Gemeindeleitung
Kurzpredigt Jürgen 5. November 2006Petrus 5, 1-4

(Zusammenfassung wichtiger Gedanken von Wilfried Plock, aus „Toolbox Gemeindebau“, zu beziehen unter http://www.mediendienst.org)

1Petr 5,1 Mahnungen an die Ältesten und die Gemeinde
Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll:

1Petr 5,2 Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund;

1Petr 5,3 nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde.

1Petr 5,4 So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.

Über das Wort Älteste gestolpert…, es begegnet uns in der Bibel immer wieder…

Das Wort Älteste kommt bei Luther 245 mal vor, alleine im neuen Testament 65 mal, sinnverwandte Worte wie Aufseher, Leiter oder Hirte gar nicht erst mitgerechnet…

Älteste sind also wichtige Leute, sie stehen offensichtlich einer biblischen Gemeinde vor. Dabei ist mir aufgefallen, dass es bei uns hier in Wolfratshausen keine Ältesten gibt. Also, Zeit sich auch hierzu einmal Gedanken zu machen

Welche Voraussetzungen sollten nun Älteste mitbringen?

Tit 1,5 Voraussetzungen des Aufseherdienstes
Deswegen ließ ich dich in Kreta zurück, damit du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste einsetzen solltest, wie ich dir geboten hatte,
Tit 1,6 wenn jemand untadelig ist, Mann {einer}1 Frau, gläubige Kinder hat, die nicht eines ausschweifenden Lebens beschuldigt oder aufsässig sind.
(1) im Griech. steht hier ein Zahlwort
Tit 1,7 Denn der Aufseher muß untadelig sein als Gottes Verwalter, nicht eigenmächtig, nicht jähzornig, nicht dem Wein ergeben, nicht ein Schläger, nicht schändlichem Gewinn nachgehend,
Tit 1,8 sondern gastfrei, das Gute liebend, besonnen, gerecht, heilig, enthaltsam,
Tit 1,9 der an dem der Lehre gemäßen zuverlässigen Wort festhält, damit er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen.

1Tim 3,2 Der Aufseher nun muß untadelig sein, Mann {einer} Frau, nüchtern, besonnen, sittsam, gastfrei, lehrfähig,
1Tim 3,3 kein Trinker, kein Schläger, sondern milde, nicht streitsüchtig, nicht geldliebend,
1Tim 3,4 der dem eigenen Haus gut vorsteht und die Kinder mit aller Ehrbarkeit in Unterordnung hält
1Tim 3,5 - wenn aber jemand dem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die Gemeinde Gottes sorgen? -
1Tim 3,6 nicht ein Neubekehrter, damit er nicht, aufgebläht, dem Gericht des Teufels verfalle.
1Tim 3,7 Er muß aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die draußen sind, damit er nicht in übles Gerede und in den Fallstrick des Teufels gerät.

Älteste sind also reife Christen, die vom Heiligen Geist zur geistlichen Leiterschaft in der Gemeinde befähigt worden sind. Das NT geht davon aus, daß es immer mehrere Älteste gibt und nicht einen Ältesten in einer Gemeinde oder sogar über mehrere Gemeinden, sondern zwei oder mehr Älteste in einer Gemeinde (Phil 1,1). Die zum Ältestenamt erforderlichen Eigenschaften habe ich uns in 1. Timotheus 3,1-7 und in Titus 1,6-9 genannt. In der Urgemeinde wurden Älteste von den Aposteln ernannt, und zwar bis zu der Zeit, zu der das NT in schriftlicher Form vorlag, jedoch erst, wenn eine Gemeinde lange genug existierte, damit sich Begabungen in dieser Richtung zeigen konnten.

Doch wie sieht es heute nicht nur bei uns, sondern weltweit in der Praxis aus? Es gibt viele verschiedene Leitungsmodelle, die sich in der Kirchengeschichte entwickelt haben, auch im evangelikalen Bereich, und die meisten von ihnen weichen vom biblischen Idealzustand mehr oder weniger stark ab. Schauen wir uns doch einige Modelle einmal an und versuchen eine kurze Bewertung

Episkopale Gemeindeleitungsstruktur: Hierarchischer Aufbau, Einer dirigiert an der Spitze, mit allergrößter Autorität… Ein bekanntes Musterbeispiel ist die katholische Kirche. Der Papst an der Spitze, dann folgen Kardinäle, Bischöfe, bis hinunter zum einfachen Priester…, das ist hierarchisch. Nach meinem Verständnis ist diese Struktur nicht biblisch… Es gibt nur Ortsgemeinden mit Ältesten und Diakonen, ohne hierarchischen Überbau, zwischengeschaltet zwischen Gemeinde und Gott…

Die synodale Gemeindeleitungsstruktur: Ortsgemeinden stehen unter der Aufsicht von gewählten Gremien und einer Synode, die sich aus Vertretern dieser Gemeinde zusammensetzen. Die Synode ist für die Gemeinden verantwortlich, gibt Richtlinien vor. Finden wir vor allem im evangelischen Kirchenbereich. Auch hier gilt: Das neue Testament kennt keine übergeordnete menschliche Instanz, die den Gemeinden vorgeschaltet istDie

Ein Mann Leitungsstruktur: Ein einziger Mann, ob Priester, Pfarrer, Prediger oder auch nur ein Ältester leitet ganz alleine die Gemeinde. Er allein begrüßt, predigt, macht den Büchertisch, sagt die Lieder an, betet und verabschiedet zum Schluss jeden persönlich wieder… Eine perfekte Ein Mann Show…, aber auch nicht im Sinne von Titus oder 1. Tim., auch wenn dieser Leiter noch so treu und hingegeben wirkt, wie vielleicht Abraham oder Moses… Die Gemeinde ist ein Leib, und da kann es nicht sein, dass einer der Kopf ist und gleichzeitig das Auge, die Hand und der Fuß…

Die kongregationalistische Gemeindeleitungsstruktur: Kongregatio (lateinisch), die Versammlung. Die örtliche Versammlung hat alle Autorität und trifft alle Entscheidungen selbst. Viele unserer Gemeinden haben diese Struktur. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass hier Älteste in der Gemeinde sind, sondern die regelmäßig stattfindende Gemeindestunde entscheidet über die Belange der Gemeinde, vor allem in rußlandsdeutschen Gemeinden.. Brüder und Schwestern stimmen dann über alles ab. Die Entscheidungen trifft nicht die Gemeindeleitung, sondern die Gemeindemitglieder nach rein demokratischen Spielregeln…, es geht nicht um Einmütigkeiten, sondern um Stimmenmehrheiten. Wozu braucht es dann noch Aufseher und Älteste? Hier scheint also auch nicht alles in Ordnung zu sein…

Die Brüderstundenleitungsstruktur, ähnlich wie Punkt 4, nur das hier die Schwestern fehlen. Alle Brüder der Gemeinde sind aufgerufen, in der Gemeindeleitung mitzuarbeiten, ob sie nun besonders qualifiziert sind nach Titus und 1. Timotheus oder aber überhaupt nicht. Alle Brüder treffen also zusammen alle Entscheidungen, die die Gemeinde betreffen. Die Brüderstunde als Leitungsgremium, so wie es auch bei uns offensichtlich der Fall ist.
Gemeindeleitung durch mehrere Älteste, die Leitung obliegt einem Team, das von der Gemeinde vorgeschlagen, gewählt und eingesetzt wird. Älteste werden in Gottes Wort nicht nur als Leiter und Aufseher beschrieben, sondern gerade auch als Hirte, als Vorbild und als Diener der Gemeinde. Dies scheint nach Gottes Vorstellungen die ideale Gemeindeleitungsstruktur zu sein.

Ich hoffe, ich habe uns jetzt nicht überstrapaziert mit soviel Gemeindetheorie… Ich denke, es ist für uns auch einmal wichtig gewesen, als Gemeinde über Gemeindeleitung nachzudenken.

Amen