Predigt Jürgen 14. Mai 2006
„Singt dem HERRN ein neues Lied, denn Er tut Wunder“
Psalm 98,1

Vor genau 24 Jahren gewann als erste Deutsche die 17 jährige Nicole aus Neunkirchen im Saarland den internationalen Schlagerwettbewerb „Grand Prix d`Eurovision de la Chanson“ mit ihrem pazifistischen Lied „Ein bisschen Frieden“. Wer von uns Älteren kann sich da nicht noch an diesen schönen Dauerohrwurm erinnern…. Es war ein Jahr, in denen immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen und innenpolitische Probleme drohten. Israel stand vor Beirut und nahm die PLO in die Zange, der mittlerweile fast vergessene Falkland Krieg ließ England gegen Argentinien aufmarschieren, in Frankfurt fanden erbitterte Auseinandersetzungen um die neue Startbahn West statt… „Ein bisschen Frieden“…, dieses Lied traf den damaligen Zeitgeist genau am Nerv. Heute sieht es nicht viel anders aus, unsere Welt ist jedoch nicht friedlicher geworden. Haben wir als lebendige Christen da wenigstens unseren Frieden gefunden? Dieses Thema verfolgt mich seit einiger Zeit, ich denke da auch an unsere Bibelstunde über Hebräer 4. In diesem Kapitel geht es ganz besonders um Ruhe und Frieden.
Wir befinden uns heute, wenn wir uns die Sonntage des Kirchenjahres anschauen, in einer Reihe von Sonntagen zwischen Ostern und Pfingsten, in denen der österliche Frieden mit Lob und Anbetung verbunden wird. Der letzte Sonntag stand unter dem Motto „Jubilate“ – Jauchzet, jubelt! Der nächste Sonntag will uns sagen „Rogate“ – Betet! Dann kommt der 28. Mai „Exaudi“ – Höret! Und heute, da geht es vor allem um „Cantate“ – wer weiß wohl, was damit gemeint ist? Es geht um: Singet! Ein wirklich schönes Predigtthema, welches heute mit einem Wort aus Psalm 98,1 eingeführt wird

„Singt dem HERRN ein neues Lied, denn Er tut Wunder“

Ein jeder von uns weiß wohl, dass ich kein sehr großer Sänger bin…, vor allem dann nicht, wenn viele Menschen dabei sind und mir womöglich zuhören könnten… Da singe ich doch viel lieber dankbar in meinem Herzen mit und wende dabei einen meiner Lieblingsverse an aus Kolosser 3, 15-16:

„Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.“

Die Freude, die ich beim Singen und Jubilieren in meinem Herzen so oft habe, kommt zwar aus meinem innersten Herzen, sie ist dennoch nicht von mir. Es ist eine übernatürliche Freude, die mir nur der HERR Jesus schenken kann, nachdem Er mein Herz wie in einer Tempelreinigung ausgemistet und gesäubert hat, um dann anschließend in meinem Herzen einzuziehen.

Jesus selbst hat in Zeiten Seiner größten Nöte und Anfechtungen immer wieder Seinen Vater im Himmel gelobt und gepriesen. Jesus ist mir auch hier ein Vorbild geworden. Auch wenn einige Tage nicht ganz einfach sein sollten, so darf auch ich Ihm dann lobsingen – cantate…!

Jesus sieht Seinen schweren Weg bereits vor sich, als Er in einer unbeschreiblich schönen Art und Weise Menschen zum Glauben einlädt. Er weiß bereits, was Ihm auf Golgatha erwartet, und dennoch lobt und preist Er Seinen Vater im Himmel, siehe Matthäus 11, 25-30

“25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. 26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. 27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.“

Nach diesem dankbaren Lobpreis folgt dann die faszinierende Einladung an Seine möglichen Jünger und Nachfolger

„28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Kommt her, werft all Eure Sorgen auf mich, ich möchte Euch Freude und Frieden schenken! Seine sanftmütige Demut möchte auch unserer zerrissenen und geplagten Seele Ruhe schenken! Unser Leben muss nicht mehr mühselig und beladen und ohne Hoffnung sein. Auch bei Ihm, in seinem Dienst, gibt es genügend zu tun, doch seine Last ist leicht, eben weil unser HERR Jesus so gerne mitträgt!

In den Tagen meiner größten Nöte und Anfechtungen kurz vor meiner Bekehrung ist mir dieses Jesuswort wie eine reife Frucht in mein Herz gefallen. Äußerlich ging es mir gut, ich hatte sogar Idealgewicht damals, wog unter 80 kg und meine Hausärztin konnte keine körperlichen Gebrechen erkennen. doch innerlich war ich zerrissen, depressiv und am Boden zerstört, war mühselig und äußerst beladen. Permanente Angstzustände ließen mich aus der Weltstadt mit Herz, aus München, fliehen…, nach Hause, zu Eltern und Geschwistern… Und Jesus hat mich nach meiner Bekehrung wieder erquickt und mir innerhalb kürzester Zeit Ruhe und Frieden geschenkt!

Jetzt kann ich sogar wieder problemlos in eine fremde Großstadt fahren… Ich war am letzten Wochenende zum ersten Male in Berlin. Jesus hat mich dort an der langen Leine geführt. Ich konnte unsere Hauptstadt kulinarisch genießen, nicht nur bei Currywurst und Berliner Weißbier… Ich betrachtete sie von oben, von der Siegessäule, ohne dass mir schlecht wurde, konnte den Berliner Untergrund per U Bahn erkunden, so viel ich wollte und abends auch das nächtliche Berlin ein wenig kennen lernen, ohne Angstzustände zu bekommen. Ich war alleine unterwegs, war aber nicht alleine…, denn Jesus ist mitgefahren, hat gegessen und mitgetrunken und mitbesichtigt und mir seinen permanenten Frieden und Seine Freude geschenkt. Jubilate – jubelt, das war das Motto vom letzen Berlinsonntag. Cantate, lobsingt, es geht mir gut, mir ist wohl in dem HERRN, das ist die Losung von heute!

Singen wir aus Lied 219 die erste Strophe:
„Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt, ob Stürme auch drohen von fern, mein Herze im Glauben doch allezeit singt: Mir ist wohl, mir ist wohl n dem HERRN!“

Mir ist wohl, in dem HERRN…! Aber nicht nur in Berlin, eigentlich fast täglich! Und warum? Weil ich auserwählt bin, weil Gott mich heilig gesprochen hat (worauf tote Päpste jahrelang warten müssen), weil Gott mich zuerst geliebt hat… Mir ist wohl in dem HERRN, und das färbt auch auf mich ein wenig ab… Unser HERR Jesus möchte, dass wir als Seine geliebten und heiligen Auserwählten Ihm immer ein klein wenig ähnlicher werden, zum Beispiel in der Frucht Seines Geistes, zum Beispiel in Liebe, Friede, Freundlichkeit, Sanftmut und Geduld… Lesen wir dazu Kolosser 3,12-15

„12 So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;
13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
14 Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.
15 Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar.“

Liebe Geschwister, fällt Euch dabei etwas auf? Jetzt werden wir doch sehr an unseren Vers aus Matthäus 11,29 erinnert, ich wiederhole noch einmal…

„29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“

Weil uns unser HERR Jesus so sanftmütig und demütig angenommen hat, deshalb sollen auch wir unsere Nächsten und Geschwister genauso sanftmütig und demütig vergebend ertragen, damit auch sie Ruhe in ihren Seelen finden können, damit auch sie im Glauben wachsen können, damit wir auch sie durch Gottes Wort erquicken können! Lesen wir dazu aus Epheser 5,1

Eph 5,1 Seid nun Nachahmer Gottes als geliebte Kinder!

Dann wird der Friede Christi immer mehr in unserem Herzen regieren, dann wird die Ruhe in unseren Seelen immer dauerhafter bleiben… Lesen wir weiter aus Kolosser 3, die Verse 16 und 17

16 Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.
17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“

Jetzt sind wir wieder bei meinem Lieblingsvers… Sein Wort, Seine Psalmen und Lobgesänge möchten so gerne fest in unserem Herzen wohnen, möchte uns dabei dauerhaft die Frucht Seines Geistes schenken, Frieden mit Gott und Frieden mit unseren Nächsten, auch wenn noch so viel Unfrieden, Angst und Hektik um uns herum sein mögen. Gottes Wort schenkt uns Frieden, Jesus ist in unserem Herzen der ruhende Pol, mit Ihm können wir nicht nur unsere Gemeinde am Mittwoch und auch am Sonntag besuchen, mit Ihm können wir auch nach Berlin fahren, auch wenn wir dort eigentlich nichts direkt „Frommes“ unternehmen möchten sondern nur einige Tage Urlaub machen… Doch alles, was wir tun, ob mit Worten oder mit Werken, das sollen wir im Namen unseres HERRN Jesus tun…

Eph 2,14 Denn Christus ist unser Friede…

Cantate… Mir ist wohl in dem HERRN…

Singen wir aus Lied 219 die zweite Strophe:
„Wenn Satan mir nachstellt und bange mir macht, so leuchtet dies Wort mir als Stern: Mein Jesus hat alles für mich schon vollbracht; ich bin rein durch das Blut meines HERRN!“

In Kolosser 3, 17 finden wir im Schlussteil des Verses noch einen entscheidenden Hinweis, wie wir uns in all unserem Tun und Lassen ganz besonders verhalten sollten… Lesen wir noch einmal diesen Vers:

17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“

Dankt Gott, dem Vater, durch Jesus Christus für alles… Für alles, für all das Gute und auch weniger Schöne, was uns vielleicht passieren mag. Dankt Gott, dankt Gott, denn wir sind vor allem Seine auserwählten und geliebten Heiligen! Dankt Gott in allem. Wie soll ein Dank in der wunderschönen Bildsprache der Psalmen ausschauen kann, das möchte uns vor allem der Psalm 98 veranschaulichen…:

1 Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.
2 Der HERR lässt sein Heil kundwerden; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
3 Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
4 Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!
5 Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!
6 Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!
7 Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.
8 Die Ströme sollen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich
9 vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist
.

Cantate…, Singet! Ich tue es am liebsten in meinem Herzen oder auch dann, wenn ich alleine bin. Singet ein neues Lied von Seiner Gnade…, meint hier der unbekannte Psalmist vielleicht vorausschauend… Ein neues Lied…, denn Er tut Wunder… Aller Welt Enden werden Sein Heil sehen, Heilsgewissheit spricht aus diesen Versen! Cantate et jubilate! Singet und jauchzet, singet, rühmet und lobet. Wenn möglich, mit Musikinstrumenten, mit Harfen, Trompeten und Posaunen… Auch die Natur soll sich an diesem weltumspannenden Lobpreis beteiligen… Das Meer soll brausen, die Ströme voller Freude frohlocken, auch die Berge sollen fröhlich sein! Denn der HERR wird kommen, um die einen zu verurteilen…, und der HERR wird kommen, um den Auserwählten in aller Welt Gnade zu schenken… Cantate, Jubilate…!

In fröhlicher und ausgelassener Dankbarkeit dürfen wir unseren HERRN loben und preisen, nicht nur in sehr ernst gesprochenen und rhetorisch ausgefeilten Brüdergebetenn…. Ich gebe ja zu, mir gefällt auch nicht alles, wenn ich sehe, wie temperamentvoll in anderen Gemeinde, Orten und Erdteilen mit Lob gepriesen wird… Aber es kommt nicht darauf an, ob mir dies gefällt… und ob meine Gemeindetradition es zulässt… Es kommt darauf an, dass es dem HERRN gefällt, und der HERR wohnt ja in den Herzen der Seinen, auch in den Herzen, die Ihn immer wieder voller Ausgelassenheit und Fröhlichkeit zujauchzen…!

Cantate et Jubilate… Mir ist wohl in dem HERRN, die dritte Strophe…

„Die Last meiner Sünde trug Jesus, das Lamm, und warf sie weit fort in die Fern; Er starb ja für mich auch am blutigen Stamm; meine Seele lobpreise den HERRN!“

Der Apostel Paulus vergisst auch in allergrößter Not und Anfechtung das Loben und Preisen nicht, genauso auch wie unser HERR Jesus… Paulus sitzt wieder einmal im Gefängnis, als verfolgter Christ… Lesen wir aus Apostelgeschichte 16, 23 – 34 die folgenden Verse…

Apg 16,23 Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Aufseher, sie gut zu bewachen.
Apg 16,24 Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block.
Apg 16,25 Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie.
Apg 16,26 Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, so daß die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen, und von allen fielen die Fesseln ab.
Apg 16,27 Als aber der Aufseher aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen des Gefängnisses offenstehen, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen.
Apg 16,28 Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier!
Apg 16,29 Da forderte der Aufseher ein Licht und stürzte hinein und fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen.
Apg 16,30 Und er führte sie heraus und sprach: Liebe Herren, was muß ich tun, daß ich gerettet werde?
Apg 16,31 Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!
Apg 16,32 Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren.
Apg 16,33 Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen
Apg 16,34 und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er zum Glauben an Gott gekommen war.

Und dann geschieht ein Wunder… Paulus und seine Gefährten fangen kurz vor Mitternacht an, unseren HERRN zu loben und zu preisen, sie beten Ihn an…und dann tut der HERR Wunder… Ein Erdbeben befreit Paulus und seine Getreuen aus ihrer misslichen Lage… Jetzt haben sie erst recht Grund, fröhlich zu lobpreisen…

Psalm 98,1 Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Doch des einen Freud, des anderen Leid… Der Kerkermeister sieht seine Karriere als beendet an, denn seine anvertrauten Gefangenen sind frei… Schon bald wird er deshalb selbst im Kerker sitzen, als mühselig Beladener… Doch dazu soll es nicht kommen… Dann lieber Selbstmord…

Paulus flieht nicht aus dem Gefängnis, sondern bewahrt stattdessen unseren verzweifelten Kerkermeister vor einem tragischen Selbstmord… Genauso, wie auch ich selber, erkennt dieser Kerkermeister trotzdem seine katastrophale und hoffnungslose Lage… Wenn nicht sein Schwert, so werden ihn doch seine Fehler umbringen… und er wird selber verzweifelt in einem Kerker landen…

Mühselig beladen fragt er Paulus, was er denn tun muss, um gerettet zu werden…
Glaube an den HERRN Jesus, glaube an Sein Wort… Und hier schließt sich wieder der Kreis zu unserem ersten Bibeltext aus Matthäus 11… Lesen wir noch einmal die Verse 28 – 30…

„28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“
Der Kerkermeister und sein ganzes Haus nehmen voller Dankbarkeit diese Einladung an und werden zu Jüngern Jesu! Wir wissen nicht, wie es mit ihm und seiner Familie weitergegangen ist… Doch Paulus und vor allem der Geist Gottes wird ihnen sicherlich offenbart haben, dass auch sie nun auserwählte und geliebte heilige Menschen für unseren HERRN Jesus sind, bis hin in alle Ewigkeit. Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird auch ihre Herzen in Jesus bewahrt haben (Phil 4,7). Auch sie dürfen nun unseren HERRN bis in alle Ewigkeiten loben und preisen, in guten wie in weniger guten Tagen… und sie dürfen so auch sicherlich ein Vorbild sein für ihre Nächsten, ob gläubig oder ungläubig… Der Kerkermeister und all seine zum Glauben gekommenen Freunde, Verwandten und Bekannten haben vielleicht auch wiederum Ungläubige zum HERRN geführt und den Frieden Gottes weitergereicht. Die Gemeinde Gottes ist in Aufbruchstimmung, sie wächst und wächst…

Jubilate et Cantate: Singen wir aus Lied 219 die vierte Strophe:

„Nun leb ich für Christus, für Christus allein. Sein Wort ist mein leitender Stern. In ihm hab ich Fried und Erlösung von Pein; meine Seele ist selig im HERRN.“

Cantate… Singet! So lautet das Motto des heutigen Sonntages. Doch beim Singen müssen wir schon ein wenig aufpassen, was wir da singen. Geistliche Lieder sind wie vertonte Gebete… Und da plappern wir ja hoffentlich auch nicht alles nach. Bei Dietrich Bonhoeffers Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ habe ich immer wieder kleine Probleme mit diesem Vers aus Strophe 3:

„Und reichst Du uns den schweren Kelch, den Bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern, aus Deiner guten und geliebten Hand…“ Schön wäre es ja, wenn ich mich so verhalten könnte… Doch dankbar ohne zu zittern bitteres Leid anzunehmen, das könnte ich glaub ich nicht… Ich würde da eher wie Hiob mit meinen Freunden und mit Gott tagelang hadern, um dann doch dieses Leid anzunehmen, nicht dankbar, ohne zu zittern, sondern einfach deshalb, weil mir eh nichts anderes übrig bleibt…

Vor einigen Wochen noch habe ich bei Wort des Lebens ein wunderschönes Lied oft mitgesungen, bis mir dann eines Tages auffiel, dass ein Vers mit meinem biblischen Verständnis nicht ganz mithalten konnte. „Reinige mein Herz…“, so lautet dieses Lied von Brian Doerksen, einem pfingstkirchlichen Prediger aus Amerika.

„Reinige mein Herz, mach mich rein wie Gold, in Deinem Feuer…“ Hoppla, vom Text her kann dies ja eigentlich nur ein Lied sein für ungläubige Zeitgenossen, die kurz vor der Bekehrung stehen, denn die Schrift sagt den Jüngern Jesu eindeutig, nicht nur in Joh 15,3

„Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.“

Ganz gewiss bedürfen wir der Heiligung, doch der HERR hat uns bereits gereinigt! Uns ist bereits jegliche Sündenschuld vergeben, ob vergangene, gegenwärtige oder auch zukünftige Sünde. Als Jesus auch für mich am Kreuz gestorben ist, hat Er bereits mein ganzes Leben gekannt, nicht nur mein Leben bis zum heutigen Tag… Also hat Er mir damals schon all meine Schuld vergeben, nicht nur meine Schuld bis zur Bekehrung oder bis zum heutigen Tag!
Wir sind schon reine, auserwählte, geliebte und heilige Reben an Seinem Weinstock…

„Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.“

Und diese unbeschreibliche und wunderschöne Gnade, diese Reinheit, die ich vor Seinen Augen habe, schenkt mir so oft einen herrlichen Frieden, nicht nur in guten, sondern auch in weniger schönen Tagen. Ich kann ja gut reden…, habe ich doch wirklich schlimme Tage noch nicht zu erleben brauchen…ich wurde ja auch noch nicht so verfolgt und geschlagen wie beispielsweise der Apostel Paulus! Doch ich kann mich noch gut an meine Bekehrungsgeschichte erinnern. Der HERR hat mich da aus ganz schlimmen, depressiven Tagen herausgerettet und mir innerhalb kürzester Zeit seine Ruhe und seinen Frieden geschenkt! Weniger drastisch sind dagegen Situationen wie Knieoperationen und auch Weisheitszahnoperationen… Auch hier habe ich jeweils alle meine Sorgen, sogar auch dankbar und ohne zu zittern, abgeben können! Sein Frieden trägt auch dann durch, wenn die Tage vielleicht nicht so schön sind!

Hat Gott denn auch Seinen Frieden mit mir? Ganz gewiss doch, denn sonst hätte Er mich nicht erlöst und errettet…! Jesus hat mich ja bereits rein gemacht, auch wenn ich mich immer wieder wie ein schwarzes Schaf benehmen sollte. Doch auch dies hat Er in Seinem genialen und gnädigen und barmherzigen Heilsplan mit einkalkuliert…, und mir eine Generalabsolution, eine ewige Vergebung, verbunden mit ewigen Frieden geschenkt!

Deshalb singe ich am liebsten in meinem Herzen fröhliche und dankbare Lobpreislieder. Und loben zieht nach oben… wir wissen es! Und unser HERR bedankt sich bei mir immer wieder, indem Er mir, gerade in den letzten Wochen so oft Seinen tiefen Frieden schenkt hat…

Cantate, jubilate… Singen wir zum Schluss das Lied 578:

„Vater, ich will Dich preisen, denn Dein Wort ist wunderbar! Vater ich will Dich preisen, denn Dein Wort ist wunderbar und vollkommen. Jeden Morgen staun ich neu, was Dein Wort enthält! Jeden Morgen staun ich neu, was Dein Wort enthält! Vater, ich will Dich preisen, denn Dein Wort ist wunderbar! Vater ich will Dich preisen, denn Dein Wort ist wunderbar und vollkommen.

Ich erkenne, Dein Wort hält stets, was es verspricht. Ich erkenne, Dein Wort hält stets, was es verspricht. Vater, ich will Dich preisen, denn Dein Wort ist wunderbar! Vater ich will Dich preisen, denn Dein Wort ist wunderbar und vollkommen.

Ja, in Zeit und Ewigkeit hat Dein Wort Bestand. Ja, in Zeit und Ewigkeit hat Dein Wort Bestand. Vater, ich will Dich preisen, denn Dein Wort ist wunderbar! Vater ich will Dich preisen, denn Dein Wort ist wunderbar und vollkommen.

Freude, Kraft, Mut, Zuversicht, all das schenkt Dein Wort. Freude, Kraft, Mut, Zuversicht, all das schenkt Dein Wort. Vater, ich will Dich preisen, denn Dein Wort ist wunderbar! Vater ich will Dich preisen, denn Dein Wort ist wunderbar und vollkommen.“
Amen!