiten Israels, als Juda das militärische assyrische Wasser bis zum Halse steht.

Assyrien ist die Großmacht in dieser Zeit, und diese Nation hat sich vorgenommen, ausgehend von Ninive, alles sich einzuverleiben und zu übernehmen. Der Assyrer hat bereits schon viel angerichtet… Hier steht jetzt Hiskia als Leiter einer kleinen Nation, die in der Gefahr schwebt, eingegliedert zu werden. Seine Situation ist bestimmt schwieriger als all unsere schwierigen Situationen zusammen… Sanherib, der assyrische König, ist sein siegesbewusster Feind. Heute Morgen wollen wir uns besonders Hiskias Gottvertrauen anschauen. Also, man muss sich eine Dampfwalze vorstellen, die sich jetzt nordöstlich von Israel nach Südwesten bewegt und sich all die kleinen Nationen auf dem Weg dorthin ganz einfach einverleibt. Da kann keiner mehr standhalten… Sanheribs Vorgänger haben bereits zwanzig Jahre zuvor das israelische Nordreich überrannt und alle Juden in die Gefangenschaft weggeführt. Die Assyrer sind also bereits sehr dicht an Jerusalem herangekommen. Wenn wir uns jetzt die Zeit dazu nehmen würden, alle betreffenden biblischen und assyrischen Berichte und Dokumente auszuwerten, dann würde sich uns als Ergebnis etwa folgendes Bild darstellen.

Der König von Assyrien, Sanherib, befindet sich in Lakisch, etwa zwanzig Kilometer von Jerusalem entfernt. Von Lakisch aus sendet Sanherib nun seine Hauptleute in Richtung Jerusalem, um mit einer Delegation des Königs Hiskia zu reden und handelseinig zu werden. Zu diesem Zeitpunkt hat er in Juda bereits 46 Städte eingenommen, sein Hauptquartier in Lakisch aufgeschlagen und nun umzingelt Sanherib Jerusalem. Für Jerusalem gibt es nach menschlichem Ermessen überhaupt keine Chance zu widerstehen. Es ist nur eine Frage der Zeit und dann wird auch diese Stadt dem Erdboden gleichgemacht und seine Bewohner gefangen genommen werden…. So wird sich das Sanherib gedacht haben, angesichts seiner vielleicht 200.000 Mann starken Armee. Und Hiskia sitzt eingekreist in dieser scheinbar verlorenen Stadt…

Singen wir aus Lied 567 die dritte Strophe
„Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus Deiner guten und geliebten Hand. Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“
Das Bild, das sich mir dabei aufdrängt, ist das von einer Katze und einer Maus, und hier hat die Katze, reden wir lieber von einem großen Kater, die Maus gefangen. Sie hält sie zwischen den Pfoten, die Maus piepst dabei total verängstigt … Die Katze lässt sie immer mal wieder für einige Zentimeter entkommen und herumspringen. Sie spielt mit ihr und packt sie dann wieder… Für die Katze mag das ja äußerst appetitanregend sein, solch ein Katz und Maus Spielchen…, bevor die Maus dann endgültig ergriffen und verzehrt wird… So in etwa stellt sich uns hier die Situation zwischen dem Kater Assyrien und der Maus Juda dar. Alle anderen bekannten Nationen sind bisher vom gefräßigen Kater Assyrien erobert worden, auch bereits schon das Nordreich Juda, auch bereits die 46 Städte um Jerusalem herum…

Jetzt kommen Sanheribs Verhandlungsführer schnaubend und drohend nach Jerusalem, um mit Hiskias Delegation zu reden.

2Kö 18,18 Und sie riefen nach dem Könige. Da kamen zu ihnen heraus der Hofmeister Eljakim, der Sohn Hilkijas, und der Schreiber Schebna und der Kanzler Joach, der Sohn Asafs.
2Kö 18,19 Und der Rabschake (ein Anführer) sprach zu ihnen: Sagt doch dem König Hiskia: So spricht der große König, der König von Assyrien: Was ist das für ein Vertrauen, das du da hast?
2Kö 18,20 Meinst du, bloße Worte seien schon Rat und Macht zum Kämpfen? Auf wen verlässt du dich denn, dass du von mir abtrünnig geworden bist?

Jetzt will dieser Verhandlungsführer klar stellen, das Jerusalem keine Chance mehr hat…

2Kö 18,21 Siehe, verlässt du dich auf diesen zerbrochenen Rohrstab, auf Ägypten, der jedem, der sich darauf stützt, in die Hand dringen und sie durchbohren wird? So ist der Pharao, der König von Ägypten, für alle, die sich auf ihn verlassen.

Also, Hiskia, wenn Du daran denkst, von Süden, aus Ägypten, Hilfe zu holen, das ist genauso als wenn Du Dich auf einen Stock stützt, dessen Spitze nicht in den Boden fährt sondern in Deine Hand dringt und Dich weiter verletzt… Ägypten verletzt Dich anstatt Dir weiter zu helfen. Mehr kann Dir Ägypten nicht bieten…. Der Assyrer fährt fort…

2Kö 18,22 Oder wollt ihr zu mir sagen: Wir verlassen uns auf den HERRN, unsern Gott! Ist er es denn nicht, dessen Höhen und Altäre Hiskia entfernt und zu Juda und zu Jerusalem gesagt hat: Nur vor diesem Altar, der in Jerusalem ist, sollt ihr anbeten?

Das ist ein wenig kompliziert.. Anscheinend haben Sanheribs Spione beobachtet, wie Hiskia bei seinen Reformen im ganzen Land Altäre zerstört, auf denen vorher Jahwe, der wahre Gott Israels, angebetet worden ist. Sanherib, der sich in der jüdischen Theologie natürlich nicht auskennt, wird sich gedacht haben: Kuck mal, Hiskia arbeitet gegen sich selbst und bekämpft seinen eigenen Gott. Dabei übersieht Sanherib ein Gebot Gottes aus 5. Mose 12

5Mo 12,13 Hüte dich, dass du deine Brandopfer nicht an jeder Stätte opferst, die du siehst;
5Mo 12,14 sondern an der Stätte, die der HERR erwählt in einem deiner Stämme, da sollst du dein Brandopfer opfern und alles tun, was ich dir gebiete.

Hier irren also Sanheribs Verhandlungsführer. Doch bereits im nächsten Vers nehmen ihre „Katz und Maus Drohgebärden“ wieder zu
2Kö 18,23 Wohlan, nimm eine Wette an mit meinem Herrn, dem König von Assyrien: Ich will dir zweitausend Rosse geben, ob du Reiter dazu stellen kannst?

Jetzt geht es also um den Kampf, der ins lächerliche gezogen wird… Hiskia habe ja noch nicht mal genügend Reiter für auch nur zweitausend Pferde… Wenn ich Dir also die Panzer liefere, hast Du noch nicht einmal die Fahrer dazu…, könnten wir auf heute übertragen. Du hast niemand, auf den Du Dich verlassen kannst!
Jetzt folgt noch ein scheinbar schwerwiegendes Argument, siehe

2Kö 18,25 Meinst du aber, ich sei ohne den HERRN heraufgezogen, dass ich diese Stätte verderbe? Der HERR hat mir's geboten: Zieh hinauf in dies Land und verdirb es!

Ätsch! Dein Gott, den Du offensichtlich bekämpfst, ist auf meiner Seite – und nicht auf Deiner Seite! Dieses Argument wird ausgebaut…

2Kö 18,33 Haben etwa die Götter der andern Völker ihr Land errettet aus der Hand des Königs von Assyrien?
2Kö 18,34 Wo sind die Götter von Hamat und Arpad? Wo sind die Götter von Sefarwajim, Hena und Awa? Wo sind die Götter des Landes Samarien? Haben sie Samaria errettet aus meiner Hand?
2Kö 18,35 Wo ist ein Gott unter den Göttern aller Länder, der sein Land aus meiner Hand errettet hätte, dass allein der HERR Jerusalem aus meiner Hand erretten sollte?

Kein Gott irgendeiner Nation habe bisher Sanherib stoppen können… Und ausgerechnet Du, Juda, willst mir widerstehen? Ihr habt nicht die geringste Chance, merkt Euch das! - Da schweigt die belagerte Maus Juda ganz desillusioniert, während die Katze Assyrien schnaubt und droht….

Jetzt gilt es, Gott zu vertrauen. Und das tut hier Hiskia. Er bereut seine anfänglichen Fehler und Kompromisse und tut Buße und ruft Jesaja zu Hilfe, siehe

2Kö 19,1 Als der König Hiskia das hörte, zerriss er seine Kleider und legte einen Sack an und ging in das Haus des HERRN.
2Kö 19,2 Und er sandte den Hofmeister Eljakim und den Schreiber Schebna samt den Ältesten der Priester, mit Säcken angetan, zu dem Propheten Jesaja, dem Sohn des Amoz.

Jesaja kann Hiskia Mut zusprechen und spricht über die mögliche Rettung. Wie gut, dass es den Jesaja gibt, hier ist Teamwork angesagt! Der König und sein Prophet arbeiten jetzt zusammen. Der König schickt zum Prophet, der Prophet schickt zum König, siehe

2Kö 19,5 Und als die Großen des Königs Hiskia zu Jesaja kamen,
2Kö 19,6 sprach Jesaja zu ihnen: So sagt eurem Herrn: So spricht der HERR: Fürchte dich nicht vor den Worten, die du gehört hast, mit denen mich die Knechte des Königs von Assyrien gelästert haben.
2Kö 19,7 Siehe, ich will einen Geist über ihn bringen, dass er ein Gerücht hören und in sein Land zurückziehen wird, und will ihn durchs Schwert fällen in seinem Lande.

Nachdem Sanherib auf dieses Gerücht hereingefallen ist und von Jerusalem abziehen will, schicken seine Boten einen Drohbrief zu Hiskia. Sie werden abziehen, doch sie kommen wieder. Mit diesem Brief geht Hiskia vor dem HERRN und betet erst einmal an, siehe

2Kö 19,15 … HERR, Gott Israels, der du über den Cherubim thronst, du bist allein Gott über alle Königreiche auf Erden, du hast Himmel und Erde gemacht.

Jetzt bittet Hiskia den HERRN um Hilfe, siehe

2Kö 19,16 HERR, neige deine Ohren und höre, tu deine Augen auf und sieh und höre die Worte Sanheribs, der hergesandt hat, um dem lebendigen Gott hohnzusprechen.
2Kö 19,17 Es ist wahr, HERR, die Könige von Assyrien haben die Völker mit dem Schwert umgebracht und ihre Länder verwüstet
2Kö 19,18 und haben ihre Götter ins Feuer geworfen, denn es waren nicht Götter, sondern Werk von Menschenhänden, Holz und Stein; darum haben sie sie vertilgt.
Hiskia behält dabei den Durchblick und sagt im Gebet, dass es wahr ist, dass die anderen Nationen keine Götter haben, die sie vor Sanherib bewahren können. Denn es sind ja auch keine Götter, sondern nur Werke vor Menschenhänden, die nicht beschützen können, aus Holz und Stein, mehr nicht… Hiskia betet weiter, siehe

2Kö 19,19 Nun aber, HERR, unser Gott, errette uns aus seiner Hand, damit alle Königreiche auf Erden erkennen, dass du, HERR, allein Gott bist.

Hiskia ist auch ein Mann des Gebetes. Nun handelt Gott. Zunächst lässt Gott durch Jesaja Assyriens Niederlage ankündigen.

2Kö 19,21 … Die Jungfrau, die Tochter Zion, verachtet dich und spottet deiner. Die Tochter Jerusalem schüttelt ihr Haupt hinter dir her.

Das muss man sich einmal vorstellen, wenn wir wieder unser Bild von der Katze und der Maus nehmen. Die piepsende Feldmaus in den Pfoten des großen Katers kuckt nach oben und sagt: Ich verspotte Dich!

Jesaja fährt fort…

2Kö 19,22 Wen hast du gehöhnt und gelästert? Über wen hast du deine Stimme erhoben? Du hast deine Augen erhoben wider den Heiligen Israels!
2Kö 19,28 Weil du denn gegen mich tobst und dein Übermut vor meine Ohren gekommen ist, so will ich dir meinen Ring in deine Nase legen und meinen Zaum in dein Maul und will dich den Weg wieder zurückführen, den du hergekommen bist.

Und in der Tat kommt es genau so. Gott rettet Jerusalem, siehe

2Kö 19,35 Und in dieser Nacht fuhr aus der Engel des HERRN und schlug im Lager von Assyrien hundertfünfundachtzigtausend Mann. Und als man sich früh am Morgen aufmachte, siehe, da lag alles voller Leichen.
2Kö 19,36 So brach Sanherib, der König von Assyrien, auf und zog ab, kehrte um und blieb zu Ninive.
2Kö 19,37 Und als er anbetete im Haus seines Gottes Nisroch, erschlugen ihn mit dem Schwert seine Söhne Adrammelech und Sarezer, und sie entkamen ins Land Ararat. Und sein Sohn Asarhaddon wurde König an seiner Statt.

Gott greift ein und rettet Hiskia mit seinen wenigen Getreuen, die in Jerusalem übrig geblieben sind. Dies ist die Kurzfassung einer spannenden Geschichte, die man sich in Ruhe einmal durchlesen sollte. Ein Mann in einer hoffnungslosen Situation setzt sein Vertrauen in Gott, und dieses Vertrauen wird nicht enttäuscht, sondern überreich belohnt!!

Singen wir aus Lied 567 die vierte Strophe
„Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann woll`n wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört Dir unser Leben ganz. Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Hiskia ist wie David einer der beeindruckendsten Könige in der Geschichte des jüdischen Volkes. Wie David hat Hiskia aber auch Probleme in seiner Nachfolge, gerät Hiskia in große Schwierigkeiten, weil er nicht immer Gott die Ehre gibt und sein Stolz und Egoismus auch ihn zur Sünde verführen.

Die assyrische Gefahr ist nun gebannt. Jetzt, am Höhepunkt seiner Macht, wird Hiskia todkrank, siehe 2Chr 32,24:

„Zu dieser Zeit wurde Hiskia todkrank; und er betete zum HERRN. Der redete mit ihm und tat an ihm ein Wunder.“

Hiskia ist weder alt noch lebenssatt, er möchte seine Macht noch genießen, er möchte noch nicht sterben... Hiskia betet händeringend und weinend zum HERRN, siehe 2Kö 20,2-3:

„Er aber wandte sein Antlitz zur Wand und betete zum HERRN und sprach: Ach, HERR, gedenke doch, dass ich vor dir in Treue und mit rechtschaffenem Herzen gewandelt bin und getan habe, was dir wohlgefällt. Und Hiskia weinte sehr.“

So weit, so gut. Ein jeder von uns würde in einer verzweifelten Situation ähnlich beten, Hauptsache, der HERR hilft. Und der HERR lässt sich erbarmen. Er schenkt Hiskia noch weitere fünfzehn Lebensjahre, obwohl es Hiskia aus Gottes Sicht im Himmel um so vieles besser haben könnte. Aber Hiskia kann noch nicht loslassen. Wir wollen in ähnlichen Situationen unser Leben auch noch nicht so einfach abgeben, weil uns ganz einfach die Sicht auf unsere himmlische Zukunft fehlt. Später, im Himmel, werden wir einmal über unser mangelndes Vertrauen nur noch staunen.

Und was tut Hiskia dann in seinen geschenkten Jahren? Zunächst einmal bittet er um ein zusätzliches Zeichen von Gottes Gnade. Dabei scheint sein Gottvertrauen bereits dermaßen überheblich zu sein, so dass uns Hiskia nun gar nicht mehr so demütig vorkommt, siehe 2Kö 20,8-11:

„Hiskia aber sprach zu Jesaja: Was ist das Zeichen, dass mich der HERR gesund machen wird und ich in des HERRN Haus hinaufgehen werde am dritten Tage? Jesaja sprach: Dies Zeichen wirst du vom HERRN haben, dass der HERR tun wird, was er zugesagt hat: Soll der Schatten an der Sonnenuhr zehn Striche vorwärts gehen oder zehn Striche zurückgehen? Hiskia sprach: Es ist leicht, dass der Schatten zehn Striche vorwärts gehe. Das will ich nicht, sondern dass er zehn Striche zurückgehe. Da rief der Prophet Jesaja den HERRN an, und der Herr ließ den Schatten an der Sonnenuhr des Ahas zehn Striche zurückgehen, die er vorwärts gegangen war.“

Die Zeichen geschehen, Hiskia wird gesund. Doch anstatt sich nun beim HERRN für Seine großartige und wunderbare Barmherzigkeit zu bedanken, wird sein Herz stolz und hochmütig, siehe 2Chr 32,25:

„Aber Hiskia vergalt nicht nach dem, was ihm geschehen war.“

Von weiteren guten und tapferen Taten in Hiskias letzten fünfzehn Lebensjahren lesen wir nichts mehr in der Schrift, stattdessen scheint Hiskia nur noch Blödsinn im Kopf zu haben. So zeigt er den Gesandten des Königs von Babel voller Stolz all die Schätze des jüdischen Königreiches... und bereitet damit den Untergang des jüdischen Königreiches vor. Immerhin darf er vor seinem Tode unseren HERRN noch einmal ganz herzlich um Vergebung bitten, siehe 2Chr 32,26:

„Da demütigte sich Hiskia darüber, dass sein Herz sich überhoben hatte, samt denen in Jerusalem. Darum kam der Zorn des HERRN nicht mehr über sie, solange Hiskia lebte.“

Kann uns das nicht auch passieren. Da erleben wir große Dinge mit dem HERRN, geistliche Höhenflüge und Gebetserhörungen … das lässt uns auch stolz werden und übermütig… Nur ein wenig später gehen wir wieder eigene Wege, machen dabei Kompromisse und übersehen dabei, wie viel Segen uns verloren geht…

Unser HERR Jesus beschenkt uns täglich immer wieder. Es gibt so viele Dinge, worüber wir dankbar sein können...! Unser Heiland erwartet von uns eine dankbare Lebenseinstellung, lesen wir dazu Lk 17,12-17:

„Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun?“

Lasst uns doch immer wieder voller Freude dankbar sein, nicht nur dann, wenn uns unser HERR wieder einmal so reich gesegnet hat. Dankbarkeit schützt nicht nur den Hiskia und die aussätzigen Männer vor Stolz und Hochmut, sondern gerade auch uns!

Niemand geht verloren, der auf Gott vertraut! Hiskia lehrt uns hier glauben. Glauben heißt: Mit Gott rechnen. Das heißt: Mit Seiner Gegenwart rechnen!

Wenn wir uns am Anfang dieser Stunde gefragt hätten, ob Gott hier in diesem Raum sei, dann hätten wir vielleicht, theologisch richtig, mit ja geantwortet, wir wären uns aber Seiner Gegenwart nicht richtig bewusst gewesen… Es ist eine Sache, theoretisch an etwas zu glauben, es ist eine andere Sache, diesen Glauben in die Praxis umzusetzen, im Vertrauen mit Gottes Handeln zu rechnen.

Wenn zum Beispiel Edmund Stoiber zu Beginn des Gottesdienstes hier hereingekommen wäre und sich auf einen Stuhl hingesetzt hätte, wir wären uns dem sehr bewusst gewesen, erst recht ich hier vorne… Er ist da, was macht er hier?

Wir sagen es immer so einfach: Gott ist hier, aber wir sind uns so oft Seinen Gegenwart nicht bewusst, wir rechnen so oft nicht mit Ihm! Dieser Gedanke stärkt uns immer wieder so wunderbar: Gott ist da, Er ist bei uns! Wenn ich mir der Gegenwart Gottes bewusst bin, werde ich viel eher vor möglicher Sünde bewahrt, weil ich mir gewisse Dinge in seiner Gegenwart einfach nicht erlauben möchte…
Wir können mit Seiner Gegenwart rechnen. Wir können mit Seiner Kraft rechnen. Glauben heißt: Zu glauben, dass bei Gott kein Ding unmöglich ist. Glauben und Vertrauen heißt: Wir können mit Seinem Wort rechnen, Seine Verheißungen sind wahr! Seine Maßstäbe bleiben gleich und gelten auch heute noch. Mit Seiner Liebe und Seiner Vergebung meint er es gut mit mir. Er löscht unsere Vergangenheit aus. Mit dem Schild des Glaubens können wir all die feurigen Pfeile Satans abwehren und löschen. Jesus will uns helfen! Gott will uns helfen, wenn wir Ihm in guten und in weniger guten Tagen immer mehr vertrauen!

Sind wir bereit im Alltag mit Gott zu rechnen?

Amen!

Singen wir aus Lied 567 die fünfte Strophe
„Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all Deiner Kinder hohen Lobgesang. Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“