Predigt Jürgen
25. Februar 2007
Aaron – Ihr sollt heilig sein

Jetzt am Ende dieser bayrischen Winterferien können wir verschiedene Arten von Urlaubern beobachten. Die einen sitzen dick vermummt mitten in einem Stau fest, vielleicht am Irschenberg, sie kommen gerade aus einem Skiurlaub zurück. Nur ihr Gesicht zeigt eine gewisse Bräune. Auf dem Münchener Franz Josef Strauß Flughafen dagegen ein ganz anderes Bild: Viele Urlauber sind luftig gekleidet, womöglich in Hawaii – Hemdchen, wir können ihre frisch gewonnene Bräune ohne Einschränkungen bewundern. Die einen sind luftdicht eingepackt, die anderen hochsommerlich bekleidet, je nach dem, aus welchen Orten sie gerade heimkehren. Sie haben sich angepasst. Wir müssen uns anpassen. Es ist bestimmt kein großes Vergnügen, in der Badehose Ski zu fahren oder mit dem Skianzug am Strand zu liegen. Im richtigen Leben müssen wir uns oft anpassen, sei es an bestimmte Arbeitszeiten im Schichtbetrieb, sei es an bestimmte Kleidervorschriften bei besonderen Feierlichkeiten, sei es an notwendige Geschwindigkeitsbegrenzungen auf unseren Straßen, sei es an unsere oft nicht gerade üppigen Gehälter, wenn wir nach ihnen unseren Lebensstil ausrichten müssen, sei es an eine eingeschränkte Lebensmittelauswahl, wenn wir eine bestimmte Diät einhalten müssen, sei es an einen unbeherrschten und launigen Chef, wenn wir nicht gerade unseren Job verlieren möchten.
Wir müssen uns an unsere Gesetzgebung anpassen, an das Grundgesetz und an das bürgerliche Gesetzbuch beispielsweise. Wir müssen uns anpassen. Das ist gut und richtig. Wenn wir uns in all diesen Dingen nicht anpassen, dann kann es uns unter Umständen bald sehr schlecht gehen, sei es dass wir im Gefängnis sitzen, auf der Strasse liegen oder im Krankenhaus dahinvegetieren. Wir müssen unser Leben anpassen, wenn wir Ärger vermeiden und unser Leben nicht aufs Spiel setzen wollen. Das ist gut und richtig. Doch manchmal ist das falsch.

Gottes Wort warnt uns Christen sogar regelrecht davor, total angepasst in dieser Welt zu leben, weil wir nämlich unser Bürgerrecht bereits im Himmel haben (Philipper 3,20)… Lesen wir dazu

Kol 2,20 Wenn ihr nun mit Christus den Mächten der Welt gestorben seid, was lasst ihr euch dann Satzungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der Welt:

1Jo 2,15 Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.

Doch was ist dann nicht so gut in dieser Welt, an was sollten wir uns lieber nicht anpassen? 1. Joh. 2,16, ein Vers weiter, gibt eine Antwort darauf…
1Jo 2,16 Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt.

Oder frei übertragen, nach „Hoffnung für alle“

1Jo 2,16 Was gehört nun zum Wesen dieser Welt? Menschliche Leidenschaften, die Gier nach Besitz und Macht, überhaupt ein Leben voller Selbstgefälligkeit und Hochmut. All dies kommt nicht von Gott, unserem Vater, sondern gehört zur Welt.

Auch das Volk Israel ist auf dem totalen Trip der Anpassung. Gottes auserwähltes Volk 1. will so sein wie die anderen Völker (Hesekiel 20,32), 2. will auch einen König haben wie die anderen Völker (1. Sam 8,6) und 3. will dieselben Götter haben wie die anderen Völker (5. Mose 29,25).. So passen sich die Israeliten nach und nach den anderen Völkern an.

Heute wollen wir einen Mann aus dem Alten Testament kennen lernen, den Gott dazu erwählt hat, sich eben nicht dieser Welt anzupassen, sondern, im Gegenteil, sich von ihr abzusondern. Es gelingt ihm wahrhaftig nicht immer, wir werden es später noch erleben. Dazu ist dieser Mensch mit all seinen Wünschen und Bedürfnissen eben noch zu sehr ein Mensch, ein Sünder, geblieben. Doch unser himmlischer Vater hat ihn dazu berufen und ausgesondert, als erster Priester Gottes in der Geschichte Israels zu diesen. Heute wollen wir Aaron ein wenig näher kennen lernen.

Nach diesen einleitenden Gedanken folgt nun eine Gliederung zu unserer heutigen Predigt.

1. Aaron – ein Lebensbild
2. Aarons Priesterschaft
3. Ihr sollt heilig sein…

Schlussgedanke… auch wir sind auserwählt, trotz unserer Schwächen!

Singen wir nun aus dem Lied 201 die erste Strophe:

„Ich bin durch die Welt gegangen, und die Welt ist schön und groß, und doch ziehet mein Verlangen mich weit von der Erde los.“

Es folgt ein längeres Zitat aus „Personenlexikon: Wer ist wer in der Bibel“, Brockhaus Verlag, Wuppertal:

„Aaron ist neben Mose eine der zentralen Figuren während des Auszugs aus Ägypten. Er wächst als mittleres Kind von Amram und Jochebed auf, zusammen mit seiner älteren Schwester Mirjam und dem drei Jahre jüngeren Bruder Mose (2Mo 7,7). Später heiratet er Elischeba und bekommt vier Söhne: Nadab, Abihu, Eleasar und Itamar (2Mo 6,23)... Nachdem Mose von Gott am brennenden Dornbusch zum Führer und Befreier Israels berufen worden war, kehrt er nach Ägypten zurück und trifft dort auf seinen Bruder. Gott macht Aaron zu Moses Sprecher (2Mo 4,14), und gemeinsam treten die Brüder vor den Pharao, um von ihm die Freiheit der Hebräer zu fordern (2Mo 5). Anfangs wirkt er durch seinen Stab einige Wunder (2Mo 7,9.19; 8,1.12): Als er den Stab zu Boden wirft, wird dieser zur Schlange und verschlingt die »Stab-Schlangen« der ägyptischen Magier, er macht durch den Stab das Wasser des Nils zu Blut und löst die Frosch- und Stechmückenplage aus (2Mo 7,8; 7,19; 8,5.16). Später ist nur noch berichtet, dass Moses so einen Stab hat, mit dem er Wunder vollbringt.

Verglichen mit seinem dynamischen Bruder ist Aaron keine Führerpersönlichkeit. Nur an einer Stelle wird sein Name zuerst genannt, obwohl er der ältere Sohn ist (4Mo 3,1), und nur zweimal spricht Gott direkt zu ihm (2Mo 4,27; 4Mo 18,1-20). Zwar handelt Aaron zweimal auch unabhängig von Mose - doch beide Male geht es gründlich schief: Als Mose sehr lange auf dem Berg Sinai bleibt, wo er die 10 Gebote erhält, gibt Aaron dem Drängen des Volkes nach und errichtet ein goldenes Stierbild, das von den Hebräern als Götze angebetet wird. Von seinem Bruder zur Rede gestellt, schiebt Aaron alle Schuld dem Volk zu (2Mo 32). Er zieht den Zorn Gottes auf sich. Doch Mose rettet ihn durch seine Fürbitte (5Mo 9,20). Das zweite Mal ist Mirjam die treibende Kraft: Im zweiten Jahr der Wüstenwanderung nehmen sie und Aaron Anstoß an Moses kuschitischer Frau und zweifeln seine besondere Stellung vor Gott an. Mirjam wird mit Aussatz bestraft, doch als Aaron bei Mose für sie eintritt, wird sie geheilt (4Mo 12)...

Seine Bedeutung liegt darin, dass Gott ihn zum Hohenpriester Israels beruft (3Mo 8). Er und seine Söhne werden als Priester eingesetzt, um in der Stiftshütte Dienst zu tun (2Mo 28,1; 3Mo 8,1). Aaron wird mit heiligem Öl gesalbt und ist fortan »der gesalbte Priester« (3Mo 4,3 u.a.). Er erhält besondere Kleider, die seine Stellung hervorheben: das Kopfband seines Turbans trägt die Aufschrift »Heilig dem Herrn« (2Mo 28,36); sein Ephod - ein Überwurf über Brust und Rücken - enthält ein Brustschild mit zwölf Juwelen (für jeden Stamm einen) und Platz für die Aufbewahrung der Urim und Thummim, Gegenstände, mit deren Hilfe das heilige Los zur Ermittlung von Jahwes Willen geworfen wurde (2Mo 28,15). Doch sein Amt ist begrenzt, was besonders daran deutlich wird, dass er vor seinem Tod die Priesterkleidung ablegen muss. Auch Hebr 7-9 betont deutlich, dass das aaronitische Priestertum vorläufig und unzulänglich ist, im Gegensatz zum messianischen »nach der Ordnung Melchisedeks«.

Aarons Söhne Nadab und Abihu bringen noch am Tag ihrer Priesterweihe ein Feueropfer dar, das Gott nicht befohlen hatte, und müssen dafür sterben (3Mo 10,1). Aaron wird unter Androhung des Todes verboten zu trauern. Dadurch zeigt Gott, wie ernst er den Dienst des Priesters nimmt (3Mo 10,6): »Ich erzeige mich heilig an denen, die mir nahe sind, und vor allem Volk erweise ich mich herrlich« (3 Mo 10,3).

Als der Levit Korach mit 250 Israeliten gegen die Führung Moses und das auf Aaron und seine Söhne beschränkte Priestertum protestiert, schickt der Herr eine vernichtende Plage unter die Israeliten, die Aaron erst durch ein Opfer beendet (4Mo 16). Daraufhin bestätigt Gott das Priestertum Aarons erneut und lässt den Stab Levis, auf dem Aarons Name steht, ausschlagen und blühen (4Mo 17,23). Nach Hebr 9, 4 findet dieser Stab dann seinen Platz in der Bundeslade.

Als Mose bei Kadesch zweimal mit dem Stab an den Felsen schlägt, anstatt nur zu ihm zu reden, wie Gott es befohlen hatte, erklärt Gott Aaron für mitschuldig. Beiden erlaubt Gott darum nicht, das verheißene Land zu betreten (4 Mo 20). Kurz danach beruft der Herr Aaron ab und schickt Mose mit Aaron und dessen Sohn Eleasar auf den Berg Hor. Dort zieht er Aaron die hohenpriesterlichen Kleider aus und legt sie Eleasar an, der damit an die Stelle seines Vaters tritt. Aaron stirbt im Alter von 123 Jahren und wird 30 Tage lang beweint (4Mo 33,39; 4 Mo 20,23-29).“

Singen wir nun aus Lied 201 die zweite Strophe
„Ich habe die Menschen gesehen, und sie suchen spät und früh, sie schaffen und kommen und gehen, und ihr Leben ist Arbeit und Müh`.

Aaron wird von Gott ausgesondert, um Ihm zu dienen, zu dienen an Seinem Heiligtum, der Stiftshütte, um Ihm dort immer wieder Opfer zu bringen. Für Aaron ist es ein großes Vorrecht, so nahe bei Gott zu sein. Aber weil damit auch eine große Verantwortung verbunden ist, werden an Aaron hohe Anforderungen gestellt, höher als an das übrige Volk.

Oft genug vergessen wir, dass Gott auch uns erwählt hat, um Ihm zu dienen. Wie bei Aaron! Aaron ist nur ein Bild für das, was Gott mit uns getan hat und mit uns vorhat. Wir sind, wir auch Aaron, zu einer Priesterschaft berufen. Der Apostel Petrus schreibt dazu seinen gläubigen Lesern

1Petr 2,5 lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus!

Auch wir sind zu einer geistlichen Priesterschaft berufen!

1Petr 2,9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat;

Wie Aaron sind wir ausgewählt, um Gott zu dienen. Mit uns ist ja etwas geschehen. Gott hat an uns etwas getan, was Er sonst mit den übrigen Menschen um uns herum nicht getan hat. Gott hat uns erlöst, uns befreit von unseren Sünden. Nachdem ich zum Glauben gekommen bin, haben die meisten Menschen aus meiner Umgebung gemerkt, dass ich irgendwie anders geworden bin. Und wozu? Damit ich frei werden darf von all den Zwängen, die mir die Sünde auferlegt hat. Gott hat mich nicht zum Däumchen drehen berufen, sondern darum, Ihm zu dienen. Aber auch ich vergesse sehr oft, dass dies ein Vorrecht ist. Doch wie Aaron damals haben wir eine besonders enge Beziehung zu Gott, wir sind Kinder des Vaters! Und wir haben den besonderen Auftrag, in dieser geistlichen Priesterschaft ein Botschafter an Christi Stelle zu sein.

Mit dieser hohen Verantwortung sind auch hohe Anforderungen verbunden. Das sollten wir wissen. Die Anforderungen an Aaron sind höher als die Anforderungen an das übrige Volk.

1. Aaron darf sich nicht verunreinigen. Dies dürfen die anderen Juden natürlich auch nicht. Bei Aaron ist Gott genauer. So darf er keine Toten berühren, es sei denn, es handelt sich um Familienangehörige.

2. Aaron muss tadellos sein. Als Priester darf er keine gravierenden körperlichen Makel aufweisen.

3. Aaron darf keinen Gottesdienst leiten, wenn er sich irgendwie verunreinigt hat.

4. Seine Söhne, die auch Priester werden, müssen besondere Vorschriften bei der Eheschließung beachten.

5. Eine Nichtbeachtung hat schwere Folgen, in manchen Fällen droht sogar die Todesstrafe.

Das ganze dritte Buch Mose beschäftigt sich mit diesen Vorschriften, die das Thema Aussonderung und Heiligung beschreiben. Dieses Thema ist Gott so wichtig.

Singen wir nun aus Lied 201 die dritte Strophe:
„Sie suchen, was sie nicht finden in Freude und Ehre und Glück, und sie kommen belastet mit Sünden und unbefriedigt zurück.“

Hätte Aaron all diese Ordnungen nicht befolgt, so hätte er Gottes Namen entweiht

3Mo 22,2 Sage Aaron und seinen Söhnen, dass sie achtsam seien mit dem Heiligen der Israeliten, den Gaben, die sie mir heiligen, damit sie meinen heiligen Namen nicht entheiligen. Ich bin der HERR.

Über dem Leben von Aaron stehen Begriffe wie „Heiligung, Weihung, Hingabe, Absonderung, keine Verunreinigung, Reinheit und Salbung“. Alle Wesensmerkmale, die mit diesen Begriff zu tun haben, möchte Gott an Seinem Diener sehen.

Interessant ist, dass diese Wesensmerkmale auch heute noch gelten. Nicht die einzelnen praktischen Dinge, die Aaron zu befolgen hat, sondern die allgemeinen Wesensmerkmale, siehe 1. Petrus 1

1Petr 1,15 sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel.
1Petr 1,16 Denn es steht geschrieben 3. Mose 19,2: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.«

Doch da gibt es ein Problem, wir wissen es. Es ist wirklich nicht leicht, diese Forderung von Petrus zu befolgen. Vielleicht sagst Du: „Das will ich gerne“. Aber der Wunsch reicht nicht aus. Tagtäglich stellen wir fest, dass wir dies aus eigener Kraft nicht können. Da sind so viele Niederlagen und Versager… Dieses Erleben drückt Paulus so aus, siehe

Röm 7,15 Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.
Röm 7,18 Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.

Paulus weiß, dass wir aus eigener Kraft nicht dermaßen hingegeben und rein und heilig leben können. Deshalb gibt er uns einen wichtigen Hinweis, siehe

2Kor 6,16 Was hat der Tempel Gottes gemein mit den Götzen? Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie denn Gott spricht: »Ich will unter ihnen wohnen und wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.«
2Kor 6,17 Darum »geht aus von ihnen und sondert euch ab«, spricht der Herr; »und rührt nichts Unreines an, so will ich euch annehmen
2Kor 6,18 und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein«, spricht der allmächtige Herr
2Kor 7,1 Weil wir nun solche Verheißungen haben, meine Lieben, so lasst uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und die Heiligung vollenden in der Furcht Gottes.

Wir sind nicht allein. Gott ist mitten unter uns. Das heißt, Er hilft uns bei dem Prozess der Heiligung. Wir sollen uns absondern in dem Bewusstsein, dass wir Gottes Kinder geworden sind. Dabei sollen wir uns immer wieder die Heiligkeit Gottes vor Augen führen. Dann werden wir vor Furcht erfüllt. Furcht? Angst? Wenn wir Gott in Seinem Wort anschauen und erleben, dann soll uns Ehrfurcht packen, Achtung und Hochachtung!

Dazu gehört auch, dass wir uns daran erinnern, welchen Preis Gott für unsere Erlösung bezahlt hat. Wir sind erkauft durch das teure Blut des Sohnes Gottes. Ein überaus hoher Preis wurde für uns bezahlt. Wir gehören uns nicht mehr selbst.

Hans Peter Royer, Leiter des evangelikalen Ferienzentrums und der Bibelschule Tauernhof in Schladming in Österreich, war in der vergangenen Woche bei Wort des Lebens und hat bei uns ein Bibelseminar geleitet. In einer Mitarbeiterandacht hat er kurz und bündig definiert, was ein echtes Christsein ausmacht. Nicht mit dem HERRN Jesus in der Vergangenheit zu leben („ja, damals, bei meiner Bekehrung…“), auch nicht in der Zukunft („…im Himmel wird alles viel besser“), sondern in der Gegenwart! Es ist entscheidend wichtig, mit dem HERRN jetzt zu leben, mit Seiner permanenten Anwesenheit und Hilfe jetzt zu rechnen! Dann haben wir uns von dieser Welt abgesondert, dann leben wir eben nicht mehr traditionell und religiös, sondern ganz lebendig in Seiner Liebe und Gnade!

Singen wir nun aus Lied 201 die vierte Strophe:
„Es ist eine Ruh vorhanden, für das arme, müde Herz. Sag es laut in allen Landen: Hier ist gestillet der Schmerz.“

Aaron hat, als er ein Priester wird, sein Leben geändert. Sein Privatleben, seine Freizeit, sein Alltag wird von seinem neuen Auftrag beeinflusst.

Wer als Christ zu dieser geistlichen Priesterschaft gehört, ist anders und lebt anders. Schlechte Karten für den, dessen Herz noch an Dingen hängt, die nicht mehr zu seinem neuen Leben passen. Deshalb fordert uns die Schrift immer wieder dazu auf, nicht mehr diese Welt lieb zu haben mit all ihren schlechten Sitten und ihrem Zeitgeist. Ganz am Anfang haben wir hierzu diesen Vers aus 1. Joh zitiert

1Jo 2,15 Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.

All die Bosheiten, die in dieser Welt so sehr geliebt wird, beschreibt Paulus sehr drastisch in Römer 1 (nach „Hoffnung für alle“)

Röm 1,29 Sie sind voller Unrecht und Schlechtigkeit, voll von Habgier, Bosheit und Neid; Mord, Streit, Hinterlist und Verlogenheit bestimmen ihr Leben.
Röm 1,30 Einer wie der andere sind sie gemeine Verleumder und Gotteshasser, dazu anmaßend und überheblich. Um sich Erfolg zu verschaffen, ist ihnen jedes Mittel recht. Sie verachten ihre Eltern,
Röm 1,31 sind unvernünftig, treulos, lieblos und unbarmherzig.
Röm 1,32 Dabei wissen sie ganz genau, dass sie nach dem Urteil Gottes dafür nichts anderes als den Tod verdient haben. Trotzdem lassen sie sich nicht von ihrem schändlichen Tun abbringen, sondern freuen sich noch, wenn andere es genauso treiben.

In Galater 5 sind solche Untaten auch das Gegenteil der Frucht des Geistes, siehe

Gal 5,19 Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung,
Gal 5,20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen,
Gal 5,21 Neid, Saufen, Fressen und dergleichen.

Sicherlich erkennen wir uns hier in einigen permanenten Sünden wieder. Jedoch, diese Welt nicht lieb zu haben und sich von ihr abzusondern bedeutet für uns, auf all diese Dinge gerne und bewusst zu verzichten… und uns dabei von Jesus helfen zu lassen.

Stattdessen sollen wir doch lieber auffallen durch ein anderes Leben, in einem Leben in Liebe zu Gott und zu den Nächsten, in einer Welt, die sich schleichend immer mehr zum Schlechten verändert.
Im Idealfall eignen wir uns dabei immer mehr die Frucht des Heiligen Geistes an, siehe

Gal 5,22 Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue,
Gal 5,23 Sanftmut, Keuschheit…

Wenn wir auf diesem Wege sind, dann dürfen wir wie Aaron immer wieder ins Heiligtum eintreten, gewissermaßen bereits im Heiligtum leben. Aaron tat seinen Dienst im Heiligtum, dort, wo Gott damals wohnte. Genauso dürfen auch wir Gott nahe sein. Er hört unser Gebet dort oben im Himmel. Wir haben einen uneingeschränkten Zugang zu dem Thron Seiner Gnade.

Singen wir nun aus Lied 201 die letzte Strophe:
„Es ist eine Ruh gefunden für alle fern und nah durch des Gotteslammes Wunden am Kreuze auf Golgatha.“

Wenn mir Gott in Seiner Heiligkeit, Größe und Vollkommenheit mal wieder deutlich wird, dann kommt mir oft der Gedanke, wie unwürdig ich doch eigentlich bin. Doch sehr tröstlich ist dann für mich der Gedanke, dass auch Aaron nicht besonders würdig oder besser ist als die anderen Menschen. Aaron hat keine besonderen Qualifikationen, ist ein ganz normaler Mensch. Er hat sogar viele Schwächen, ist wankelmütig und baut ein goldenes Kalb. Miriam macht Mose Vorwürfe, und Aaron macht mit. Aaron ist ein Sünder, ganz wie wir auch. Deshalb muss er, bevor er seinen Dienst beginnt, dafür sorgen, dass seine eigenen Sünden durch ein Opfertier hinweg genommen werden.

Auch wir brauchen die tägliche Reinigung. Und wir haben Jesus, der dafür Sorge getragen hat, dafür mit Seinem eigenen Blut bezahlt hat, dass unsere Sünden hinweg genommen werden, täglich, gerade dann, wenn wir Ihn darum bitten.

Aaron, das ist ein Mann Gottes, der als Priester dazu abgesondert ist, Gott zu dienen. Aaron ist so auch ein Bild für uns als Christen. Gott hat auch uns zur geistlichen Priesterschaft berufen, das ist eine sehr hohe Berufung, in ihrer Verantwortung, mit all ihren Anforderungen. Versuchen wir, dieser hohen Berufung gemäß zu leben. Von alleine können wir es nicht. Lassen wir uns doch gerne von Jesus tagtäglich dabei helfen…
Zum Schluss möchte ich uns alle segnen mit einem Segen, der nach Aaron benannt ist, siehe…

4Mo 6,22 Der priesterliche Segen
Und der HERR redete mit Mose und sprach:
4Mo 6,23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:
4Mo 6,24 Der HERR segne dich und behüte dich;
4Mo 6,25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
4Mo 6,26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.


Singen wir jetzt noch einmal die erste Strophe aus Lied 201:

„Ich bin durch die Welt gegangen, und die Welt ist schön und groß, und doch ziehet mein Verlangen mich weit von der Erde los.“