Kurzpredigt Jürgen, Sonntag, den 29. Januar 2006
Matth 11,28 – 30
Kommt her zu mir alle…


Unser heutiger Bibeltext gehört zu meinen allerliebsten Bibelversen. Nicht nur bei meiner Bekehrung haben diese Verse eine äußerst bedeutungsvolle und praktische Rolle gespielt. Auch heute wende ich diese Verse mehr oder weniger tagtäglich an. Lesen wir nun diese bekannten Worte von Jesus aus dem Matthäusevangelium…

Mt 11,28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. a
(a) Kap 12,20; 23,4; Jer 31,25
Mt 11,29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr a Ruhe finden für eure Seelen.
(a) Jes 28,12; Jer 6,16
Mt 11,30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. a
(a) Lk 11,46; 1. Joh 5,3

Wenn wir uns nun kurz den Zusammenhang anschauen, in dem diese Verse stehen, entdecken wir bald, dass unser Herr Jesus fürchterlich enttäuscht ist über einige Städte und deren Bewohner, in denen Er viele Wunder getan hat. Doch die Bewohner von Chorazin und Bethsaida haben keine Buße getan und haben sich nicht zum HERRN bekehrt. Entmutigt und enttäuscht ruft Jesus aus:

Mt 11,21 Wehe dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wären solche Taten in Tyrus und Sidon geschehen, wie sie bei euch geschehen sind, sie hätten längst in Sack und Asche Buße getan.

Die stolzen Bewohner dieser Städte lehnen unseren HERRN ab.

Das erinnert mich sehr an die Begebenheit, die uns Jesus im Lukasevangelium erzählt:

Lk 14,16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein.
Lk 14,17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit!
Lk 14,18 Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.
Lk 14,19 Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.
Lk 14,20 Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen.
Lk 14,21 Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein.
Lk 14,22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da.
Lk 14,23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.

Auch hier lädt ein Gastgeber viele selbstzufriedene Menschen zu einem feierlichen Mahl ein, Menschen denen es offensichtlich sehr gut geht. Auch sie lehnen diese Einladung ab. Der Gastgeber, es ist offensichtlich unser HERR Jesus, wird auch hier zornig und lädt daraufhin all die Armen, Verkrüppelten, Blinden, Lahmen und Obdachlosen seiner Stadt ein… es sind die Unmündigen, aber Erwählten, es sind die Mühseligen und Beladenen aus unserem heutigen Bibeltext… Mit was für einer Liebe wirbt er um sie, nachdem ihm die Leichtlebigen und Lebenslustigen so sehr enttäuscht haben…

Mt 11,28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken

Die Last ihrer Sünden wird sie bedrücken, hervorgerufen durch die Last des jüdischen Gesetzes, mit den Forderungen ihrer religiösen Eiferer… Viele von ihnen mögen auch mühselig und beladen sein, weil sie ganz einfach von ihren Herren und Sklavenhaltern oder auch ganz einfach von ihrer damaligen römischen Besatzungsmacht unterdrückt werden… Oder es sind dämonische Lasten, die auf ihnen liegen… Der Teufel quält sie ganz einfach noch, weil sie noch ihm gehören und nicht unserem allmächtigen Gottvater und unserem HERRN Jesus. Nachdem die stolzen und selbstbewussten Bürger die zutiefst uneigennützige Liebe unseres HERRN abgelehnt haben, wendet sich Jesus mit Seiner geradezu verzweifelt suchenden Liebe an die mühselig Beladenen unter uns. Jesus möchte sie so gerne von all ihren Lasten befreien. Jesus möchte sie erquicken, indem er ihnen Liebe, Heilung und Frieden schenkt…

Doch wie möchte Jesus dabei vorgehen? Jesus verspricht den mühselig Beladenen dabei nicht das Ende aller anstrengenden Arbeit,
nein, sogar das Gegenteil könnten wir hier vermuten, wenn wir den nachfolgenden Versteil lesen

Mt 11,29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir…

Ein Joch soll ihnen dabei auferlegt werden. Ein Joch ist eine Vorrichtung aus Holz, die auf den Nacken eines oder mehrerer Ochsen passt. Es wird mit einem Gerät verbunden, das diese Ochsen ziehen sollen. Wenn ein Ochse solch ein Joch trägt, heißt das, dass er den ganzen Tag schwer arbeiten muss….

Dies erinnert mich wiederum an eine weitere Aussage unseres HERRN aus Lukas 9,23:

„Jesus sprach zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach…“

Wie sollen und können wir uns das vorstellen, dass ein Joch oder gar ein Kreuz zu unserer täglichen Erquickung beiträgt? Wir sind doch keine Masochisten, die ihre Befriedigung nur im Erdulden und im Erleiden von körperlichen und seelischen Quälereien finden?

Wenn wir unser Joch auf uns nehmen sollen, dann bedeutet das zunächst einmal wie es hier in dieser Parallelstelle beschrieben ist, das wir nun nämlich verleugnen sollen und unser Kreuz täglich auf uns nehmen.

Was bedeutet denn hier das „sich verleugnen?“ Konservative Pietisten und auch wortwörtliche Bibelausleger meinen hier vielleicht, dass wir uns ganz selbst aufgeben müssten vor unserem HERRN, dass wir sozusagen in Sack und Asche vor Ihm immer wieder Buße tun müssten, auf einem staubigen Boden vor uns her kriechend…. Nichts sei uns dabei mehr vergönnt, kein Hab und Gut, keine liebevolle Annehmlichkeit und erst recht kein eigener Lebenswille mehr… Wir wären demnach ein Nichts, ein Nichts, das sich selbst verleugnet hat. Ein Nichts ist tot, es hat keine Freude mehr, es kann allerdings auch nicht mehr sündigen… Wer schläft, der sündigt nicht…, so ein bekanntes Sprichwort! Bei einer solchen Selbstverleugnung wären wir schon viel eher Masochisten, die meinen, sie würden dem HERR durch solch eine Selbstquälerei und Selbstaufgabe eine Freude bereiten… Mit einer solch falsch verstandenen Buße meinen wir vielleicht, dem HERRN eine Freude zu bereiten, um uns so vielleicht den Himmel zu verdienen… Doch solch eine Selbstverleugnung ist dem HERRN ein Gräuel…

Sich selbst verleugnen, das heißt ganz einfach, immer mehr dem HERRN zu vertrauen und dabei immer weniger auf die eigene vorhandene Kraft setzen, siehe

Joh 3,30 Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.

Stellen wir uns dabei doch einmal einen Skispringer vor, der oben auf der Schanze steht und auf seinen Absprung wartet… Seine eigene Kraft kann ihn hier nicht retten, wenn er hier mit zunehmender Geschwindigkeit in den Abgrund hinunter fliegt. Der Skispringer vertraut auf die Naturgesetze, er kennt die aerodynamischen Zusammenhänge, wenn er nun mutig hinunter springen will. Sich selbst verleugnen…, das heißt hier, sich einfach vom Schanzenturm abzustoßen, um den Sprung zu wagen…. Sich selbst verleugnen heißt ganz einfach, Glaubensschritte zu wagen und dabei ganz dem HERRN Jesus zu vertrauen…

Doch nun soll ich auch noch in meiner Nachfolge ein Joch tragen beziehungsweise täglich mein Kreuz auf mich nehmen? Was soll das denn heißen? Das packe ich doch nie, gerade wenn ich an unseren hart arbeitenden Ochsen denke oder auch an Jesus, dessen Kreuz Simon von Kyrene teilweise bis nach Golgatha hinauf mitgetragen hat… Wie soll ich denn das alles alleine schaffen…?

Also, wenn mich schon mal Jesus dazu auffordert, einen Marterpfahl auf mich zu nehmen, dann mache ich das auch… Ich gehe nur einige wenige Schritte, und dann sehe ich jemanden an meiner Stelle schon am Kreuz hängen… Es ist mein HERR Jesus, voller grauenhafter Schmerzen, verblutend… Jesus hängt bereits an meiner Stelle am Kreuz! Er trägt meine Strafe und stirbt bereitwillig, uneigennützig und voller Liebe zu mir, für mich und für meine Sünden. Ich brauche nur noch Seine Begnadigung annehmen… Das kann ich auch täglich tun, und schon wird mir die auferlegte Last so leicht… Ich brauche nur noch alle meine Lasten und Jöcher und Sorgen auf Ihn zu werfen, und schon werde ich erquickt! Jesus trägt mit, Er hat meine Last auf sich genommen. Ich bin kein mühselig Beladener mehr!
Sein Wort ist wahr…:

Mt 11,28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Mt 11,29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Mt 11,30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Amen!

Singen wir nun aus Lied 548 die erste Strophe

„Im Kreuz ist unsere Kraft verborgen, nimm sie nur gläubig an! Geh Schritt für Schritt und lass Ihn sorgen, Er führt auf rechter Bahn! Denn die da harren auf den HERRN, kriegen neue Kraft, sie fahren auf mit Flügeln, sie fahren auf mit Flügeln wie Adler. Sie laufen, ohne matt zu werden, wandeln ohn Ermüden, sie laufen ohne matt zu werden, wandeln ohn Ermüden, sie laufen, ohne matt zu werden und wandeln mühelos!“