Predigt Jürgen 19. November 2006
Psalm 103,1-5
Jung werden wie ein Adler

(Teilweise wörtliche Zusammenfassung einer Predigt von Wilfried Plock, siehe „Toolbox Gemeindebau“, zu beziehen unter http://www.mediendienst.org)

Unser Jahr 2006 wird immer älter, und schon bald wird es auch schon wieder vorbei sein. Je älter ich werde, desto mehr habe ich das Gefühl, die Jahre und Jahrzehnte würden an mir so schnell wie in einem Flug verrinnen. Wer von den etwas älteren unter uns möchte da nicht wieder einmal jung sein, jung wie der junge Frühling vielleicht, in voller Blüte und Schaffenskraft? Oder sich zumindest wieder einmal jung und frisch, dynamisch und durchtrainiert fühlen, an Leib, Seele und Geist? Mir geht es zumindest ab und zu mal so, wenn ich beispielsweise bei Wort des Lebens die jungen und hübschen Mitarbeiterinnen sehe, die mittlerweile alle schon meine Töchter sein könnten, vom Alter her…

Da trifft es sich doch gut, wenn wir in der Bibel schon fast ein Patentrezept dafür finden, wie wir wieder jung und frisch werden können, auch wenn unser Alter vielleicht schon sehr fortgeschritten ist. Es sind solche Verheißungen Gottes, um die es heute geht, dabei möchte ich vor allem aus dem Psalm 103 zitieren, aber auch aus Jesaja und aus Micha. Der Psalm 103 ist neben dem ebenso bekannten Psalm 23 einer meiner Lieblingspsalmen. Ich habe ihn einmal auswendig gelernt, doch heute schaffe ich es nur noch bis Vers 5. Und um diese ersten fünf Verse geht es mir heute ganz besonders. Lesen wir zunächst einmal diese fünf Verse im Zusammenhang

Ps 103,1 Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Ps 103,2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat
Ps 103,3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,
Ps 103,4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
Ps 103,5 der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Jung werden wie ein Adler…. Jetzt bin ich doch einmal über diesen Adler gestolpert. Was bedeutet das eigentlich? Gibt es denn nur junge Adler? Werden denn Adler nie alt und gebrechlich? Es muss bestimmt schön sein, wie ein junger Adler stolz durch die Lüfte zu schwingen, doch zu weiteren Überlegungen und Auslegungen bin ich bisher nie gekommen, obwohl ich mir diese Verse schon hunderte Male aufgesagt habe. Jetzt habe ich dazu eine wunderbare Auslegung entdeckt, die mich auf eine spannende Art erfreut und aufgebaut hat. Ich denke, es tut unserer Gemeinde gut, wenn wir heute einmal gemeinsam über diese Verse nachdenken. Es geht mir dabei vor allem um älter werden und jung bleiben…

Nach diesen einleitenden Gedanken folgt jetzt wieder eine Gliederung zu unserer heutigen Predigt.

Hauptteil

1. Loben zieht nach oben…
2. Auf Adlers Flügeln getragen…
3. Aus Alt wird jung…

Schlußgedanke… sich von Schuld und Sünde losmausern!

Singen wir nun aus Lied 477 die erste Strophe:
„Auf Adlers Flügeln getragen, übers brausende Meer der Zeit, getragen auf Adlers Flügeln bis hinein in die Ewigkeit. Über Berge, Täler und Gründe immer höher zur himmlischen Höh. Die Flügel sind stark, die mich tragen, die Flügel, auf denen ich steh.“

So alle paar Monate träume ich immer wieder den gleichen Traum, den Traum vom Fliegen. Ich brauche nur etwas Anlauf zu nehmen, und schon erhebe ich mich in die Lüfte und fliege davon… Ich fliehe dabei nicht vor irgendwelchen Alltagsproblemen, nein, ich fliege, weil es mir so viel Spaß macht und es in meiner Traumwelt ein gängiges Fortbewegungsmittel ist.

Wir haben bei uns schon viel gehört über loben, preisen und danken. Und dennoch gibt es bestimmt auch immer wieder Situationen in unserem Leben, in den wir nicht mehr mit ganzem Herzen loben können…, wo uns das Loben sehr schwer fällt…, wo unsere Seele nicht mehr singt und freudig wegfliegen möchte.

Viele Ausleger sind der Meinung, dass Davids Psalm 103 geschrieben wurde, als der König David von seinem eigenen Sohn Absalom verfolgt wurde. Absalom hatte ja eine Palastrevolte, einen Putschversuch angezettelt. Nun ist David auf der Flucht vor seinem eigenen Sohn. Kann man in einer solchen Situation Gott noch loben? Menschlich gesehen – nein! David sitzt vielleicht auf einem Stein in der Wüste Juda, und ihm ist gar nicht nach Loben zumute. Aber er gibt seiner Seele einen Befehl

„Lobe den HERRN, meine Seele…“

So, jetzt könnte man erwarten, dass Davids Gottes Wohltaten aus der Vergangenheit aufzählt…, der Dir alle Deine Sünden vergeben hat, der Dich geheilt hat, der Dir bereits alles vergeben hat… Doch dem ist nicht so… Wie betet denn David? Er bleibt in der Gegenwart!

3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,
4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade
und Barmherzigkeit, 5 der deinen Mund fröhlich macht, und du
wieder jung wirst wie ein Adler.

David erkennt, dass derselbe Gott, den er in der Vergangenheit schon so oft erlebt hat, auch jetzt in seinen großen Nöten da ist. Merken wir: Loben zieht nach oben. Als David zum Loben ansetzt, da erfährt er auch in seiner misslichen Situation Seine Nähe und Gegenwart.

Singen wir aus Lied 477 die zweite Strophe:
„Und unter denselbigen Flügeln wie wunderbar ruhe ich aus, da ist meine Zufluchtstätte, mein festes, sicheres Haus. Der Feind mag über mir kreisen und zielen und spähn wie er will, die Flügel sind stark, die mich decken, und unter den Flügeln bleibst still.“

Kommen wir nun zum zweiten Punkt… Auf Adlers Flügeln getragen… Denn jetzt beschreibt David seine Erlebnisse mit einem wunderschönen Bild aus der Tierwelt.

5 …Deine Jugend erneuert sich wie bei einem Adler (Elberfelder)
5 …und du wieder jung wirst wie ein Adler (Luther)

Was meint denn nun David mit diesem Vergleich? Um das herauszubekommen, müssen wir uns jetzt einmal mit der Natur und dem Wesen eines Adlers beschäftigen. Ohne spezielle Kenntnisse können wir der Sache nicht auf dem Grund gehen. Also, auf geht’s mit einem Exkurs in die Biologie…

Der Adler gehört eigentlich zur Familie der Geier, er ist ein mächtiger Greifvogel, und dieser Vogel, der im vorderen Orient auch heute noch vorkommt, hat einige Eigenarten, die ihn von anderen Vögeln unterscheidet. Es gibt natürlich verschiedene Adlerarten. Da aber der Steinadler der einzige Greifvogel ist, der im Gebirge Sinai brütet, können wir heute mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass Moses von einem Steinadler spricht, als er in 5. Mose 32, 11 sagt

5Mo 32,11 Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie trägt auf seinen Schwingen,
5Mo 32,12 <so> leitete ihn der HERR allein, und kein fremder Gott war mit ihm.

Der Adler nimmt seine Jungen auf die Schwingen und trägt sie… Junge Adler werden also buchstäblich auf Adlers Flügeln getragen… Das gibt es kaum bei anderen Vögeln. Wann macht das der Adler? Wann nimmt er einen seiner Jungen auf die Schwingen? Die Antwort ist ganz einfach: Beim Fliegen lernen. Stellt Euch das einmal vor. Adler bauen ihr Nest, ihren Horst bis in einer Höhe von 2600 m Höhe, zum Beispiel eben auch im Sinai Gebirge. Dann legen sie Eier, brüten sie aus und dann sind auf einmal die kleinen Adler da und sollen zum ersten Mal fliegen… Sie krabbeln über den Nestrand hinaus, und wenn sie dabei nicht aufpassen, dann ist ihr erster Flug unter Umständen auch gleichzeitig ihr letzter… Wenn sie ihre Flügel nicht richtig stellen, dann stürzen sie ab wie ein Fallschirmspringer, dessen Fallschirm sich nicht öffnet… Wenn das die Adlereltern rechtzeitig sehen, vor allem die Adlermutter, die genau aufpasst, dann kommt sie, schnell wie ein Blitz, auf das abstürzende Adlerjunge zugeflogen und fängt es rechtzeitig auf, bevor es in dieser Felslandschaft zerschmettert werden kann. Könnt ihr Euch das vorstellen? Das ist eine hohe Flugschule! Die meisten Adlerjungen packen es schon beim ersten Versuch, doch die schwächeren unter ihnen werden aufgefangen von den gewaltigen Adlerflügeln und wagen einen zweiten oder auch dritten Versuch, bis es mit ihrem ersten Flug klappt. Jetzt haben sie das Fliegen gelernt.

Ist das nicht ein wunderbares Bild? Das sagt Moses von Gott. So trug Gott sein Volk Israel in der Wüste. Immer, wenn es abstürzen wollte, und das war mehrfach der Fall, hat Gott sein Volk aufgefangen und getragen. Und so trägt Gott auch heute noch seine Kinder, besonders die jungen Adler, die Junggläubigen, die oft noch besonders absturzgefährdet sind.

Dann lernen wir noch ein weiteres wichtiges Detail aus dem Leben eines Adlers, und dies hat jetzt ganz besonders mit unserem Psalm 103,5 zu tun. Der Adler hat nämlich keine regelmäßige Mauser. Jetzt wissen einige von uns nicht, was eine Mauser ist. Also, die meisten Vögel verlieren einmal jährlich ihre alten Federn und bekommen dafür neue. Diesen Vorgang nennt man Mauser. Andere Tiere verlieren ihr Fell und bekommen ein neues dafür. Und wir Menschen verlieren auch unsere Haare, wenn wir zum Friseur gehen… Gott sei Dank wächst es meistens wieder nach, zumindest bei den jüngeren!

Ein gängiges Sprichwort lautet: Er mausert sich…, er macht sich wieder wie neu… Er mausert sich, dieser Ausdruck kommt aus der Vogelwelt. Der Adler hingegen mausert sich nicht jedes Jahr! Ein Adler hat die Mauser nur sehr selten, oft nur ein bis zwei Mal in seinem Adlersleben. Wenn ein Adler dann doch einmal in die Mauser kommt, ist dieser Zustand für ihn ungeheuer kritisch und gefährlich. Nach der Mauser muss es aber für einen Adler ein herrliches Gefühl sein. Der Adler gilt als alt, wenn er in diese Mauser hineinkommt. Bis dahin sind die Federn immer länger geworden, die Röhren sind immer dicker geworden, und schließlich wird sein Federkleid so schwer, dass sich der Adler nicht mehr in die Lüfte erheben kann. Erst fliegt er nur noch selten, er wird träge vom Fliegen, und bald gibt er es dann ganz auf. Er geht nicht mehr auf die Jagd, er geht nicht mehr auf Beute aus… und er wird immer schwächer… Ein Problem folgt dem anderen…

Wollen wir da einmal anhalten? Das gibt es auch im geistlichen Leben, das Altwerden. Das hat nicht mit den Jahren zu tun, in denen man gläubig ist… Es gibt bestimmt geistliche 17 jährige Greise und andererseits auch 80 jährige Jugendliche, geistlich gesehen. Fragen wir uns doch einmal: Können wir noch fliegen, auf Beute aus sein? Können wir uns noch über Sein Wort freuen, wie einer, der fette Beute macht? Wir werden geistlich alt, wenn wir nicht mehr auf Beute aus sind. Wenn wir uns aber in der geistlichen Jugendkraft befinden, dann können wir noch im Gebet ringen mit dem HERRN, bis wir Beute gemacht haben, wie zum Beispiel Jakob, als er mit dem HERRN rang…
1Mo 32,27 Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.

Ich höre nicht auf zu beten, bis Du mir geantwortet hast… Dann kämpft man im Gebet um geliebte Menschen, die noch nicht gerettet sind… Wir möchten Beute machen… Wann bist Du das letzte Mal auf Beute aus gewesen? Wann hast Du das letzte Mal mit Gott um etwas gerungen? Nicht nur mal ein Gebetsanliegen gesagt, das machen wir ja alle… Wir möchten auch dann Beute machen, wenn wir interessiert und begeistert in der Bibel lesen… Wann hast Du zum letzten Male Nahrung gefunden in der Bibel? Wann hast Du dort ganz persönlich etwas Wichtiges entdeckt? Wir machen Beute, wenn uns dabei geistliche Kronleuchter aufgehen und wir neue Motivation und Wegweisung erhalten…
Der Adler ist alt, wenn er ganz träge keine Beute machen will und kann, wenn er sich nicht mehr ausstreckt, um nach Nahrung zu greifen. Dieser stolze Vogel, der sonst da oben so seine Kreise zieht, vor dem dort unten die Tiere zittern, er ist alt geworden, wenn er nicht mehr fliegt! Ja, wovon lebt er dann eigentlich noch, der Adler? Nun, in der ersten Zeit lebt er von den Resten und Knochen, die andere Adler auf seinem Horst zurücklassen. Die Adler haben ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl. Die Starken sorgen für die Schwächeren. Doch weil der alte Adler selber nicht mehr fliegt, passiert ein zweites. Es läuft ihm ein gelbes Harz aus dem Schnabel, ein Hornharz, und bildet eine Art Überschnabel. Weil der Adler seinen Schnabel durch Arbeit nicht mehr abwetzt, verschließt es ihm am Ende den Schnabel. Es ist fast unglaublich. Dieses Harz wächst über seinem Schnabel und wird dabei immer größer und dicker und verschließt ihm schließlich den Schnabel. Er kann dann nicht mehr fressen. Die Situation wird lebensgefährlich. Es beginnt mit den schweren Federn, man kommt nicht mehr hoch, es wird einem alles zu viel und nach einer Weile wächst der Schnabel zu. Jetzt kommt die große Krise. Zunächst ernährt er sich noch von den Brocken de anderen, dann lebt er von seinen eigenen Fettreserven, von seiner Substanz. Er verliert dabei so viel Kraft, dass er ein ganz trauriges Bild abgibt. Die Flügel hängen herunter und schleifen am Boden… Von seiner Größe und Majestät, die ein junger ausgewachsener Adler ausstrahlt, ist nichts mehr übrig geblieben. Er sieht ganz erbärmlich aus!

Aber damit noch nicht genug. Ein Ornithologe, ein Professor für Vogelkunde in Hannover, hat beobachtet, wie kleinere Vögel, Vögel, die kleiner sind als unsere Spatzen und sonst eine gehörige Portion Angst haben vor unseren Adlern, über diesem altersschwachen Adler drüber fliegen und dabei ihren Kot auf ihn werfen. Sie wissen: Er kann uns nichts mehr anhaben… Sie verspotten ihn und lassen über ihn ihre Häufchen fallen, weil er jetzt wehrlos und schwach ist…

Kennen wir das nicht manchmal auch? Zunächst machen wir keine Beute mehr, damit fängt alles an… Dann leben wir nur noch von den früheren Erfahrungen oder auch von den Brocken anderer, und am Ende werden diese Gläubigen, die einmal ein Überwinderleben geführt haben, beschmutzt und zum Spott gemacht von den kleinsten Kleinigkeiten. Sie haben keine Kraft mehr, sich zu verteidigen und zu überwinden… Das darf dann auf keinen Fall so bleiben.

Einige Adler überleben diese Mauser nicht. Die Mauserperiode ist ein Zeitraum gesteigerter Sterblichkeit und es kommt sehr darauf an, dass sie unter günstigen Bedingungen verläuft. Das ist aber nicht immer der Fall. Einige Adler schleppen sich in dieser kritischen Phase bis an den Rand ihres Horstes und stürzen vom Felsen herab. Es gab Christen, die sich in solchen Krisensituationen das Leben genommen haben. Einen davon habe auch ich gekannt.

Singen wir nun aus Lied 477 die dritte Strophe:
Ja, unter den Flügeln geborgen, und auf den Flügeln bewahrt, das gibt ein seliges Ruhen, das gibt eine glückliche Fahrt, das gibt ein sicheres Wissen bei wechselnder Pilgerschaft, denn unter den Flügeln ist Friede, und auf den Flügeln ist Kraft.“

Kommen wir nun zu Punkt drei, er hört sich äußerst viel versprechend an: Aus alt wird wieder jung! Doch wie kann solch ein Adler in solch einer lebensbedrohlichen Situation wieder jung werden?

Doch es funktioniert, denn dieser alte träge Adler bekommt auf einmal ganz plötzlich einen rätselhaften Impuls. Weißt Du, was er dann macht? Wie verrückt, fängt unser Adler dann auf einmal an, mit den Flügeln zu schlagen, und die schweren Federn, die nur noch lose in den Hüllen sitzen, fallen von ihm ab. Der Adler wird dabei völlig kahl und sieht nun aus wie ein gerupftes Huhn…, nachdem er seine Federn abgeschlagen hat. So sitzt der Adler auf seinem Horst. Er schlägt sich selber kahl! Und dann wetzt er seinen Überschnabel, der ihm gewachsen ist, am Felsen stundenlang ab…, sodass er dann wieder die Reste der anderen Adler fressen kann, die sie auf dem Horst für ihn zurückgelassen haben. So langsam päppelt sich unser Adler wieder auf… Aber das wichtigste kommt noch dazu: Es wachsen ihm neue Federn nach! Natürlich nicht über Nacht, es kann bis zu drei Monaten dauern, bis die Federn wieder vollständig nachgewachsen sind und sich unser Adler gemausert hat! Dann sieht man also nach einiger Zeit einen ausgehungerten Adler, wie er sich mit neuen Federn aufschwingt aus seinem Horst und wie er sich nach Monaten wieder einmal mit ausgefahrenen Krallen auf Beute stürzt! Und dann ist kein Kaninchen und unter Umständen auch kein Reh mehr vor ihm sicher! Der ausgehungerte Adler macht wieder fette Beute, er jagt wieder und wird zu einem Nahrungszuträger für andere, für zu junge oder auch für zu altersschwache Adler…

Doch etwas ist jetzt anders bei dem Adler, nach der Mauser. Dieser Adler nach der Mauser ist für Jäger und Fallensteller fast nicht mehr zu kriegen. Warum? Er besitzt die Erfahrung und Reife des Alters, kombiniert mit der Flugkraft und Dynamik eines jungen Adlers! Er kann mit ungeheurer Schwungkraft wieder auffahren mit Flügeln wie ein junger Adler!

Ist das nicht eine wunderbare Botschaft vom HERRN? Vielleicht ist der eine oder die andere von uns in einer solchen Situation, in der er oder sie Gott nicht mehr loben kann, vielleicht noch formal mit den Lippen, aber nicht mehr mit den Herzen?! Wenn wir gesundheitlich in eine Krise gekommen sind und die Ärzte nicht mehr weiter wissen, die Medikamente nicht anschlagen und mehr Nebenwirkungen als Wirkungen produzieren, gerade dann müssen wir auf den HERRN vertrauen. Er kann uns so anrühren, dass wir wieder jung werden wie ein Adler. Wenn vielleicht beruflich nichts mehr weitergeht und die Vorgesetzten immer mehr von uns verlangen, dann sollten wir erst recht auf den HERRN vertrauen. Er ist auch der HERR über unseren Chef! Krisen durchstehen, das ist auch so eine Art von Mauser. Noch ein Beispiel: Wenn Du im Dienst für den HERRN Enttäuschungen erlebt hast, in der Gemeinde vielleicht, wenn Du am liebsten alles hinschmeißen würdest, dann wird Dein Vertrauen nicht weg, sondern auf Jesus! Ihm diesen wir ja! Und nicht irgendwelchen Menschen oder einem Missionswerk!

Wenn der Adler alt geworden ist, gibt es nur einen Weg der Erneuerung. Er muss sich selber kahl machen, anders geht es nicht. Er käme sonst nie wieder in die Lüfte. Er muss das Alte abschütteln, er muss sich selber kahl machen! Die Schrift zeigt uns doch auch in geistlicher Hinsicht keinen anderen Weg! In Micha steht noch ein Vers, der zu unserem Thema etwas zu sagen hat, nämlich Micha 1,16

Mi 1,16 Lass dir die Haare abscheren und geh kahl um deiner verzärtelten Kinder willen; ja, mach dich kahl wie ein Geier…

Mache Dich kahl…, das heißt: Leg einmal alles von Dir ab, Deine groben und Deine feinen Sünden, auch Hochmut und Stolz, leg einmal alles ab, mache Dich kahl…, nicht nur einmal bei Deiner Bekehrung… Beuge Dich immer wieder einmal vor Gott, mache Dich kahl, wirf all Deine Sorgen auf Jesus hin, bekenne dabei Schuld und Sünde… Mache Dich kahl, mausere Dich!

Woran erkennen wir Menschen, die sich schon lange nicht mehr kahl gemacht haben, denen das sehr schwer fällt? Ganz einfach: Die haben immer recht und sie können sich nie oder nur um äußersten Notfall einmal entschuldigen.

Machen wir uns kahl. Haben wir doch dabei keine Angst, unser Gesicht zu verlieren… Wir verlieren dabei nur eine Maske… Das wahre Gesicht bleibt ja angewachsen.

Auch der König David hat in vielen Bereichen versagt, vor allem in seiner Ehe und in seiner Familie. Als Absalom gegen ihn aufsteht, verlässt er Jerusalem im Büßergewand…, barfuss, mit Asche auf dem Haupt. David machte sich kahl, er steigt hinunter von seinem Thron und legt seinen Stolz ab. Der Adler, der sich nicht kahl macht, wird an seiner Mauser kaputtgehen…, aber der Adler, der dieses Wort ernst nimmt, sich demütigt und sich kahl macht, der wird wieder jung werden ganz gewiss! Also, das ist der Weg, mache Dich selbst kahl! Zeige Dich, wie Du bist! Geh mit Deiner Schuld und Deinem Versagen unter das Kreuz von Golgatha, rede offen über Deine Nöte. Wenn wir dazu bereit sind, hilft uns der HERR, Er erneuert uns immer wieder, gibt uns Gnade zu einem neuen Anfang und wir dürfen das Wunder erleben, das neue Federn wachsen und wir wieder jung werden und fliegen können wie ein junger Adler!

Dann fangen wir auch wieder an, den HERRN im Gebet zu suchen, mit ihm zu rechnen…! Dann können wir wieder auf seine Verheißungen bauen, dann lesen wir unsere Bibel wieder, um Beute zu machen, dann gehen wir auch wieder sehr gerne in die Gemeinde, dann kommt unsere frühere Zeugniskraft zurück…. Kurz gesagt, die erste Liebe brennt wieder bei jemanden, der wieder jung geworden ist wie ein Adler! Dann können wir wieder buchstäblich das Jesajawort erleben, siehe Jesaja ab 40,28

Jes 40,28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Jes 40,29 Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.
Jes 40,30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen;
Jes 40,31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Das ist Gottes Wille für uns, dass wir aus Seiner Kraft heraus leben und wir dabei auffahren und fliegen wie ein junger Adler…

Singen wir nun aus Lied 548 die erste Strophe:
„Im Kreuz ist unsre Kraft verborgen, nimm sie nur gläubig an! Geh Schritt für Schritt und lass Ihn sorgen, Er führt auf rechter Bahn! Denn die da harren auf den HERRN, kriegen neue Kraft, sie fahren auf mit Flügeln, sie fahren auf mit Flügeln wie Adler. Sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn` Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn`Ermüden, sie laufen ohne matt zu werden und wandeln mühelos.“

Ich muss jetzt zum Schluss kommen. Von Psalm 103 ausgehend, haben wir darüber nachgedacht, dass es Situationen in unserem Leben geben kann, in denen wir Gott scheinbar nicht mehr loben können. Aber bei David haben wir es gesehen, wie er es dennoch tut und wie er dabei in die Gegenwart des HERRN durchbricht. Er erfährt, wie er dabei jung wird wie ein Adler.

In Stuttgart gibt es einen Stadtzoo, die Wilhelma, und dort können wir auch Adler beobachten, Steinadler, die Könige der Lüfte, mit 2,20 Meter Flügelspannweite! Aber in Stuttgart sitzen sie in Käfigen, vielleicht vier Meter breit. Dort können sie gerade mal mit ihren Flügeln ein bisschen wackeln. Aber sie können nicht fliegen… Sie sitzen im Käfig. Vögel, mit den bestmöglichen Flugeigenschaften, die es gibt, aber gefangen im Käfig! Das erinnert wieder an den schwerfälligen Adler im Horst, der seine Mauser noch nicht abgeworfen hat. Im übertragenen Sinne erinnert es mich daran, dass uns die Sünde gefangen hält, wie in einem Käfig. Man kann mit den besten Eigenschaften in der Sünde gefangen sein…, weil Stolz da ist und Hochmut und Schuld, weil wir gebunden sind an so viele Dinge, die uns nicht alle gut tun… Wir sitzen dann wie der Steinadler im Käfig und können nicht davonfliegen. Das ist die beste Gelegenheit, sich kahl zu machen wie ein Adler, mit dem ganzen gelebten Leben, zu Jesus zu kommen, vor Ihm alles abzulegen, die Sünden zu bekennen und Ihn anzunehmen, wenn Du es bisher noch nicht getan hast.

Nur Jesus kann uns doch nur von alledem freimachen. Jesus kam doch deshalb vom Himmel zu uns auf diese Erde. Bildlich gesprochen, legte Er dabei sein göttliches Gefieder ab und ging an das fürchterliche Kreuz und machte sich dort auch kahl wie ein Adler, als Er dort hing. Und dann ist er auferstanden, nachdem Er für unsere Sünden gelitten hat… Nachdem Er den Tod besiegt hat, lagen auch unsere Sünden nicht mehr auf Ihm. Bildlich gesprochen hat Er sich davon losgemausert und ist aufgefahren wie ein Adler in den Himmel…

Das wird auch uns passieren, wenn wir uns kahl machen, Schuld und Sünde bekennen, möglichst nicht nur einmal im Leben, bei unserer Bekehrung. Dann können wir uns immer wieder von unseren Lasten mausern und auffahren wie ein junger Adler, letztendlich in Sein Himmelreich hinein. Zum Schluss möchte ich all das Gesagte noch einmal zusammenfassen mit den Versen aus Psalm 103, 1-5

Ps 103,1 Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Ps 103,2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat
Ps 103,3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,
Ps 103,4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
Ps 103,5 der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Amen!

Singen wir nun aus Lied 548 die letzte Strophe:

„Freut Euch, denn Er ist immer mit uns, ja sicher bis ans End. Blickt auf, seid mutig und geht vorwärts, die nöt`ge Kraft er spend`t. Denn die da harren auf den HERRN, kriegen neue Kraft, sie fahren auf mit Flügeln, sie fahren auf mit Flügeln wie Adler. Sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn` Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn`Ermüden, sie laufen ohne matt zu werden und wandeln mühelos.“