Das Vaterunser
Matthäus 6, 9-13 + Lukas 11,2-4
Predigt Jürgen, 6. August 2006



Beter: Vater unser im Himmel…!
Gott: Ja…?
Beter: Unterbrich mich nicht, ich bete!
Gott: Du hast mich aber gerufen!
Beter: Dich gerufen? Ich habe Dich doch nicht gerufen. Ich bete
das ´Vater unser im Himmel`…
Gott: Siehst Du, schon wieder…
Beter: Was, schon wieder?
Gott: Mich gerufen. Du hast gesagt: ´Vater unser im Himmel`. Hier
bin ich. Was hast Du auf dem Herzen?
Beter: Aber ich habe doch nichts damit gemeint. Ich habe nur meine
täglichen Gebete gesagt, wie immer. Ich sage immer das
´Vater unser`. Es gibt mir ein gutes Gefühl, wie wenn man
eine gute Arbeit geleistet hat.
Gott: Na gut, weiter…
Beter: ´Geheiligt werde Dein Name…`
Gott: Halt! Was meinst Du damit?
Beter: Womit?
Gott: Mit ´Geheiligt werde Dein Name…`
Beter: Das bedeutet…, das bedeutet…, mein Gott, wie soll ich wissen,
was das bedeutet? Es gehört einfach zu dem Gebet.
Übrigens, was bedeutet es eigentlich?
Gott: Es bedeutet: Geehrt, heilig, herrlich.
Beter: Aha, das sagt mir mehr. Ich habe nie darüber nachgedacht,
was ´geheiligt` bedeuten könnte.
´Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so
auf Erden.`
Gott: Und was willst Du tun, damit das Wirklichkeit wird?
Beter: Tun? Wahrscheinlich nichts. Ich meine nur, es wäre ganz gut,
wenn Du mal wirklich alles hier unten unter Kontrolle
hättest, wie Du es da oben hast…!
Gott: Habe ich Kontrolle über Dich?
Beter: Naja, ich gehe zur Kirche…
Gott: Danach habe ich Dich nicht gefragt. Wie steht es mit Deinen
üblen Gewohnheiten? Und mit Deinem Jähzorn? Da hast Du
ein echtes Problem. Das ist Sünde. Und wie ist es dann mit
Deinem Geld? Du verwendest ja nur alles für Dich selbst und
hast darüber hinaus noch Schulden… Ja, und dann noch die
Filme, die Du siehst…
Beter: Hör doch auf mit dem Meckern. Ich bin genauso gut wie
einige von den restlichen Heuchlern da unten in der Kirche!
Gott: Verzeihung. Ich dachte, Du hättest darum gebeten, dass
mein Wille getan werde. Wenn das geschehen soll, dann muß
es bei denen beginnen, die darum beten. Bei Dir, zum
Beispiel.
Beter: Na gut, zugegeben. Ich habe auch meine Schwächen. Wo Du
gerade dabei bist, könnte ich bestimmt noch ein paar nennen.
Gott: Ich auch
Beter: Ich habe bisher nicht sehr viel darüber nachgedacht, aber
ich würde doch ganz gerne ein paar dieser Dinge loswerden.
Weißt Du, ich möchte wirklich frei sein!
Gott: Gut, Jetzt kommen wir weiter. Wir werden
zusammenarbeiten, du und ich. Es gibt manchen Sieg, der
errungen werden kann. Ich bin stolz auf Dich!
Beter: Hör mal zu, Gott. Ich muß doch hier unten endlich mal fertig
werden. Heute dauert das mit dem Beten viel länger als
sonst. ´Gib uns heute unser täglich Brot`…
Gott: Das mit dem Brot sollst Du weglassen. Du hast sowieso schon
Übergewicht…
Beter: Na hör mal, was soll denn das? Ist das vielleicht ein
´Kritisier mich Tag`? Da sitze ich brav und tue meine
Pflicht, und auf einmal platzt Du herein und erinnerst mich
an all meine Probleme!
Gott: Das Beten ist eine gefährliche Sache. Du könntest ein
anderer Mensch dabei werden, verstehst Du! Das versuche
ich eben, Dir klarzumachen. Du hast mich gerufen, und hier
bin ich. Jetzt kannst Du nicht mehr aufhören. Bete weiter!
Der nächste Teil Deines Gebetes interessiert mich schon….
Nun, weiter!
Beter: Ich habe Angst.
Gott: Angst, wovor?
Beter: Ich weiß schon, was Du sagen wirst.
Gott: Versuchs mal.
Beter: ´Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren
Schuldigern`…
Gott: Wie ist das mit Fred?
Beter: Siehst Du. Ich hab’s gewusst. Ich wusste, dass Du von ihm
anfangen würdest. Aber HERR, er hat doch die Unwahrheit
über mich verbreitet. Er hat mich doch um Geld betrogen.
Du bist Zeuge! Er hat das Geld nie zurückgezahlt, das er mir
schuldete. Ich habe geschworen, mit dem abzurechnen!
Gott: Aber Dein Gebet. Was ist mit Deinem Gebet?
Beter: Ich hab’s nicht ernst gemeint…
Gott: Wenigstens bist Du ehrlich. Aber viel Spaß macht es Dir
bestimmt nicht, diese bittere Last mit Dir
herumzuschleppen, oder?
Beter: Nein, aber es wird mir besser gehen, sobald ich mit ihm
abgerechnet habe. Er wird dann wünschen, er hätte mir nie
was angetan…!
Gott: Du wirst Dich nicht wohler fühlen. Rache ist nicht süß. Denke
daran, wie unglücklich Du jetzt schon bist. Das kann ich aber
alles ändern!
Beter: Ja, aber wie?
Gott: Vergib Fred. Dann werde ich Dir vergeben. Dann werden der
Hass und die Sünde Freds Probleme sein, und nicht Deine. Du
magst zwar das Geld verlieren, hast aber Frieden in Deinem
Herzen.
Beter: Aber HERR, ich kann Fred nicht vergeben!
Gott: Dann kann ich Dir auch nicht vergeben!
Beter: Ach, Du hast ja recht, wie immer. Und… (seufz), es ist mir
wichtiger, mit Dir in Ordnung zu kommen, als mich an Fred
zu rächen, obwohl es mir schwer fällt (seufz, seufz…) Na
gut, ich vergebe ihm. Hilf Fred bitte, den richtigen Weg im
Leben zu finden. Er ist bestimmt ganz schön deprimiert,
kann ich mir vorstellen. Jemand, der solche Dinger dreht
wie der, muss ja innerlich völlig durcheinander kommen. Zeig
Freddy doch irgendwie den richtigen Weg!
Gott: Na, siehst Du. Großartig! Wie fühlst Du Dich?
Beter: Hmmm, nicht schlecht. Eigentlich wunderbar! Weißt Du, ich
glaube, heute Abend werde ich das erste Mal seit langem
ohne innerliche Spannung ins Bett gehen. Vielleicht werde
ich auch nicht mehr so müde sein, weil ich dann genügend
Schlaf bekomme…
Gott: Du bist mit Deinem Gebet noch nicht fertig. Mach weiter!
Beter: Ah ja. ´Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse
uns von dem Bösen…`
Gott: Gut, sehr gut! Genau das werde ich tun! Und Du sollst Dich
nicht dahin stellen, wo Du versuchst werden kannst!
Beter: Was meinst Du damit?
Gott: Hör auf, an den Zeitungskiosken herumzustehen, wo der
´Playboy` verkauft wird. Und ändere einige Deiner
Freundschaften. Manche Deiner so genannten Freunde
bekommen Dich allmählich in den Griff. Bald werden sie Dich
in total schlechte Dinge verwickelt haben. Lass Dich nicht
täuschen! Die sagen zwar, sie amüsieren sich nur, aber Dich
werden sie ruinieren. Und nebenbei: Gebrauche mich nicht
wie einen Notausgang.
Beter: Ich verstehe Dich nicht.
Gott: Doch. Du hast es oft gemacht. Du bringst Dich in irgendeine
brenzlige Situation, in Schwierigkeiten. Sofort kommst Du
zu mir hergelaufen: ´HERR, hilf mir aus dieser Patsche, ich
verspreche Dir, ich werde es nie mehr tun,` Erinnerst Du
Dich an ein paar dieser Abmachungen, die Du mit mir
gemacht hast?
Beter: Ja, ich schäme mich dafür, HERR, wirklich!
Gott: An welche Abmachung denkst Du gerade?
Beter: Wo unsere Nachbarin mich aus der Disco kommen sah – ich
hatte doch zu meiner Mutter gesagt, ich wollte zu meinem
Onkel gehen. Da habe ich Dir gesagt: ´O Gott, lass es bitte
nicht zu, dass sie es meiner Mutter erzählt. Ich verspreche
Dir dafür, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen`…
Gott: Sie hat es Deiner Mutter nicht erzählt. Aber Du hast Dein
Versprechen nicht gehalten!
Beter: Es tut mir Leid, HERR, wirklich. Bisher dachte ich, das
Beten würde genügen. Ich habe nicht erwartet, dass Du
antworten würdest!
Gott: Mach jetzt weiter und sprich Dein Gebet zu Ende…!
Beter: ´Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen!`
Gott: Weißt Du, was mir Ehre bringen würde? Was mich wirklich
glücklich machen würde?
Beter: Nein, ich möchte es aber wissen. Ich möchte Dir gefallen.
Jetzt sehe ich, wie schön es wäre, Dir ernsthaft
nachzufolgen.
Gott: Du hast gerade meine Frage beantwortet.
Beter: Ja?
Gott: Ja. Was mir Ehre bringen würde, ist, wenn Leute mich
wirklich lieben und mir gehorchen. Ich sehe, dass solch eine
Beziehung zwischen Dir und mir möglich ist. Jetzt, da einige
dieser alten Sünden aufgedeckt und aufgeräumt worden
sind, gibt es keine Grenzen zu dem, was wir gemeinsam
fertig bringen können!
Beter: HERR, wollen wir einmal sehen, was sich aus mir machen
lässt, ja?
Gott: Ja, das wollen wir!

„Das Beten ist eine gefährliche Sache. Du könntest ein anderer Mensch dabei werden, verstehst Du! Das versuche ich eben, Dir klarzumachen. Du hast mich gerufen, und hier bin ich.“ So ein Zitat
aus diesem Anspiel…

Heute geht es also um das vielleicht bekannteste Gebet der ganzen Christenheit. Auch wenn wir das „Vaterunser“ beten, ist die Gefahr groß, dass wir auswendig gelerntes einfach nur nachplappern… und hinterher gar nicht einmal wissen, was wir da überhaupt gebetet haben. Heute möchte ich uns deshalb einige Gedanken zu diesem Gebet weitergeben.

Singen wir nun nach diesen einleitenden Gedanken die erste Strophe aus Lied 595
„Danke, mein Vater, für alles, was Du schenkst. Danke, dass selbst im Kleinsten Du heute an mich denkst. Danke, dass alles zu meinem Besten dient, auch wenn ich es nicht verstehe, Du siehst den Sinn. Danke, mein Vater, für alles, was Du schenkst. Danke, dass selbst im Kleinsten Du heute an mich denkst.“

Das „Vaterunser“ ist nicht aus einer christlichen Tradition oder Liturgie heraus entstanden, wie einige vielleicht meinen könnten. Nein, es ist sogar zutiefst biblisch. Wir finden es in Matthäus 6, 9-13 + Lukas 11,2-4. Lesen wir nun die Verse aus Matthäus 6, 9-13:

Mt 6,9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen

Das „Vaterunser“ galt schon in der alten Kirche als das heiligste Gebet. Taufbewerber und Konfirmanden durften es damals noch nicht beten. Dagegen nimmt es schon bald eine feste Stelle in der katholischen Abendmahlsliturgie ein. Nach alten Texten sollten Christen es auch privat dreimal am Tag beten, ein Brauch, der vielleicht zum Vorbild für das fünfmal tägliche Gebet im Islam wurde. Jeder getaufte Christ sollte dieses Gebet kennen. Die Rechtsverordnungen Karls des Großen ordneten sogar an, dass jeder Christ es auswendig dahersagen müsste, wer dies nicht konnte, durfte zum Beispiel als Taufzeuge nicht zugelassen werden. Ihr seht also, es gab schon damals viele Gründe, das „Vaterunser“ auswendig zu können… So ist dieses so genannte „Gebet des HERRN“ in den letzten Jahrhunderten leider immer mehr zu einer auswendig gelernten Zauberformel verkommen, zu einer heruntergeleierten Floskel, abergläubisch dahergesagt, nicht aus dem Herzen kommend.
Jesus selbst hat dieses „Vaterunser“ wohl nie so gebetet. Er gab es seinen Jüngern als ein Vorbild, als ein Muster, nach dem sie ihre Gebete gestalten konnten. Es ist eben keine Vorschrift, genau diese Worte auswendig zu gebrauchen. Matthäus 6,7 scheint dieses auszuschließen, weil viele Worte leere Phrasen werden, wenn man sie auswendig dahersagt. Lesen wir diesen Vers, er steht nur zwei Verse vor unserem „Vaterunser“

Mt 6,7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.

Vater unser…

So beginnt dieses Gebet. Pater noster… So steht es im lateinischen. Und wenn ich mir das griechische Wort anschaue, welches hier steht, so bedeutet es tatsächlich übersetzt „Vater“…, und eben nicht „Mutter“, wie es heutzutage liberale Theologen hineindeuteln. Jesus hat Zeit seines irdischen Lebens zu seinem himmlischen Vater gebetet, auch seine Jünger sollen es tun. Jesus sagt hier nicht, dass sie Ihn selbst anbeten sollen. Ich selbst habe Schwierigkeiten, wenn ich ein Gebet mit „Himmlischer Vater“ oder ähnliches verbinde. Dieser Begriff ist mir auch nach fünfzehn Jahren Leben im Glauben immer noch zu abstrakt. Dagegen beginne ich oft mit „HERR Jesus…“. Jesus selbst ist mir eine wohlbekannte Persönlichkeit, Er ist mein Weg, meine Wahrheit und mein Leben, nur durch Ihn komme ich zum Vater, siehe Johannes 14,6… Zum Vater beten oder zu Jesus beten? Viele Mitbeter bei WDL umgehen einfach diese Problematik, indem sie im Gebet einfach „HERR“ sagen, und damit den himmlischen Vater oder auch Jesus meinen können. Tatsache ist, dass wir einen dreieinigen Gott anbeten. Jesus sagt selbst in Joh 10,30

„Ich und der Vater sind eins.“

Die Anrede "Vater" soll auch unser Gewissen ein wenig prüfen: Lebst du auch in kindlichem Gehorsam? Du nennst ihn "Vater", aber stellst du dich auch unter seine Regeln? Lässt du dich von seinem Geist treiben und regieren?

Singen wir nun die zweite Strophe aus Lied 595
„Danke, dass Fragen, Die uns das Dasein stellt, vor Dir nicht verborgen sind. HERR, das gibt uns Mut. Danke, mein Vater, für alles, was Du schenkst. Danke, dass selbst im Kleinsten Du heute an mich denkst.“

"Der du bist im Himmel"…

Dies drückt vor allem die Erhabenheit Gottes aus. Er ist gegenwärtig, allwissend und allmächtig. Bei ihm ist kein Ding unmöglich. Der Gott, der das Weltall regiert, sollte der nicht auch deine kleinen Sachen lenken und führen können? Der, welcher alle Kreaturen erhält, sollte er dich nicht auch durchbringen? Du sollst von ihm groß denken und Großes erwarten. Der Gedanke an die Erhabenheit Gottes soll uns auch zugleich zur Ehrfurcht stimmen, wenn wir Seine Größe und Majestät vor Augen haben.

Geheiligt werde Dein Name...

Das Wort ´heilig` kommt mit all seinen Varianten wie ´geheiligt` oder ´Heiligtum` 1.348 mal in der Lutherbibel vor! Dieses Wort beschreibt nicht nur unseren heiligen Gott, siehe 1Sam 2,2:

„Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.“

Das Wort ´heilig` beschreibt auch Sein heiliges Volk Israel, siehe 5. Mose 7,6:

„Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.“

Ebenso werden gläubige Christen als ´heilig` beschrieben, siehe 1. Petr. 1,14-16:

„Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, denen ihr früher in der Zeit eurer Unwissenheit dientet; sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben (3. Mose 19,2): Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“

Das Wort ´heilig` ist uns sehr vertraut. Doch wenn wir einmal eine Meinungsumfrage machen sollten, um herauszufinden, was dieser Begriff eigentlich bedeutet, dann kämen wir bestimmt zu sehr verschiedenen Ergebnissen. Der Begriff ´heilig` ist nämlich auch mit der irreführenden landläufigen Vorstellung verbunden, dass heilige Menschen sozusagen ein Leben in nahezu vollkommener Frömmigkeit führen. Heilige Menschen wären demnach fast schon sündlose Menschen. In der katholischen Kirche gibt es den Brauch, nur ganz besonders fromme und auserwählte Glaubenshelden ´heilig` zu sprechen.

Doch dem ist nicht so! Das hebräische Wort für ´heilig`, nämlich ´kadesch`, bedeutet eben nicht ´fast sündlos` oder ´superfromm`, sondern ´abgetrennt` und ´ausgesondert`! Alles, was demnach heilig ist, existiert in einer von ungläubigen Menschen getrennten, zu Gott gehörenden Umgebung.

So sind alle Menschen heilig, die Gott auserwählt und erlöst hat. All diesen Christen hat Gott Seinen Heiligen Geist, gewissermaßen als Sicherheit, geschenkt. Für den Apostel Paulus ist es in seinen Briefen selbstverständlich, die Mitglieder aller christlichen Gemeinden als ´Heilige` anzusprechen, als gläubige Christen also!

Geheiligt werde mein Name… Eine Parallelstelle dazu finden wir in 3. Mose 22,32

„Entheiliget nicht meinen heiligen Namen.“

Jetzt, wo wir die Bedeutung von ´heilig` bereits ein wenig verstehen, können wir diesen Vers auch folgendermaßen übertragen: „Zieht meinen heiligen Namen nicht in den Dreck!“ So etwas kann auch Christen leicht passieren, wenn sie sich beispielsweise ganz unbedacht mit der alltäglichen Redewendung ´O Gott, o Gott` beklagen... Die bayrische Mundart hat daraus sogar ein deftig klingendes Fluchwort gemacht, nämlich: ´Kruzifix halleluja`! So entheiligen wir Seinen heiligen Namen und kehren dessen Bedeutung ins Gegenteil um. Dagegen rät uns Sein Wort ganz dringend, unseren himmlischen Vater zu ehren, wenn wir Ihn anrufen, nämlich Mt. 6,9

Dein Name werde geheiligt…“

Dein Reich komme...
Diese Worte aus dem bekanntem „Vaterunser“ drücken die hoffnungsvolle Erwartung aus, dass unser HERR schon bald wiederkommen wird, um Seine Herrschaft aufzurichten. Wir können uns diese zukünftige Ereignis kaum richtig vorstellen, dazu reicht unser Verstand nicht aus. Der Prophet Sacharja beschreibt das Reich des kommenden Messias mit folgenden knappen Worten in Sacharja 9,10:

„Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.“

Jesus hat Seine Herrschaft bisher noch nicht wieder sichtbar aufgerichtet, doch Er wohnt bereits unsichtbar in unserem Herzen. Nehmen wir einmal an, wir könnten schon heute einen Blick hineinwerfen hinein in Sein ewiges Reich, nehmen wir an, wir könnten dabei Jesus in all Seiner Pracht und Herrlichkeit sehen, nehmen wir einmal an, wir könnten diesen Anblick ohne Auferstehungsleib ertragen und müssten nicht sofort sterben, dann würden wir bestimmt gar nicht mehr zurückkehren wollen in unsere jetzige Welt, um hier Seinen für uns Auftrag auszuführen. Doch „niemand hat Gott je gesehen (Joh 1,18)...“ Erst im Himmel dürfen wir Ihm staunend und anbetend gegenübertreten.
Dein Reich komme... hoffentlich beten wir diese Worte nicht nur dann, wenn wir schon einige Zeit verheiratet sind oder auch schon alt und gebrechlich sind. Dein Reich komme..., das ist auch eine tägliche Bitte in guten Tagen, denn in Seinem himmlischen Reich kann es uns nur noch besser gehen!

Singen wir nun die dritte Strophe aus Lied 595
„Danke, dass durch Dich die Schuld vergeben ist, dass Du frei machst von den Zwängen, die uns bedroh`n. Danke, mein Vater, für alles, was Du schenkst. Danke, dass selbst im Kleinsten Du heute an mich denkst.“

Unser tägliches Brot gib uns heute…

Nachdem wir Gottes Anliegen in unserem „Vaterunser“ an die erste Stelle gesetzt haben, dürfen wir nun auch unsere eigenen Nöte vor Ihn bringen. Die erste persönliche Bitte gilt unserem täglichen Brot. Was das alles bedeuten kann, das hat Luther in seinem Katechismus so schön beschrieben…

„Wenn wir ferner wissen, dass der Ausdruck ,,täglich Brot" nicht nur Speise und Kleidung bezeichnet, sondern alles, was zu des Leibes Nahrung und Notdurft gehört, wie Haus und Hof, Geld und Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und getreue Oberherren, gut Regiment, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn u. desgl., so wird es keinem Christen, der nicht nur sich selbst lebt, sondern auch seinen Nächsten liebt, an Veranlassung fehlen, diese Bitte zu beten. Außerdem kann der Herr plötzlich das Gute von dir nehmen, das du jetzt hast, weshalb du stets allen Grund hast, um Seine bewahrende Gnade oder um ein tägliches Geben, ein ,,täglich Brot" zu bitten. In dieser Weise seine beständige Abhängigkeit vom Herrn zu fühlen, ist einem Christen sehr heilsam.“

Und vergib uns unsere Schuld...

Vergebung finden erfordert von uns, wir wissen es natürlich, eine herzliche Umkehr und Buße zu Jesus hin. Diese Reue ist der erste Schritt für ein seliges Leben mit unserem HERRN. Erst wenn wir Buße getan haben, kann uns unser Heiland segnen. Erst dann kann Er uns durch die Gnade der Wiedergeburt Vergebung schenken. Auch mir ist es so ergangen. Ich durfte meine Schuld bekennen und meinem Heiland sagen, wie sehr ich Ihn brauche. Erst dann erlebte ich Seine Befreiung, Seine Vergebung und Seine Wiedergeburt in mir!

Und führe uns nicht in Versuchung...

Unser HERR Jesus hat Seinen Jüngern also das Beten beigebracht und mit ihnen dieses beispielhafte Gebet einstudiert. Im „Vaterunser“ gibt es auch eine Bitte, die mir lange Zeit rätselhaft geblieben ist, nämlich: „Und führe uns nicht in Versuchung.“
Was bedeutet das eigentlich? Kann Gott uns in Versuchung bringen, uns da hineinführen?

Ein Blick in das griechische Neue Testament, in den Grundtext des Neuen Testamentes, zeigt, das das griechische Wort für Versuchung, nämlich „peirasmos“, mehrere Bedeutungen hat. Es gibt also verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten. In dem Sprachschlüssel der „Elberfelder Studienbibel“ wird das so erklärt: „Versuchung, Prüfung. Die Bedeutung hängt von demjenigen ab, der versucht. Kommt ´peirasmos` von Gott, so ist es eine Prüfung für denjenigen, dem es auferlegt ist, und niemals ein Stolperstein, damit der Geprüfte fallen soll. Kommt ´peirasmos“ dagegen von Satan, soll der Mensch dadurch zu Fall gebracht werden. An manchen Stellen kommt ´peirasmos` zwar nicht direkt von Gott und soll auch von Gott her nicht zu Fall führen, ist aber von Gott zugelassen und geht von Satan aus, der uns damit zu Fall bringen will.“ Diese „Versuchung“ in unserem Gebet kommt von Satan, und der Mensch soll durch diese Versuchung zu Fall gebracht werden. Der Sinn in diesem Vers liegt dann darin, dass wir Gott bitten, uns vor Situationen zu bewahren, die uns zur Sünde verführen können, dass wir Gott also darum bitten, uns vor Satans Versuchungen zu bewahren.

Gott selbst wird uns niemals zur Sünde verführen, siehe Jak 1,13:

„Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und Er selbst versucht niemand.“

Dagegen lassen wir uns leicht vom Teufel verführen, der unsere geheimen Wünsche und Begierden kennt und sie uns immer wieder ganz zuckersüß schmackhaft macht, siehe Jak 1,14-15:

„Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“

Wohin das führen kann, davor warnt uns Paulus zum Beispiel in Gal 5,19-21, lesen wir diese Verse aus der Übertragung „Hoffnung für Alle“:

„Gebt ihr dagegen euern selbstsüchtigen Wünschen nach, ist allen klar, wohin das führt: zu einem sittenlosen Leben, Unzucht und hemmungsloser Zügellosigkeit, zur Anbetung selbstgewählter Idole und zu abergläubischem Vertrauen auf übersinnliche Kräfte. Feindseligkeit, Streitsucht, unberechenbare Eifersucht, Intrigen, Uneinigkeit und Spaltungen bestimmen dann das Leben ebenso wie Neid, Trunksucht, üppige Gelage und ähnliche Dinge...“

Im ersten Buch Mose wird uns gezeigt, wie Josef, einer der zwölf Kinder Jakobs, eine riesengroße innere Stärke zeigt und erfolgreich einer solch gefährlichen Versuchung widerstehen kann. Josef befindet sich in Ägypten. Potifar, ein Hofbeamter des Pharaos und ein Oberbefehlshaber der königlichen Leibwache, hat ihn als Hausverwalter eingestellt. Alles läuft bestens, wenn da nicht Potifars Frau wäre, die ihn so gerne verführen möchte..., siehe 1. Mose 39,5-13:

„Und von der Zeit an, da er ihn über sein Haus und alle seine Güter gesetzt hatte, segnete der HERR des Ägypters Haus um Josefs willen, und es war lauter Segen des HERRN in allem, was er hatte, zu Hause und auf dem Felde. Darum ließ er alles unter Josefs Händen, was er hatte, und kümmerte sich, da er ihn hatte, um nichts außer um das, was er aß und trank. Und Josef war schön an Gestalt und hübsch von Angesicht. Und es begab sich danach, dass seines Herrn Frau ihre Augen auf Josef warf und sprach: Lege dich zu mir! Er weigerte sich aber und sprach zu ihr: Siehe, mein Herr kümmert sich, da er mich hat, um nichts, was im Hause ist, und alles, was er hat, das hat er unter meine Hände getan; er ist in diesem Hause nicht größer als ich, und er hat mir nichts vorenthalten außer dir, weil du seine Frau bist. Wie sollte ich denn nun ein solch großes Übel tun und gegen Gott sündigen? Und sie bedrängte Josef mit solchen Worten täglich. Aber er gehorchte ihr nicht, dass er sich zu ihr legte und bei ihr wäre. Es begab sich eines Tages, dass Josef in das Haus ging, seine Arbeit zu tun, und kein Mensch vom Gesinde des Hauses war dabei. Und sie erwischte ihn bei seinem Kleid und sprach: Lege dich zu mir! Aber er ließ das Kleid in ihrer Hand und floh und lief zum Hause hinaus.“

Diese Standfestigkeit bringt Josef ins Gefängnis, denn Potifars Frau, ganz und gar beleidigt, zeigt ihn nun wegen einer versuchten Vergewaltigung an!

Was für eine Standfestigkeit zeigt uns da der Josef..., und wir werden schon mit viel geringeren Versuchungen und Verführungen nicht fertig! Da bleibt mir nichts anderes übrig, als meinen HERRN immer wieder um diese innere Stärke bei Versuchungen und Verführungen zu bitten... Und führe mich nicht in Versuchung...!

Singen wir nun die vierte Strophe aus Lied 595
„Danke, dass Beten an offne Ohren dringt, dass Du hörst auf unser Rufen, uns Hilfe schenkst. Danke, mein Vater, für alles, was Du schenkst. Danke, dass selbst im Kleinsten Du heute an mich denkst.“

Zum Schluss möchte ich uns noch einige wunderbare Gedanken Spurgeons vorlesen, die das „Vaterunser“ so wunderschön kurz zusammenfassend auslegen…:

„Dies Gebet fängt damit an, womit jedes wahre Gebet anfangen muss, mit dem Geist der Kindschaft: ,,Unser Vater." Es ist kein Gebet wohlgefällig vor Gott, wenn wir nicht sagen können: ,,Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen." Dieser kindliche Geist erfasst schnell die Größe des Vaters ,,in dem Himmel," und erhebt sich zu demütiger Anbetung: ,,Geheiligt werde Dein Name." Das Kind, das lispelt; ,,Abba, lieber Vater," wird zum gewaltigen Cherub, der da ruft: ,,Heilig, heilig, heilig!" Es ist nur ein einziger Schritt von der entzückten Gottesanbetung zu dem feurigen Geiste der bekehrenden Liebe, welcher stets unfehlbar aus der kindlichen Liebe und der ehrfurchtsvollen Anbetung hervorwächst! ,,Dein Reich komme, Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel." Darauf folgt der herzliche Ausdruck der Abhängigkeit von Gott und des Vertrauens auf Ihn: ,,Gib uns heute unser tägliches Brot." Werden wir weiter vom Heiligen Geiste erleuchtet, so entdecken wir, dass wir nicht allein abhängig sind, sondern auch sündhaft; darum flehen wir um Gnade: ,,Vergib uns unsre Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern." Und wenn wir Vergebung empfangen haben, wenn uns die Gerechtigkeit Christi zugerechnet ist, wenn wir wissen, dass wir angenehm gemacht sind in dem Geliebten, dann bitten wir demütig um heilige Bewahrung: ,,Führe uns nicht in Versuchung." Ein Mensch, dem in Wahrheit Vergebung zuteil geworden ist, lässt sich's angelegen sein, dass er nicht abermals sündige; der Besitz der Rechtfertigung führt zu einem ernstlichen Verlangen nach Heiligung.
,,Vergib uns unsre Schulden," das ist Rechtfertigung; ,,Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel," das ist Heiligung, Förderung im Guten, wie Bewahrung vor dem Bösen. Als Endergebnis von dem allen folgt eine herrliche siegreiche Lobpreisung: ,,Dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen." Wir freuen uns, dass unser König regiert in dem Reich der Vorsehung, und dass Er wird herrschen in Gnade von einem Meere bis an das andre, und vom Wasser bis an der Welt Ende, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. So führt dies kurze Vorbild des Gebets unsre Seele hinauf zur Gemeinschaft mit unserm königlichen Herrn. Herr, lehre uns beten! Amen!

Singen wir nun zum Schluss die fünfte Strophe aus Lied 595
„Danke, dass mit Dir die Fülle zu uns kommt, dass ein Leben aus der Freude uns ganz erfüllt. Danke, mein Vater, für alles, was Du schenkst. Danke, dass selbst im Kleinsten Du heute an mich denkst.“